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Reaktionen auf Doping-Untersuchung:Schon um die 54er-Elf gibt es Gerüchte

Bei alledem ist der Komplex "Deutscher Fußball und Doping" wahrlich kein neues Thema. Schon die WM-Helden von 1954 umwaberten Manipulationsgerüchte; ungeklärt bis heute, was sich in den Spritzampullen befand, die sich nach dem Finale in der Berner Stadionumkleide fanden.

Berliner Wissenschaftler entdeckten bei den Recherchen für ihre große Studie über Doping in der Bundesrepublik einen Brief eines wichtigen Funktionärs, in dem es heißt, dass bei der WM 1966 "bei der deutschen Mannschaft bei drei Spielern sehr feine Zeichen von Ephedrin" entdeckt worden seien - ein schon damals verbotenes Aufputschmittel. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ließ ein Gutachten erstellen, wonach es sich nicht um einen Dopingfall handele. In den Achtzigern berichtete Toni Schumacher in seinem Buch "Anpfiff" über den Einsatz von Stimulanzien im Fußball, andere taten es ihm später nach.

Auch der VfB Stuttgart selbst war schon ins Gerede geraten - lange vor den aktuellen Vorwürfen, bereits in der Bundesliga-Sommerpause 1992. Damals hatte der damalige Stuttgarter Meistertrainer Christoph Daum gemäß Medienberichten ausgeplaudert, dass bei der Rehabilitation von verletzten Spielern Clenbuterol zum Einsatz käme - jenes Kälbermastmittel, das Wochen zuvor den Leichtathletik-Sprinterinnen Katrin Krabbe und Grit Breuer nachgewiesen worden war.

Doping "Läufst du wie ein Stümper, musst du zum Klümper"
Porträt
Umstrittener Sportmediziner

"Läufst du wie ein Stümper, musst du zum Klümper"

Wer ist der brummige Doktor, der Fußballern in den siebziger und achtziger Jahren Anabolika verabreicht haben soll? Armin Klümper betreute zeitweise bis zu 70 Prozent aller westdeutschen Topathleten. Heute schottet er sich ab.   Von Lisa Sonnabend

Rasch ruderte Daum in einer kuriosen Stellungnahme zurück: Er sei irrtümlich der Auffassung gewesen, im Verein werde Clenbuterol verwendet, in Wahrheit handle es sich bloß um Anabolika, wurde er dann zitiert. Auch der langjährige Klubarzt Edgar Stumpf erklärte, dass beim VfB Stuttgart "im therapeutischen Bereich bei Langzeitverletzten (...) nach operativen Eingriffen mit längerer Ruhigstellung und damit verbundener Muskelverschmächtigung zur Wiederherstellung des muskulären Zustandes selbstverständlich ein Anabolikum verordnet" werde.

Nun geht es in den aktuellen Vorwürfen aus Freiburg nicht nur um die Vergangenheit des Fußballs, sondern auch um seine Gegenwart. Grundsätzlich stellt sich ja die Frage, warum ein Missbrauch ausgerechnet dann beendet worden sein soll, als das Betrugsverfahren gegen Klümper, aus dem die Freiburger Evaluierungskommission ihre Beweise ableitet, zu Ende ging. Auch ist es so, dass Klümper auf viele, teilweise noch heute aktive, Sportärzte nachhaltig gewirkt hat.

Das muss nichts mit Dopingpraktiken zu tun haben. Aber in einer gründlichen Aufarbeitung dürfte wohl auch der Aspekt eine Rolle spielen, dass unter den deutschen Sportärzten der Gegenwart viele "Klümperianer" sind.