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Timo Werner:Neuer Vertrag mit Hintertürchen

RB Leipzig v Eintracht Frankfurt - Bundesliga

Den Vertrag in Leipzig verlängert, ein Tor erzielt, einige Chancen ausgelassen: Timo Werner.

(Foto: Adam Pretty/Getty Images)
  • Bei RB Leipzig herrscht Erleichterung über die Vertragsverlängerung von Stürmer Timo Werner.
  • Doch der Vertrag dürfte ein Hintertürchen beinhalten - und Werner kaum bis 2023 in Leipzig bleiben.
  • Berichte über eine Ausstiegsklausel dementiert RB nicht.

Öffentlich gesprochen hat Timo Werner in den vergangenen Monaten selten. Das eine oder andere mal über sich selbst etwas gelesen hat er allerdings schon. Manche Dinge seien ihm angedichtet worden, berichtete der 23-Jährige am Sonntag in der Leipziger Arena, konkret: dass ihn die monatelangen Vertragsverhandlungen mit RB Leipzig auf dem Rasen negativ beeinflusst hätten. "Daran lag es nicht", entgegnete Werner, "ich habe ja trotzdem 16 Tore geschossen." Aber: So tief sei er nicht "in der Psychologie drin", um einen Einfluss von Vertragsverhandlungen auf seine Treffsicherheit völlig ausschließen zu können. Seit Sonntagmittag steht jedenfalls offiziell fest: In der Causa Werner ist jetzt Ruhe. Erst einmal.

Bundestrainer Joachim Löw wird dies mit Erleichterung vernommen haben, steht doch schon Anfang September die nächste Partie in der EM-Qualifikation an. Wenn Werner dann als derzeit fittester Stürmer der Nationalmannschaft ins Stadion in Hamburg gegen die Niederlande einläuft, sollte ihn nichts mehr ablenken. Alle Gedanken an Arbeitgeberwechsel und Umzugspläne sind - zunächst - vertagt. Durch den langfristigen Ausfall von Leroy Sané (Kreuzbandriss) erscheint ein auf den Beruf fixierter Werner wichtiger denn je.

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Seit er 2016 vom VfB Stuttgart nach Leipzig kam, "war das immer eine gute Sache zwischen mir und RB", sagte Werner nach dem 2:1 gegen Eintracht Frankfurt, zu dem er das erste Tor beigesteuert hatte. Heute wird er von Julian Nagelsmann trainiert, doch schon unter dessen Vorgängern Ralph Hasenhüttl und Ralf Rangnick war er die Nummer Eins im Angriff. Das Leipziger Konterspiel kennt ihn als Fixpunkt, denn notfalls bringt er nach Tempoläufen auch in Bedrängnis den Ball ins Netz.

"Es gab genug Topklubs, die angeklopft haben"

Und doch scheint allen Beteiligten klar zu sein, dass der neue Kontrakt wohl doch einer mit Hintertürchen ist. Wenn er will und einen finanzkräftigen Interessenten findet, kann Werner wohl bereits im Transfersommer 2020 hindurch schlüpfen. Berichte über eine Ausstiegsklausel dementierte RB-Geschäftsführer Oliver Mintzlaff auf Nachfrage nicht, sie soll zwischen 30 Millionen (laut Kicker) und 60 Millionen (laut Bild) liegen, wobei bei letzter Variante ein jährliches Schrumpfen enthalten sein dürfte. "Es gab genug Topklubs, die angeklopft haben, auch seriös angeklopft haben und Angebote unterbreiteten", sagte Mintzlaff. Das Ausland aber habe Werner in diesem Sommer nicht gereizt.

"Das Fußballgeschäft ist schnelllebig", so Mintzlaff, "wir haben jetzt diese Saison Ruhe, was nach der Saison passiert, werden wir sehen." Und Werner fand, man sollte nicht mehr über den FC Bayern reden und darüber, warum der Wechsel dorthin gescheitert sei. Oder ob er in der Zukunft noch eine Option ist. Werner sagte: "Ich habe bei Leipzig unterschrieben. Mehr brauche ich nicht zu sagen. Man sollte die anderen Sachen auf sich beruhen lassen."

Wie lange er selber still hält, dürfte maßgeblich davon abhängen, wie sich RB fortan präsentiert. "Ich habe gesehen, dass da Potenzial ist. Dass wir dieses Jahr voll angreifen können. Davon wollte ich Teil sein", sagte Werner. Die Fachwelt wird gespannt zuschauen, welche Entwicklung der Stürmer unter Nagelsmann nimmt. Hält sich Leipzig lange in der Champions League, spielt der Klub in DFB-Pokal und Bundesliga eine Hauptrolle, dürfte dies die Chance stärken, dass das mit RB und Werner womöglich doch ein bisschen länger wirkt.

Wobei, so einfach ist es auch nicht: Die Bühne der EM 2020 könnte die Begehrlichkeiten der Großklubs stärken. Wie sagte es doch Mintzlaff: "Irgendwann kommt vielleicht die Zeit, wo er zu einem ganz großen Klub wechselt."