Real Madrid:Armageddon gegen Ajax

Real Madrid - Luka Modric und Gareth Bale

Luka Modric macht unter anderem Gareth Bale für die durchwachsene Saison verantworlich.

(Foto: AP)
  • Real Madrid hat den Pokal und die Meisterschaft gegen den FC Barcelona verloren. Gegen Ajax Amsterdam soll in der Champions League die Chance auf einen Titel gewahrt werden.
  • Luka Modric sieht die Schuld unter anderem bei seinen Angriffskollegen, die den Weggang von Cristiano Ronaldo nicht kompensieren können.
  • Der deutsche Schiedsrichter Felix Brych soll den Madrilenen nun gegen Ajax Glück bringen.

Von Javier Cáceres, Madrid

Falls noch ein Zweifel daran bestand, dass die Dinge in der Umkleide von Real Madrid im Argen liegen, beseitigte sie Luka Modric am Montag. Am Vorabend des Champions-League-Rückspiels gegen Ajax Amsterdam (Hinspiel: 2:1 für Real) saß der Kapitän des kroatischen Nationalteams im Pressesaal der Sportstadt Valdebebas - und warf ein Zündholz in eine Wanne, die schon seit Wochen und Monaten nach Brennstoff riecht.

Es ging, wieder einmal, um Cristiano Ronaldo, der zu Saisonbeginn zu Juventus Turin wechselte, nachdem er neun Jahre lang bei Real für überschlägig 50 Saisontore gebürgt hatte. Ronaldo zu ersetzen, sei fast unmöglich, konzedierte der Ex-Kollege Modric. Aber die bisherige Saison verführte ihn dazu, seine Angriffskollegen zu attackieren: "Ich will keine Namen nennen", sagte Modric zunächst. "Aber einige hätten einen Schritt nach vorn tun müssen. Ich meine damit nicht, 50 Tore zu schießen. Aber 15, 20 oder zehn. . . Wir haben sie (diese Spieler) nicht. Und das ist unser größtes Problem." In Zahlen: Vor einem Jahr hatte Real Madrid 25 Tore mehr als in dieser Spielzeit - und Ronaldo lag in der internen Torschützenliste mit 26 Treffern vorn.

Modric selbst führte dann doch eine Liste von Kandidaten an, die sich angesprochen fühlen durften: Er nannte Gareth Bale, den neuen Paria des Bernabéu-Stadions, Karim Benzema - und Marco Asensio, der zu Saisonbeginn erklärt hatte, nicht derjenige sein zu wollen, "der den Karren zieht".

Gegen Ajax würde sogar ein 0:0 reichen

Im Sommer kam ein gewisser Mariano aus Lyon zurück, zudem debütierte der 18-jährige Vinícius, "der es für sein Alter sehr gut macht", wie Modric sagte, aber so oft daneben zielt, dass die Zeitung Marca am Montag ätzte, er würde "nicht mal einen Pfarrer in einem Salzhaufen treffen".

In dieser Saison hat Real Madrid in zehn Spielen kein eigenes Tor erzielt. Dabei liegen die Zeiten, als sie 73 Spiele mit mindestens einem Treffer aneinander reihten, nicht weit zurück. Die gute Nachricht für Real ist: Gegen Ajax würde ein 0:0 und sogar ein 0:1 reichen. Die schlechte Nachricht: Über der Stadt liegt eine Nervosität, als stünde gegen Ajax ein Armageddon an, eine endzeitlich anmutende Entscheidung von biblischer Dimension.

Wie schon in den Vorjahren muss Real alles auf eine Karte setzten, auf den Sieg in der Champions League. Pokal und Meisterschaft wurden seit Mittwoch in zwei Clásicos gegen den FC Barcelona verloren. Modric mühte sich zu betonen, dass die Mannschaft "seelisch gut drauf" sei. Doch das wirkte schon deshalb bemüht, weil er auch eingestanden hatte, dass man nach den beiden Pleiten gegen Barça "angeschlagen" sei. Das dürfte für alle erdenklichen Ebenen gelten: emotional, fußballerisch und auch physisch.

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