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RB im DFB-Pokal:Poulsen und Hwang brechen die Serie von Casteels

Yussuf Poulsen war bei seinem 1:0 nicht einzufangen von den Wolfsburgern.

(Foto: Michael Sohn/AP)

Leipzig freut sich beim 2:0 gegen Wolfsburg über den Einzug ins Pokal-Halbfinale und Tore gegen einen starken Keeper - beim VfL ärgert man sich über eine Slapstick-Szene.

Von Javier Cáceres, Leipzig

Dank einer nordischen Koproduktion und einem späten koreanischen Abstaubertreffer hat sich RB Leipzig am Mittwoch für das Halbfinale im DFB-Pokal qualifiziert. In einer anregenden Partie besiegte der Bundesliga-Zweite den Tabellennachbarn aus Wolfsburg mit 2:0. Die Führung erzielte der Däne Yussuf Poulsen nach einer Vorlage des norwegischen Einwechselstürmers Alexander Sörloth, das 2:0 besorgte der gleichfalls eingewechselte Koreaner Hee Chan Hwang. Es waren die ersten beiden Treffer, die Wolfsburgs Torwart Koen Casteels seit Mitte Januar hinnehmen musste - nach über 700 Minuten ohne Gegentore.

Die Niederlage war für die Wolfsburger umso tragischer, als sie nach knapp 26 Minuten auf skurrile Weise eine kaum zu toppende Gelegenheit liegen ließen, in Führung zu gehen. Referee Marco Fritz hatte sich vom Videoassistenten an den Fernsehschirm am Spielfeldrand rufen lassen - und dort sah er etwas, was er live (aus nachvollziehbaren Gründen) nicht gesehen hatte: ein elfmeterwürdiges Vergehen. Leipzigs Christopher Nkunku hatte Wolfsburgs Kevin Mbabu beim Schussversuch gestört und auch am Fuß berührt. Für Fritz war das Grund genug, doch einen Strafstoß zu pfeifen, den kein Wolfsburger gefordert hatte. Wie auch immer: Wolfsburgs Stürmer Wout Weghorst legte sich erst den Ball zurecht - und dann eine Slapstickszene hin.

Denn: Er rutschte mit dem Standbein weg und flog auf den Rücken. Es sah aus, als hätte er eine Bananenschale neben dem Ball übersehen, den er, gewissermaßen im Fallen, Richtung Elsterbecken schaufelte. Sprich: hin zu einem Gewässer, das in Leipzig hinter den Stadionmauern liegt. Weghorst prügelte auf den Boden ein. Voller Wut, und voller Verzweiflung.

Ansonsten waren die beiden derzeit erfolgreichsten Torhüter der Bundesliga in der ersten Halbzeit nur selten gefordert, aber in beeindruckender Weise auf der Hut, vor allem Wolfsburgs Koen Casteels. Er verhinderte in der 12. Minute mit einer veritablen Glanztat einen Rückstand. Leipzigs Dani Olmo hatte zwei Wolfsburger Verteidiger fein ausgewackelt und den Ball ebenso fein auf Nkunku gechippt - den Kopfball des Franzosen aber parierte Casteels mit einer erstaunlichen Reaktion auf der Linie. Auf der anderen Seite bestach Leipzigs Peter Gulacsi vor allem in einem Duell mit Renato Steffen. Der Schweizer war quasi allein aufs Tor der Leipziger gestürmt, seinen Schuss wehrte Gulacsi mit dem Knie ab.

Auch wenn die Zahl der Chancen gering war, dem unterhaltsamen Charakter der Partie tat das keinen Abbruch. Es war zu spüren, dass sich da zwei Teams gegenüberstanden, die gerade keinerlei Probleme mit ihrem jeweiligen Selbstwertgefühl haben. Das gebar eine Gemengelage, in der Leipzig zwar latent überlegen wirkte, ohne eine erdrückende Hegemonie zu entwickeln.

Nach der Pause änderte sich die Grundstruktur der Partie in Nuancen - zugunsten der Leipziger. Trainer Julian Nagelsmann stellte von einer Vierer- auf eine Dreierkette um; nach und nach entwickelte Leipzig größere Gefahr. Nachdem der spätere Torschütze Poulsen vom Sturmkollegen Nkunku per Hacke bedient worden war, parierte Casteels (52.). Dann warf sich Mbabu in eine Schuss von Nkunku (53.). Nach einer Stunde aber wechselte Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann Sörloth ein - und damit auch den Sieg.

Es war nicht ganz so wie am Samstag, als Sörloth in der letzten Minute der Partie gegen Borussia Mönchengladbach den Siegtreffer erzielte. Aber er verlieh den Angriffen Leipzigs ein neues Volumen, wie beim Führungstreffer exemplarisch zu sehen war.

Sörloth, der eigentlich als Mittelstürmer geholt worden war, stürmte auf der rechten Flanke bei einem Konter Mbabu davon und passte scharf auf Poulsen, der sich gegen Xaver Schlager durchsetzte -und dann Glück hatte. Denn seinen Schuss lenkte Wolfsburgs Verteidiger Maxence Lacroix um den machtlosen Casteels herum (64.). Die Leipziger verteidigten danach im Grunde alles weg, was die Wolfsburger noch an Angriffsversuchen starteten. Richtig gefährlich wurde es aber erst wieder in der 78. Minute, bei einem Fernschuss des eingewechselten Josip Brekalo, den Nordi Mukiele abfälschte. Doch am Ende war es der eingewechselte Koreaner Hwang, der per Abstauber den 2:0-Endstand erzielte.

© SZ/bek
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