Antonio Rüdiger in Spanien:"Real Madrid oder nix"

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"Ich habe Vertrauen in meine Fähigkeiten", sagt Antonio Rüdiger bei seiner Vorstellung in Madrid (Foto: JAVIER SORIANO/AFP)

DFB-Verteidiger Antonio Rüdiger erklärt, weshalb er unbedingt zum spanischen Rekordmeister wechseln wollte. Er besticht mit trittfestem Gang durch die Ahnengalerie des Klubs - künftig wird er aber die Ellenbogen ausfahren müssen.

Von Javier Cáceres, Madrid/Berlin

Das Bernabéu-Stadion wird zurzeit modernisiert, und die Umbauarbeiten haben auch Auswirkungen auf protokollarische Akte, zum Beispiel auf die Vorstellung von neuen Spielern. Und so begab es sich, dass der neueste Zugang Madrids, der deutsche Nationalspieler Antonio Rüdiger, 29, nicht im Bernabéu-Stadion vorgestellt wurde, sondern im Maschinenraum, im Trainingszentrum in Valdebebas.

Die Veranstaltung war freilich vom handelsüblichen Pathos getragen. Es sei ein "besonderer Tag für den ganzen madridismo", säuselte Präsident Florentino Pérez, nachdem er mit Rüdiger einen Vierjahresvertrag unterschrieben hatte und dem Neuen als Souvenir eine sündhaft teure Uhr und ein Modell des neuen Stadions überreichte. Rüdiger werde dem 14-maligen Champions-League-Sieger "helfen, noch wettbewerbsstärker zu sein", sagte Pérez.

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Das deckt sich mit den Hoffnungen des deutschen Nationalspielers, der in den vergangenen fünf Jahren für den FC Chelsea gespielt hatte. Schon im September habe es über seinen Berater, seinen Halbbruder Sahr Senesie, einen ersten Kontakt gegeben. Nachdem er im April - vor den Champions-League-Duellen mit dem FC Chelsea gegen Madrid - mit Trainer Carlo Ancelotti gesprochen hatte, habe er sich für den spanischen Rekordmeister entschieden. "Das war der wichtigste Moment, da habe ich meine Wahl getroffen", berichtete Rüdiger. Es habe auch ein Interesse des FC Barcelona gegeben, erklärte Rüdiger: "Aber ich habe zu meinem Bruder gesagt: Real Madrid oder nix." Solche Bekenntnisse gehen den madridistas üblicherweise runter wie Öl.

Sein erstes Pflichtspiel wird der europäische Supercup werden - gegen Eintracht Frankfurt

Überhaupt servierte Rüdiger seine Schmeicheleien mit großer Virtuosität. Zu den großen Idolen seiner Kindheit hätten der brasilianische Ronaldo gezählt, einer der "Galácticos" aus den Nullerjahren: "Da, wo ich aufgewachsen bin (im Berliner Bezirk Neukölln) wollten alle Ronaldo sein." Auch Zinédine Zidane, noch so ein "Galáctico", habe es ihm angetan; er brannte sich mit seinem kunstvollen Tor aus dem Champions-League-Finale von Glasgow gegen Bayer Leverkusen (2002) fest auf der Netzhaut der Madrilenen ein: "Das Tor war Kunst!", sagte Rüdiger. Als er auf Spieler aus seinem Fachbereich Verteidigung zu sprechen kam, nannte Rüdiger ebenfalls einen früheren Real-Profi - den portugiesischen Rabauken Pepe.

Nach fünf Jahren beim FC Chelsea wechselt Antonio Rüdiger nun in den Süden. (Foto: Glyn Kirk/AFP)

Er habe gehört, dass dieser Pepe abseits des Platzes "sehr nett" sein solle, was angeblich wirklich stimmt, eingedenk anderer ikonischer Momente aus der Geschichte Madrids, Pepes spektakulärer Tätlichkeit gegen Casquero vom FC Getafe aus 2009, aber unglaublich wirkt. Es steht freilich zu vermuten, dass sich Rüdiger nicht auf Pepes sagenhafte Tritte gegen den am Boden liegenden Casquero bezog, als er sagte: "Auf dem Feld ist er ein Monster. Ich mag das."

Die Ellbogen wird er in Madrid aber schon ausfahren müssen. Der vor Jahresfrist aus München nach Madrid gewechselte David Alaba und der brasilianische Nationalspieler Éder Militão sind ein fein aufeinander abgestimmtes Innenverteidiger-Duo geworden. Er wolle für gesunde Konkurrenz sorgen und sich beweisen. "Ich habe Vertrauen in meine Fähigkeiten", sagte Rüdiger, es speise sich aus der Erfahrung in drei großen Ligen beim VfB Stuttgart, AS Roma und eben Chelsea. Die Bundesliga sei sehr physisch; in der Serie A gehe es "mehr um Taktik, da habe ich gelernt, das Spiel zu kontrollieren", und die Premier League sei schlichtweg: "wow!", weil man "viele Spiele bei hoher Intensität" spielen müsse.

Bei Real wird Rüdiger die Rückennummer 22 tragen, was nicht nur die Geschichte barg, dass Rüdiger die Zahl "2" mag, sondern auch, dass die bisherige "22", Spaniens Nationalspieler Isco, hiermit als ausgemustert gelten darf. Sein erstes Pflichtspiel für Real dürfte Rüdiger am 10. August in Helsinki bestreiten, wenige Tage vor dem Ligaauftakt treffen die Madrilenen in Helsinki auf Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt, um den Sieger des europäischen Supercups zu ermitteln. Der Titel soll her, schon klar, sagte Rüdiger: "Hier geht's nur ums Gewinnen."

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