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La Liga:Muss Real temporär aus dem Bernabéu ausziehen?

Champions League Semi Final Second Leg - Real Madrid v Bayern Munich

Muss womöglich zeitweise woanders jubeln: Reals Angreifer Karim Benzema.

(Foto: Kai Pfaffenbach/Reuters)
  • Falls die Fußball-Saison in Spanien verlängert wird, muss Real Madrid womöglich seine Heimspiele zeitweise außerhalb des Bernabéu-Stadions austragen.
  • Spaniens Ligachef Javier Tebas deutet das Szenario an. Hintergrund ist ein umstrittener Umbau am Stadion.
  • Tebas sagte zudem, dass eine Fortsetzung des derzeit ruhenden Spielbetriebs kaum vor dem letzten Maiwochenende erfolgen könne. Spaniens Liga bleibe entschlossen, die Spielzeit abzuschließen.

Spaniens Rekordmeister Real Madrid muss im wahrscheinlichen Fall einer Verlängerung der laufenden Saison möglicherweise erstmals seit den 80er Jahren für ein Heimspiel das Bernabéu-Stadion verlassen. Dies deutete der Chef der spanischen Fußball-Liga LFP, Javier Tebas, am Dienstag in einer internationalen Medienrunde zu den Folgen der Corona-Krise an, an der auch die Süddeutsche Zeitung teilnahm.

Ohne Real Madrid ausdrücklich zu nennen, führte Tebas das Beispiel eines Klubs an, der einen millionenschweren Vertrag abgeschlossen habe, "der nur schwerlich zu brechen ist", um in der nun wohl hinfälligen Sommerpause sein Stadion zu reformieren und ein Dach zu installieren. Das trifft auf Real Madrids Bernabéu-Stadion zu. Der umstrittene Umbau, der unter anderem die Installation eines verschiebbaren Dachs beinhaltet, sollte vor allem in Saison- und Länderspielpausen vorangetrieben werden. Zurzeit ruht in Spanien wegen der Corona-Pandemie das öffentliche Leben. Es könne passieren, dass der betroffene Klub "sein Stadion nicht benutzen kann", sagte Tebas.

Eine theoretische Ausweichmöglichkeit böte das Estadio Alfredo Di Stéfano in der vereinseigenen Sportstadt Valdebebas. Es bietet 6000 Zuschauern Platz. Vor dem Hintergrund der Restriktionen, die bei Wiederaufnahme des Spielbetriebs gelten werden, wäre ein Umzug in das Di-Stéfano-Stadion verschmerzbar.

Tebas rechnet nicht damit, dass es in dieser Spielzeit zu Partien mit Zuschauern kommt. Wie das Protokoll bei Spielen ohne Zuschauer aussieht, ist noch nicht entschieden. Symbolisch wäre ein Umzug für die jetzige Klubführung freilich ein heikles Unterfangen. Kritiker halten Klubchef Florentino Pérez vor, dass der mehr als 500 Millionen Euro teure Umbau von dem Wunsch getrieben sei, sich selbst ein Denkmal zu setzen.

Letztmals für ein Heimspiel umziehen musste Real in der Saison 1987/88 im Landesmeisterpokal. Hintergrund war eine Strafe, nachdem Bayern-Torwart Jean-Marie Pfaff im Bernabéu-Stadion von den Rängen beworfen worden war. Real musste zunächst eine Partie hinter verschlossenen Türen austragen (gegen den SSC Neapel um Diego Maradona) und dann für ein Duell mit dem FC Porto nach Valencia ausweichen.

"Ein Abbruch steht nicht zur Debatte", sagt Ligachef Tebas

Mit Blick auf die am 11. März unterbrochene laufende Spielzeit sagte Tebas, dass eine Rückkehr des Spielbetriebs kaum vor dem letzten Maiwochenende erfolgen könne. Spaniens Liga bleibe entschlossen, die Spielzeit abzuschließen. "Ein Abbruch steht nicht zur Debatte", versicherte Tebas. Das Worst-Case-Szenario habe man freilich durchgespielt, nicht zuletzt in den Gesprächen mit den Banken und Investoren. "Falls wir nicht wieder anfangen, würden sich die wirtschaftlichen Folgen für die spanischen Vereine auf eine Milliarde Euro summieren, wenn man die Gelder mitberücksichtigt, die von den europäischen Wettbewerben kommen."

Sollte die Liga Spiele hinter verschlossenen Türen austragen, lägen die Verluste bei 300 Millionen Euro. "Selbst bei Spielen mit Publikum würden sie sich wegen des bereits entstandenen Schadens auf 150 Millionen Euro belaufen." Etwaige Verringerungen der Zahlungen durch die TV-Sender erwartet Tebas bei Spielen ohne Zuschauer nicht. Gleichzeitig werden alle Sparmöglichkeiten geprüft. Zahlreiche spanische Klubs haben mit ihren Spielern bereits Gehaltsreduktionen vereinbart oder Kurzarbeit beantragt. Für die kommenden Jahre werden die Obergrenzen für Gehaltszahlungen der spanischen Klubs, die sich an den Einnahmen bemessen, abgesenkt. Tebas unterstrich, dass Spaniens Fußball auf keinen Fall Staatshilfen beantragen werde. "Wir werden keine Subvention beantragen", sagte er. "Das kommt nicht infrage."

Tebas pochte nachdrücklich auf die grundsätzliche Einhaltung der Financial-Fair-Play-Regeln der Uefa. Zuwendungen durch liquide Eigner, etwa bei staatlich alimentierten Klubs wie Paris St. Germain (Katar) oder Manchester City (Vereinigte Arabische Emirate), dürften ausschließlich zur Tilgung etwaiger Schulden genutzt werden - nicht, um sich auf dem Transfermarkt einen Vorteil zu verschaffen. Tebas mahnte insbesondere die Einhaltung bestehender Verpflichtungen der Klubs untereinander an. "Um ganz transparent zu sein: Der spanische Fußball wartet bis zum 30. September 2020 auf Zahlungen anderer europäischer Klubs in Höhe von 350 Millionen Euro." Sollte das Geld nicht fließen und der Zahlungskreislauf unterbrochen werden, drohe ein Domino-Effekt, der die spanischen und europäischen Klubs mitreißen würde.

Eine radikale Absage erteilte Tebas etwaigen Plänen für eine europäische Super League, wie sie noch vor wenigen Monaten von europäischen Topklubs verfolgt wurde. "Eine Super-Liga hätte schon unter normalen Umständen eine Krise verursacht, die den Kleinsten und die Größten getroffen hätte... Jetzt hieße es, mehr Brennholz ins Feuer zu werfen." Die Gerüchte über einen Wechsel des mehrmaligen Weltfußballers Lionel Messi (FC Barcelona) nach Italien wiederum quittierte Tebas mit einem Lächeln. Die Schuldenratio der italienischen Liga seien doppelt so hoch wie die der Bundesliga. "Das löst man nicht, indem man Messi holt. Ich will Messi natürlich in der Liga halten. Aber selbst wenn: Cristiano Ronaldo ist nach Italien gegangen, und wir sind international weiter gewachsen, sogar in (Ronaldos Heimat) Portugal."

© SZ.de/chge/tbr

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