RB LeipzigEin Hoch auf den Korpsgeist

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Torschütze der Tages: Johan Bakayoko (rechts) trifft zum 1:0 für Leipzig.
Torschütze der Tages: Johan Bakayoko (rechts) trifft zum 1:0 für Leipzig.
Uwe Anspach/dpa
  • RB Leipzig gewinnt 1:0 gegen Mainz durch ein Tor von Johan Bakayoko und zeigt dabei eine kollektive Kraftanstrengung zur Verteidigung des Vorsprungs.
  • Trainer Ole Werner setzt auf Pragmatismus und betont Intensität, Gemeinschaft und Disziplin als Basis für die Mannschaft.
  • Nach dem 0:6 gegen Bayern und vielen Veränderungen im Team spielt Leipzig zweimal hintereinander zu null.
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Der Leipziger Arbeitssieg gegen Mainz trägt die Handschrift des Trainers Ole Werner. Von der alten RB-DNA ist nicht mehr viel zu erkennen, sie ist vorerst dem Pragmatismus gewichen.

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Unweit der Eckfahne ballte Kapitän David Raum die Hände, während Abwehrchef Willi Orban noch am Mittelkreis stand, um den Bizeps zu spannen und sich auf die breite Brust zu schlagen. Zwei Führungsspieler von RB Leipzig bemühten mit Schlusspfiff des Bundesligaspiels beim FSV Mainz 05 ähnliche Jubelgesten. Der 1:0-Sieg, der zweite Erfolg der Saison, war schließlich ein hartes Stück Arbeit gewesen. Dass sich zwei kernige Verteidiger am meisten freuten, ehe im großen Kreis die Wasserflaschen spritzten, hatte seinen Grund: Wertvoller als die feine Einzelleistung des Neulings Johan Bakayoko zum entscheidenden Treffer in der 40. Minute wirkte die kollektive Kraftanstrengung, den Vorsprung ins Ziel zu retten. Nach der verkorksten Vorsaison und kurzzeitiger Ernüchterung beim diesjährigen Saisonstart scheinen sich die Leistungen der Sachsen allmählich zu stabilisieren.

„Wir haben im Sommer unglaubliche individuelle Qualität verloren, deshalb braucht alles seine Zeit“, sagte RB-Geschäftsführer Marcel Schäfer, der bester Laune in der Mixed Zone der Mainzer Arena die „mannschaftliche Geschlossenheit“ lobte. Zweimal hintereinander ohne Gegentor zu spielen, „gibt Auftrieb und hilft uns in der Entwicklung“.

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Der Saisonauftakt war schließlich – auch wegen der späten Rochaden auf dem überhitzten Transfermarkt – überaus holprig verlaufen. Im DFB-Pokal hätte der Viertligist SV Sandhausen gegen den viel zu lässigen Bundesligisten (4:2) locker noch mehr Tore schießen können, danach bestrafte der FC Bayern beim Eröffnungsspiel Leipzigs luftige Verteidigungshaltung und überrollte RB mit 6:0. Offenbar hat die Lektion gesessen. Am dritten Spieltag war sich kein Profi mit dem Bullenlogo mehr zu schade, Wege nach hinten zu machen, Schüsse zu blocken, Bälle wegzuschlagen.

Dass von der einst von Ralf Rangnick entworfenen RB-DNA nur noch Spurenelemente übrig sind, interessierte Trainer Ole Werner herzlich wenig. Er wolle gar nicht die Pokal- oder Auftaktpartie als Vergleich heranziehen: „Was man generell sagen kann: dass wir mehr Dinge als Mannschaft machen. Wichtig ist, dass wir eine gute Energie, eine gute Gruppe aufbauen. Das ist der einzige Weg, der für uns funktioniert“, konstatierte Werner. „Wir haben wahnsinnig viele Veränderungen gehabt: auf dem Platz, in der Kabine, beim Staff, im Trainerteam. Diese Dinge brauchen Zeit, aber sie brauchen eine Basis – und das ist Intensität, Gemeinschaft und Disziplin.“ Es sei für diese Mannschaft wichtig „zu wissen, dass manchmal schon ein einziges Tor reicht, um Spiele zu gewinnen – vorausgesetzt, jeder macht seinen Job, und wir haben die nötige Stabilität“.

Torwart Gulacsi hat diesmal kaum etwas zu tun – das 0:6 gegen München ist aber noch nicht verarbeitet

Der 37-Jährige, der bei Werder Bremen erfolgreich war, könnte mit seiner Ruhe und Bodenständigkeit derjenige sein, der auch in Leipzig Pragmatismus glaubhaft vermittelt. Der auf den letzten Drücker für 20 Millionen Euro aus der Türkei verpflichtete Mittelstürmer Romelu fand vorne zwar kaum Bindung, arbeitete aber nach hinten fleißig mit. Werner konnte im Nachgang hervorheben, wie wenig sein Torwart Peter Gulacsi trotz des Mainzer Anrennens wirklich zu tun hatte. Den Ungarn, seit zehn Jahren in Leipzig, hatte der Sechserpack in München mächtig gewurmt. „Nach zwei Spielen ohne Gegentor ist das langsam abgehakt, aber wir müssen noch viermal zu null spielen“, forderte er. Man habe „kein fußballerisches Feuerwerk“ abgebrannt, aber: „Letzte Saison ist es selten gelungen, solche Spiele zu ziehen.“

Die Identifikationsfigur Gulacsi, 35, hat in der vergangenen Spielzeit erlebt, wie die Einzelteile unter dem Red-Bull-Dach am Ende gar nicht mehr zusammenpassten. Nun sehe man, „dass wir sehr viel Potenzial haben, dass wir sehr gute Jungs haben: Mit den Erfolgen kann man dann mit besserer Laune und weniger Druck arbeiten“. Nur dürfe sich der Korpsgeist am Cottaweg nicht verflüchtigen, „das soll in den kommenden Wochen so bleiben“. Zur Erinnerung: In der Vorsaison hatte ein Leipziger Ensemble am siebten Spieltag noch unter Marco Rose nach einem ähnlichen Muster nicht unverdient an dessen alter Mainzer Wirkungsstätte gewonnen und lag plötzlich punktgleich mit den Bayern an der Spitze. Alle Lobgesänge auf das vermeintlich so stabile Konstrukt sollten sich als verfrüht erweisen.

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