Gareth Bale bei Real Madrid Liebling in Ungnade

Erlebt schwere Zeiten in Madrid: Stürmer Gareth Bale.

(Foto: Getty Images)
  • Nach dem Abschied von Cristiano Ronaldo sollte Gareth Bale die Primadonna bei Real Madrid werden.
  • Doch seine Leistungen sind meist enttäuschend, zuletzt war er nicht einmal mehr erster Einwechselspieler.
  • Vom eigenen Klub fühlt sich der Waliser verraten.
Von Javier Cáceres, Madrid

Santiago Solari, 42, ist einer dieser argentinischen Trainer, die einen Hang zum Lyrischen haben. Er spricht nicht zur Presse, er deklamiert seine Gedanken. Am Dienstag saß er mit durchgedrücktem Rücken im Presseraum der Sportstadt, und er beschwor die Journalisten nicht bloß, das große Ganze zu sehen. Er lud sie ein - zu einem Akt der Kontemplation.

Es stehe doch jedem frei zu entscheiden, wohin er seinen Blick lenken wolle, sagte Solari und sprach von den "vielen schönen Orten", die ungleich attraktiver seien als "die Peripherie des Anekdotischen". Man könne, nur mal so zum Beispiel, darauf schauen, dass Real Madrid seit mehr als tausend Tagen in Besitz des Champions-League-Titels sei, "was womöglich erst in 50 Jahren richtig beachtet werden wird", sagte Solari - oder sich eben Randaspekten zuwenden.

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Allein: Es türmen sich dort Konflikte auf, die Real Madrid mit Unbehagen auf die kommende Woche schauen lassen. Denn bis zum kommenden Dienstag wird sich Spaniens Rekordmeister einer Prüfung in drei Akten unterwerfen, in der es um nicht weniger geht als um die Frage, ob Real schon Anfang März die Saison dem Vergessen überantworten muss.

Zwei Duelle gegen Barcelona, eines gegen Amsterdam

Die drei Akte bestehen aus zwei Duellen mit dem Erzrivalen FC Barcelona - und einer Partie gegen Ajax Amsterdam. Am Mittwoch empfangen die Madrilenen den FC Barcelona im Rückspiel des Pokalhalbfinales (Hinspiel 1:1); am Samstag stehen die Katalanen mit dem formstarken Leo Messi schon wieder auf der Matte, diesmal in der Liga, wobei Real Madrid nur darauf hoffen kann, den Rückstand auf den entrückten Spitzenreiter Barça auf sechs Punkte zu verkürzen. Gegen Ajax wiederum muss ein 2:1-Sieg aus dem Achtelfinal-Hinspiel verteidigt werden, jedoch: ohne Kapitän Sergio Ramos, der eine Gelbsperre absitzen muss - und in einem Ambiente, das dem sagenhaft wolkenlosen Himmel von Madrid diametral entgegengesetzt ist.

Im Grunde ist Real wieder dort angekommen, wo der Klub Ende Oktober 2018, vor der Verpflichtung Solaris, schon einmal war: im Reich der Ungewissheit. Vor wenigen Wochen schien ein zartes Equilibrium hergestellt; wegen der guten Resultate aus dem Pokalhinspiel in Barcelona, dem Sieg in Amsterdam und dem 3:1-Triumph beim Lokalrivalen Atlético Madrid. Dann aber die Wende: Vorletzte Woche verlor der Rekordmeister daheim gegen den abstiegsgefährdeten FC Girona, am vergangenen Wochenende erzielte Real einen so schmeichelhaften wie skandalumwitterten Sieg bei UD Levante.

Kurz zuvor war an die Hofschreiber durchgesteckt worden, dass der nervöse Vereinspatron Florentino Pérez seinen Coach nach dem Girona-Spiel zum Krisen-Dinner gebeten hatte, womit er zweierlei bewirkte. Er untergrub Solaris Autorität, die mit so mutigen Entscheidungen wie der Verbannung von Isco oder Marcelo auf die Reservebank gewachsen war. Und bereitete damit den Boden für eine Rebellion, die Spaniens Zeitungen füllt: die Insubordination von Gareth Bale, 29.