Real Madrid in der Champions League:Ronaldo auf dem Hosenboden

Lesezeit: 3 min

VfL Wolfsburg v Real Madrid CF - UEFA Champions League Quarter Final: First Leg

Augenscheinlich frustriert sitzt er auf dem Rasen: Cristiano Ronaldo von Real Madrid.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Das 0:2 in der Champions League beim VfL Wolfsburg ist auch Cristiano Ronaldos Niederlage. Am Ende wird er von seinem Gegenspieler verlacht.

Von Carsten Eberts, Wolfsburg

Die zweite Halbzeit war erst wenige Minuten alt, da saß Cristiano auf dem Hosenboden. Er schimpfte, wollte einen Freistoß haben, dabei war er nur ausgerutscht. Nur CR7, so sein selbstgegebener Marketingname, konnte etwas dafür, dass CR7 auf dem Wolfsburger Rasen hockte.

Da ahnte der teuerste Spieler des Planeten, dass es nicht sein Abend werden würde. Rund eine halbe Stunde später hatte er Gewissheit. Der Schlusspfiff ertönte, Ronaldo vergaß seine gute Kinderstube und stapfte augenblicklich Richtung Kabinengang. Halt, geht nicht, dachte er sich wohl. Stoppte, ein kurzer Applaus in Richtung der mitgereisten Real-Fans. Dann wieder kehrt. Bloß weg von diesem Ort der Schmach.

Das 0:2 (0:2) des Milliardenensembles von Real Madrid mit seinem Anführer Ronaldo beim VfL Wolfsburg kam überraschend - und war auch Ronaldos persönliche Niederlage. Der Portugiese wirkte beleidigt ob dieser unverschämt guten Deutschen. Er wollte es ja genauso machen wie am Wochenende in der spanischen Liga, beim Clásico gegen den FC Barcelona, als er mit dem Siegtor wieder einmal triumphiert hatte. Nur dass ihm diesmal, im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen einen scheinbar unterlegenen Gegner, überhaupt nichts gelingen mochte.

Vor seinem Aufprall auf dem Hosenboden hatte er bereits ein Abseitstor erzielt und war oft ins Abseits getapst. Er war unter Flanken hindurchgesprungen und ungefähr zehnmal an den zuvor als keineswegs angsteinflößend eingestuften Wolfsburger Verteidigern Dante und Naldo abgeprallt. Insgesamt wirklich kein Abend fürs Erinnerungsalbum.

Reden wollte er nicht, das übernahmen die Kollegen. Etwa Toni Kroos. Eine "absolut schlechte Ausgangslage" attestierte der deutsche Nationalspieler seiner Mannschaft für das Rückspiel in sechs Tagen. Mindestens zwei Tore muss Real dann erzielen; gelingt Wolfsburg nur ein Treffer, wären es bereits derer vier für Real. "Total frustrierend" sei das, bekannte auch Gareth Bale, der ebenso unglücklich agierte wie Ronaldo.

Siegessicher waren die Madrilenen nach Ostniedersachsen gereist - um derart vermöbelt wieder abzureisen. Trainer Zinédine Zidane wirkte ausgesprochen ratlos. Viel zu oft erwähnte er, dass er das Spiel erst analysieren müsse, bevor er genauere Auskunft über die Verfehlungen seiner Mannschaft geben könne (was nach einer Ausrede klang). Dabei waren diese recht einfach zu benennen: Als es Real bis zur 15. Minute nicht gelungen war, in Führung zu gehen, verzagten die hochdekorierten Helden. Nach dem Wolfsburger Führungstreffer durch Ricardo Rodriguez (18., Elfmeter) haderten Ronaldo und Co. mit quasi jeder Schiedsrichter-Entscheidung.

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