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Real Madrid:Ohne Sprit und ohne Geld

Eine Pose, die man nicht allzu oft von Sergio Ramos gesehen hat: Der rustikale Führungsspieler von Real Madrid nimmt ernüchtert das Scheitern seiner Mannschaft gegen den FC Chelsea zur Kenntnis.

(Foto: Glyn Kirk/AFP)

Das Champions-League-Aus beim FC Chelsea verdeutlicht, dass bei Real Madrid größere Reformen vonnöten sind - und löst neue Diskussionen um Trainer Zinédine Zidane aus.

Von Javier Cáceres

Der Abend klang mit einer letzten Loyalitätserklärung aus, und diese Loyalität, sie galt den Untergebenen. "Ich bin stolz auf meine Spieler", sagte Trainer Zinédine Zidane, nachdem seine Mannschaft, Rekordchampion Real Madrid, am Mittwoch beim FC Chelsea in der Champions League ausgeschieden war. Mit 0:2 hatten sie verloren, an der Stamford Bridge setzte es die erste Pleite nach 20 Spielen ohne Niederlage. "Am Ende des Spiels hat uns der Sprit gefehlt", sagte Zidane in London. Das fünfte Königsklassen-Finale in den letzten acht Jahren, es blieb für den 13-maligen Titelträger letztlich unerreichbar. Ob es auch das Ende der zweiten Amtszeit Zidanes bedeutet?

Es gibt so einiges, was darauf hindeutet, wobei es nicht das erste Mal ist, dass die Gerüchte in den Redaktionen der wichtigsten Sportmedien der spanischen Hauptstadt dampfen wie Geysire. In der Nacht zum Donnerstag verbreitete der Radiosender Cope, dass zwei selbstredend anonyme Schwergewichte aus dem Real-Vestibül hinter vorgehaltener Hand erzählen würden, Zidane habe bereits gesagt, am Ende der Saison zu gehen. Wobei mit Schwergewicht nicht Eden Hazard gemeint war, von dem später noch die Rede sein wird und der gern mal die Idealmarke auf der Waage verfehlt.

Zidane selbst wurde in der Pressekonferenz direkt zu seiner beruflichen Zukunft befragt, doch der Franzose hielt sich, wie es seine Art ist, diskret zurück. Ob Real Madrid mit ihm um die nächste Champions League kämpfen werde, wurde er gefragt, und Zidane antwortete, dass ihn das nicht beschäftige. Er denke ausschließlich an das aufsehenerregende Finish in der spanischen Meisterschaft, die ersten drei der Tabelle (Atlético Madrid, Real Madrid, FC Barcelona) sind vier Runden vor Schluss nur zwei Punkte voneinander getrennt, Real empfängt am Sonntag den FC Sevilla, der mit sechs Punkten Rückstand auf Atlético auch noch Chancen auf den Titel hat. "Den Rest wird man dann sehen", sagte Zidane. Und, ach ja: Natürlich werde Real Madrid ein Kandidat für die kommende Königsklassen-Saison sein.

Im Lichte der Leistung vom Mittwoch muss man das nicht als gegeben voraussetzen. Gegen Chelsea wurden ein paar strukturelle Mängel deutlich, unter anderem deutliche Gebrauchsspuren bei etlichen Protagonisten aus der jüngeren Vergangenheit.

Chelsea v Real Madrid - UEFA Champions League Semi Final: Leg Two

Werden sie bei Real Madrid bleiben? Einige Akteure stehen offenbar zur Disposition - auch um Eden Hazard und Trainer Zinédine Zidane sind in Spanien heftige Debatten entbrannt.

(Foto: Clive Rose/Getty)

In London standen in Sergio Ramos, Luka Modric und Karim Benzema drei Champions-League-Sieger von 2014 auf dem Feld, Carvajal und Varane waren verletzungsbedingt verhindert, die damaligen Bankdrücker Marcelo und Isco saßen auch an der Stamford Bridge auf der Bank. Zeitweise wirkte es, als wären die letztlich siegreichen Londoner auf getunten Vespas und die Madrilenen mit dem Rollator unterwegs gewesen. Das lenkte in Madrid unter anderem den Blick darauf, dass Real Madrid liebend gern Kai Havertz verpflichtet hätte.

Aber der spanische Rekordmeister hatte keine Mittel, um mit dem FC Chelsea mitzubieten. Die Pandemie hatte die Einnahmen wegbrechen lassen - zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Für den Stadionumbau war ein knapp 600 Millionen Euro teurer Kredit aufgenommen worden, und 2019 hatte der Klub eine Reihe teurer Transfers getätigt, um den Mitte 2018 zurückgetretenen Zidane im Februar 2019 zurück ins Bernabéu-Stadion zu locken.

Damals kaufte Real Madrid Spieler für mehr als 300 Millionen Euro ein. Unter anderem kamen der erst jetzt etablierte Éder Militão (FC Porto/50 Millionen Euro), Luka Jovic (Eintracht Frankfurt/63), Ferland Mendy (Olympique Lyon/48), Rodrygo (FC Santos/45) - und Eden Hazard vom FC Chelsea, für weit mehr als 100 Millionen Euro. Auf ausdrücklichen Wunsch von Zidane. Nur: Man konnte noch nie - und auch nicht am Mittwoch - davon sprechen, dass Hazards Transfer nach Madrid unter einem guten Stern gestanden hätte.

Erste Entlassungslisten kursieren schon

Als er zum Dienstantritt in Madrid kam, war bei seiner Vorstellung unterm arg gespannten Trikot deutlich zu erkennen, dass er wirklich Urlaub gemacht hatte - mit allem, was dazugehört, insbesondere kulinarisch. Danach folgte eine Verletzung nach der anderen. Am Donnerstag freilich fragten sich insbesondere die populistischen Medien in Madrid, ob er überhaupt verstanden habe, was es heiße, bei Real Madrid zu spielen. Der Grund: Er ging nach der Niederlage nicht in Sack und Asche und peinlich berührt vom Platz, sondern feixte und lachte mit den früheren Kollegen des FC Chelsea.

Ob das dazu führt, dass er den Klub verlassen muss, wie diverse Kommentatoren in Sportgazetten forderten? Wer weiß. Erste Entlassungslisten kursieren schon, und Hazards Name ist dort vermerkt. Auch Klubikone Sergio Ramos wird genannt, weil Real sich angeblich mit dem FC-Bayern-Profi David Alaba einig ist, der zwar ein teures Handgeld, aber keine Ablöse kosten wird, und Vinícius Jr. Nur: Ohne Geld gestalten sich größere Umbauarbeiten schwierig - auch auf der Trainerbank. Auch Zidane verdient netto einen zweistelligen Millionenbetrag pro Jahr - und müsste galaktisch abgefunden werden, wenn man ihn wirklich entlassen wollte.

© SZ/klef/schm/sjo
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