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RB Leipzig:Raum für den Timo-Werner-Rekord

Schon lange galt er als der talentierteste deutsche Stürmer. Unter Trainer Nagelsmann spielt Timo Werner auf einem noch höheren Niveau - auch das erklärt, warum Leipzig sich an der Tabellenspitze etabliert.

Als in Bukarest die deutschen EM-Gegner ausgelost waren, verließ Timo Werner gerade Ostwestfalen. Der allgemeine Schreck über die Gruppenkontrahenten Frankreich und Portugal mag groß gewesen sein, aber die Stimmung beim besten deutschen Stürmer erschien ungetrübt - auch wenn RB Leipzigs 3:2-Sieg beim Tabellenletzten SC Paderborn unerwartet knapp ausgefallen war. Werner hat in der 3. Minute das 1:0 durch Patrik Schick vorbereitet, in der 4. Minute das 2:0 durch Marcel Sabitzer beobachtet und in der 26. Minute das 3:0 selbst erzielt. Der 23-Jährige war also an zwei von drei Treffern beteiligt; in den jüngsten sieben Leipziger Pflichtspielen hatte er sogar bei 17 von 29 Treffern geholfen. Warum sollte so jemandem der Schrecken in die Glieder fahren, bloß weil man bei einer EM gegen Frankreich und Portugal spielen muss?

Wenn Werner in jüngerer Zeit nach Fußballspielen interviewt worden ist, dann hat er oft nicht recht gewusst, was er sagen soll. Aber das war ein Luxusproblem. Die Frage war stets: Warum bloß trifft der gebürtige Schwabe zurzeit so gut? Werner galt ja schon lange als talentiertester deutscher Stürmer, er hatte schon vor dieser Saison in 188 Bundesligaspielen für Stuttgart und Leipzig 63 Tore geschossen. Doch seit das Hickhack um seinen Wechsel zum FC Bayern München im Sommer beendet wurde, seit er seinen Vertrag in Leipzig bis 2023 verlängert hat und seit der Trainer dort Julian Nagelsmann heißt, spielt Werner noch einmal auf einem anderen Niveau. 13 Tore in den ersten 13 Liga-Saisonspielen deuten darauf hin, dass er seinen Rekord von 21 Treffern aus der Saison 2016/17 einstellen wird, damals unter dem Trainer Ralph Hasenhüttl.

Paderborn - RB Leipzig / Fussball 1.Bundesliga Paderborn, 30.11.2019, Benteler Arena, Fussball, BuLi, 13.Spieltag , SC P

Strecken vergeblich: 13 Tore in den ersten 13 Ligaspielen hat Timo Werner erzielt, jedes so abgeklärt wie diesen Treffer zum 3:0 in Paderborn.

(Foto: imago images/Picture Point LE)

Auf die Frage nach den Gründen für seine Formexplosion antwortet Werner stets demütig. Am Samstag sagte er: "Wenn ich das selber wüsste, hätte ich es auch in den letzten Jahren schon so gemacht." Aber in den vergangenen Jahren haben die Leipziger keinen Nagelsmann-Fußball gespielt. Nagelsmann-Fußball ist noch einmal eine Nummer schneller und offensiver und eröffnet Werner nach Ballgewinnen noch mehr Räume. Obwohl der 32 Jahre alte Trainer erst seit fünf Monaten im Verein ist, funktioniert das alles schon erstaunlich gut. Am vergangenen Mittwoch hatten sich die Leipziger durch ein 2:2 gegen Benfica Lissabon erstmals in der Vereinsgeschichte für das Achtelfinale der Champions League qualifiziert. Mit dem 3:2-Sieg in Paderborn eroberten sie nun überdies vorläufig die Tabellenspitze der Bundesliga. Werner dürfte glücklich sein, in Leipzig verlängert zu haben. Die Perspektiven bleiben glänzend.

Er ist punktgleich mit dem Münchner Robert Lewandowski derzeit der beste Scorer der Bundesliga, erzielte also in der Summe die meisten Tore und die meisten Torvorlagen, nämlich 18. In der Spitzengruppe dieser Scorerliste wimmelt es übrigens von französischen Spielern: mit dem Schalker Amine Harit, den Gladbachern Marcus Thuram und Alassane Plea sowie Werners Leipziger Kollegen Christopher Nkunku. Man darf gespannt sein, wem von ihnen die deutsche Mannschaft am 16. Juni in München begegnen wird.

Torschützenliste

1 Robert Lewandowski (FC Bayern) 16

2 Timo Werner (RB Leipzig) 13

3 Rouwen Hennings (Fort. Düsseldorf) 10

Im Nationalteam trifft Werner allerdings nicht ganz so unbeschwert wie für Leipzig. In sechs von zehn Länderspielen ist er in diesem Jahr zum Einsatz gekommen, hat zwei Treffer erzielt, aber keinen vorbereitet. Als möglichen Grund könnte man eine Erklärung von Matthias Ginter heranführen, der als Verteidiger bei Borussia Mönchengladbach unter dem Trainer Marco Rose ebenfalls einen RB-ähnlichen Tempofußball spielt und über den Unterschied zum Fußball im Nationalteam kürzlich gesagt hat: "Wenn man zur Nationalmannschaft kommt, braucht man ein, zwei Tage, um sich wieder an das DFB-Gen zu gewöhnen."