Marco Rose:Sehr kompatibel mit Leipzig

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Marco Rose: Marco Rose ist gebürtiger Leipziger - trainiert er auch bald den ansässigen Klub?

Marco Rose ist gebürtiger Leipziger - trainiert er auch bald den ansässigen Klub?

(Foto: Revierfoto/Imago)

Leipzig-Trainer Domenico Tedesco ist weg. Als designierter Nachfolger gilt der frühere BVB-Coach Marco Rose. Ihn würde ein Team erwarten, das in vielfacher Hinsicht aus der Spur geraten ist.

Von Javier Cáceres, Leipzig

Domenico Tedesco, 36, ist ein Mann von ausgesuchten Umgangsformen. Und so war es alles andere als überraschend, was am Mittwoch schon am Vormittag in Leipzig kolportiert wurde. Kaum, dass er am frühen Vormittag in der Zentrale von RB Leipzig die Nachricht überbracht bekommen hatte, dass er als Trainer beurlaubt sei, ging er auf eine Handshake-Tour. Er bedankte sich persönlich bei allen Mitarbeitern für zehn schöne und weitgehend erfolgreiche Monate, der DFB-Pokalsieg ist ja nur 109 Tage her. Und er versicherte allen, sich sicher zu sein, dass RB noch immer alle Möglichkeiten hat, die gesteckten Ziele zu erreichen.

Die Nachricht vom "Tedes-k.o.", wie die Bild namenswitzelte, kursierte schon, als der Trainer noch durch die Katakomben des Leipziger Stadions wanderte und auch abseits der Kameras und Mikrofone seinen Unglauben darüber zum Ausdruck brachte, dass die Champions-League-Partie gegen Schachtjor Donezk mit sage und schreibe 1:4 verloren gegangen war.

Zwar war am Mittwochvormittag von einer "tiefgreifenden Analyse" die Rede, die zur Abberufung Tedescos geführt habe. Doch diese Darstellung kollidierte mit der am Dienstagabend sehr sicher vorgetragenen Nachricht von Sky, wonach Tedescos Aus besiegelt sei. Dem TV-Sender war die Information über den Abschied zugetragen worden, als die meisten Spieler von RB noch in der Kabine mit Körperhygiene beschäftigt waren. Beziehungsweise: als der designierte Nachfolger Marco Rose, 45, noch in Salzburg weilte, sich die Champions-League-Partie seines Ex-Klubs RB gegen den AC Milan anschaute (1:1).

Offiziell hieß es am Mittwoch, dass man den neuen Trainer "zeitnah" vorstellen wolle. Dem Vernehmen nach waren sich Rose und RB Leipzig am Mittwoch über alle Eckdaten einer künftigen Arbeitsbeziehung einig. Und Rose ist offenkundig auch bereit, sich eine Konstellation anzutun, die mindestens kurios ist, oder genauer: mit Pikanterie behaftet. An den nächsten beiden Bundesligaspieltagen trifft Leipzig auf Borussia Dortmund (Samstag) und auf Borussia Mönchengladbach - jene beiden deutschen Trainerstationen im Lebenslauf des gebürtigen Leipzigers Rose, der zuvor eben in Salzburg gearbeitet und dort den österreichischen Meistertitel gewonnen hatte. Zwischen den beiden Begegnungen mit seinen Bundesliga-Verflossenen steht für Leipzig noch eine Champions-League-Reise an: in die spanische Hauptstadt, zum Titelverteidiger Real Madrid.

Was Tedescos Nachfolger vorfinden wird? Zuvorderst eine Mannschaft, die in vielfacher Hinsicht aus der Spur geraten ist, und deren Resultate nicht einmal ansatzweise jenen Ambitionen entsprechen, die zu den größten der Liga gehören. Vor der Partie gegen Donezk hatte Leipzig bei Eintracht Frankfurt 0:4 verloren und alle Mindestanforderungen vermissen lassen. Das war am Dienstagabend nicht der Fall. Schon eher waren die Leipziger Murphys Law ausgesetzt: Was schiefgehen konnte, ging schief.

Die offene Frage bleibt: Wann kommt Max Eberl als Sportdirektor?

Einerseits waren die Leipziger überlegen, andererseits fingen sie sich bei jedem Schuss der Ukrainer ein Tor; das erste war dabei von komödiantischer Natur. Xaver Schlager, im Sommer für viel Geld aus Wolfsburg gekommen, subsumierte die Geschehnisse vom Dienstagabend in einer bemerkenswerten Metapher: "Es ist, als ob man einen neuen Ferrari kauft und mit 100 gegen die Wand fährt."

RB Leipzig stand den aktuellen Slapstick-Einlagen der Ferrari-Crew in der Formel 1 tatsächlich in kaum etwas nach. Das erste Gegentor war einem Fauxpas von Torwart Peter Gulacsi geschuldet; er verstolperte dreißig Meter vor dem eigenen Tor den Ball. Danach war er mindestens so peinlich berührt wie jene Mechaniker aus dem italienischen Rennstall, die beim Großen Preis der Niederlande nur drei statt der handelsüblichen vier Ersatzräder parat hatten. Gulacsi musste nun mit ansehen, wie Schachtjors Stürmer Marjan Schwed den Ball ins leere Tor schob (16.) - und hatte dabei einen Kopf, der rot schimmerte wie ein Ferrari Testarossa.

Nach der Pause glich Innenverteidiger Mohamed Simakan zwar aus (57.). Doch nur 80 Sekunden später war Schwed wieder für Schachtjor zur Stelle, erzielte durch einen von zwei Leipzigern abgefälschten Schuss das 2:1. Der überaus anregend spielende Mychajlo Mudryk (76.) und Lassina Traoré (85.) machten mit zwei blitzgescheiten Kontern das Debakel für Leipzig perfekt, was auch daran lag, dass RB nach dem 1:2 jeden Glauben verlor, die Partie noch drehen zu können. "Das hat uns mental kaputtgemacht", sagte Gulacsi später. Und es kostete Tedesco den Job. Ein Aus nach einem Champions-League-Debakel hatte er schon einmal erlebt: Auf Schalke war er 2019 nach einem 0:7 bei Manchester City beurlaubt worden.

Marco Rose: Bald in Leipzig für die sportlichen Dinge verantwortlich? Die Verpflichtung von Max Eberl zieht sich aber hin.

Bald in Leipzig für die sportlichen Dinge verantwortlich? Die Verpflichtung von Max Eberl zieht sich aber hin.

(Foto: Uwe Anspach/dpa)

"Die Entscheidung, Domenico Tedesco freizustellen, ist uns sehr schwergefallen", sagte Klubchef Oliver Mintzlaff, der Tedesco warme Worte hinterherrief. Der 36-Jährige sei ein exzellenter Trainer. Nur: "Uns fehlte jedoch nach dem mäßigen Start in die Bundesligasaison mit fünf Punkten aus fünf Spielen vor allem nach den jüngsten Spielen bei Eintracht Frankfurt und zu Hause gegen Donezk die Überzeugung, dass in der derzeitigen Konstellation ein sofortiger Turnaround erfolgen kann."

Bleibt die Frage, wann der neue Sportdirektor installiert wird; die Rolle füllt derzeit de facto Mintzlaff aus. Am Dienstag bekräftigte er, dass sowohl RB Leipzig und Max Eberl eine Zusammenarbeit anstreben. Das wäre mit Marco Rose kompatibel: Eberl und Rose haben bei Borussia Mönchengladbach gut zusammengearbeitet. Allerdings: Eberl steht noch in Gladbach unter Vertrag, das Arbeitsverhältnis ruht; ob sich Eberl und Mintzlaff schon auf einen Vertragsbeginn geeinigt haben, ist unklar. Und Gladbach erwartet dem Vernehmen nach eine Ablösesumme, die auch dem Rang Eberls entspricht.

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