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Ancelotti bei Real Madrid:Der alte Bekannte kehrt zurück

Carlo Ancelotti ist schon von 2013 bis 2015 Trainer bei Real Madrid gewesen.

(Foto: Peter Powell/AFP)

Während Madrid noch unter dem Schock der Abrechnung von Zinédine Zidane steht, holt Real Carlo Ancelotti als Coach zurück. Er soll den Klub in turbulenten Zeiten befrieden.

Von Javier Cáceres

Knapp eine Woche nach dem spektakulären Rücktritt von Trainer Zinédine Zidane, 48, hat Real Madrid einen alten Bekannten als Ersatz verpflichtet. Wie der Klub am Dienstagabend bestätigte, soll der Italiener Carlo Ancelotti, 61, zur neuen Saison beim spanischen Rekordmeister auf die Trainerbank zurückkehren. Er unterschreibe einen Dreijahresvertrag und werde am Mittwoch vorgestellt. Zuvor hatte Ancelotti beim FC Everton um die sofortige Freigabe gebeten. Der englische Premier-League-Klub soll seinerseits versuchen, Nuno Espírito Santo zu verpflichten, er war zuletzt beim Ligarivalen Wolverhampton Wanderers tätig. Allerdings ist auch Steven Gerrard im Gespräch, der gerade Glasgow Rangers zum schottischen Meistertitel geführt hat.

Ancelotti war schon von 2013 bis 2015 Trainer bei Real Madrid gewesen. Sein größter Erfolg ging als "La Décima" in die Geschichte ein: Er fuhr im Finale von Lissabon gegen den Stadtrivalen Atlético Madrid den zehnten von nunmehr dreizehn Champions-League-Titeln von Real ein. Sein damaliger Assistent hieß Zinédine Zidane, der später als Chefcoach drei Henkelpötte in Serie gewinnen konnte. 2016 wechselte Ancelotti als Nachfolger von Pep Guardiola zum FC Bayern München.

Nur wenige Monate nach dem Sieg in der deutschen Meisterschaft 2017 wurde er allerdings nach einer Champions-League-Niederlage bei Paris Saint-Germain (0:3) entlassen und erst durch Willy Sagnol und dann durch Jupp Heynckes ersetzt. Wenig später heuerte Ancelotti beim SSC Neapel an - doch auch dort endete sein Engagement abrupt und vorzeitig, im Dezember 2019. Beim FC Everton heuerte er nur wenige Tage nach seiner Entlassung an. Die abgelaufene Saison beendete der FC Everton unter Ancelotti als Tabellenzehnter.

Ancelotti gilt als erfahren und gemütlich - mit ihm soll Ruhe einkehren im aufgeregten Klub

Die Ankündigung der Rückkehr Ancelottis vollzog sich, als Madrid noch unter dem Schock der Abrechnung Zidanes mit Vereinsboss Florentino Pérez stand. In einem offenen Brief an die Vereinsmitglieder hatte Zidane sich bitter über mangelnde Unterstützung durch Pérez beklagt - und ihn kaum verhohlen beschuldigt, seine Arbeit durch Durchstechereien an ihm wohlgesonnene Medien hintertrieben zu haben. Er gehe nicht von Bord, sondern gehe, weil die Bedingungen für ein mittel- und langfristiges Projekt nicht gegeben seien.

Ancelotti wurde erst in der Nacht zum Dienstag vom Radiosender Cadena SER als Kandidat für die Zidane-Nachfolge gehandelt. Dem Vernehmen nach begannen die Verhandlungen am Wochenende, die wurden dann fast schon in Rekordzeit abgeschlossen. "Ich habe mich entschlossen, zu gehen, um eine neue Herausforderung bei dem Klub anzutreten, der immer in meinem Herzen gewesen ist", schrieb Ancelotti in einem sozialen Netzwerk. Zuvor galt Ancelottis Landsmann Antonio Conte, der gerade Inter Mailand zum Titel geführt hatte, als Favorit auf die Zidane-Nachfolge. Die Umfragen unter den Vereinsmitgliedern, die Real regelmäßig durchführt, sollen allerdings verheerend ausgefallen sein.

Das Fußvolk Reals favorisierte Klublegende Raúl González Blanco, der zurzeit die zweite Mannschaft von Real trainiert. Allerdings gilt Raúls Verhältnis zu Vereinschef Pérez als kompliziert. Ein weiterer Kandidat, der argentinische Thomas-Tuchel-Nachfolger Mauricio Pochettino, kam angeblich bei Paris Saint-Germain nicht frei, obwohl er nach nur wenigen Monaten Amtszeit bereits mit Manager Leonardo massiv über Kreuz liegen soll. In spanischen Medien heißt es, Madrid habe einen Konflikt mit PSG vermeiden wollen, da man sich noch immer Hoffnungen auf eine Verpflichtung von PSG-Stürmer Kylian Mbappé mache.

Mit dem erfahrenen und gemütlichen Ancelotti soll bei Real wohl vor allem Ruhe einkehren. Das war schon bei seinem ersten Engagement so gewesen: Seinerzeit folgte er auf den Portugiesen José Mourinho. Nach einer titellosen Saison hat Real Madrid einige Baustellen offen, insbesondere in Sachen Kaderplanung. Als einziger Zugang ist bislang David Alaba bestätigt, der ablösefrei vom FC Bayern nach Madrid gewechselt und in München unter Ancelotti gespielt hat. Als mögliche Abgänge gelten Innenverteidiger Raphaël Varane, der 50 Millionen Euro Ablöse einbringen soll, und sein Kollege und Kapitän Sergio Ramos. Dessen Vertrag läuft aus. Ramos taucht auch nicht mehr im Video auf, mit dem Real Madrid seit Dienstag das neue Trikot bewirbt, was ein Indiz auf einen bevorstehenden Abschied sein könnte.

© SZ/ebc
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