bedeckt München 27°

Benjamin Henrichs:Drei Spieler zum Preis von einem

Benjamin Henrichs

Vielseitig einsetzbar: Benjamin Henrichs trägt bald das Trikot von RB Leipzig.

(Foto: dpa)

Benjamin Henrichs wechselt von Monaco nach Leipzig - und will unter der Führung von Trainer Nagelsmann zurück in die deutsche Nationalelf finden. Sein Spielstil passt gut zu Löws Schönheitsideal.

Von Christof Kneer

Als Benjamin Henrichs im Sommer 2018 nach Monaco wechselte, war Leonardo Jardim dort Trainer, ein Portugiese. Henrichs war aber kaum in Monaco angekommen, schon erwischte es diesen Trainer, der ihn hatte haben wollen. Jardim wurde im Herbst 2018 entlassen und vom Franzosen Thierry Henry ersetzt, der sich gerade ein Bild von Benjamin Henrichs gemacht hatte, als es ihn auch erwischte. Nach nur drei Monaten wurde Henry wieder entlassen, im Januar 2019 folgte ihm: Leonardo Jardim, der Portugiese, der somit Henrys Vorgänger und Nachfolger war. Als dann im Januar 2020 Anfragen für Henrichs eingingen, bestand Monacos Trainer darauf, dass Henrichs bleibt. Monacos Trainer war da aber schon nicht mehr der Vorgänger und Nachfolger. Trainer war jetzt Roberto Moreno, ein Spanier.

Das klingt kompliziert und ist es auch, und aus Gründen der Wahrhaftigkeit sollte man vielleicht noch mal kurz checken, ob man da nichts durcheinander gebracht hat. Benjamin Henrichs muss wahrscheinlich auch immer noch kurz überlegen, wer genau bis wann genau sein Trainer war.

So eine Zeit hat Henrichs also hinter sich, mit Abstiegskampf, Verletzungen und Trainern, die als Vorgänger noch gar nicht wussten, dass sie bald auch Nachfolger sein würden. Und jetzt freut sich Henrichs auf Leipzig und Julian Nagelsmann.

Leipzig leiht Henrichs für ein Jahr aus

Nagelsmann habe sehr um Henrichs gekämpft, sagt Christian Nerlinger, der frühere FC-Bayern-Manager, der inzwischen Spieler wie Henrichs berät. Dieser Satz kommt im Handbuch der geflügelten Branchenworte weit vorne, man hört ihn oft, wenn Spieler wechseln. Verein und Trainer X hätten den Spieler Y unbedingt gewollt, heißt es dann, und deshalb habe der Spieler Y beschlossen, bei Verein X "den nächsten Schritt zu machen" (dieser Satz steht im Wörterbuch ganz, ganz vorne, die Pressestellen haben ihn vermutlich im Stehsatz und müssen bei Bedarf nur Spielernamen und Vertragslaufzeit eintragen).

Aber nun, manchmal stimmen die Stehsätze halt auch. Nagelsmann hat wirklich viel vor mit Henrichs, er wollte ihn schon im Winter sehr dringend haben. Und spätestens seit der Zeit in Monaco weiß Henrichs, wie schön Bundesliga sein kann - und wie wichtig der richtige Trainer ist.

Für ein Jahr haben die Leipziger den deutschen Nationalspieler aus Monaco ausgeliehen, ein bisschen Vorsicht macht sich in Corona-Zeiten immer gut, dennoch darf sich Henrichs, 23, fast wie ein vollwertiger RB-Profi fühlen. Die integrierte Leipziger Kaufklausel sei keine allzu hohe Hürde, so ist zu hören, der Spieler muss nicht 50 von 34 Spielen machen, damit sie greift. Der Vertrag sei ein gegenseitiges Bekenntnis: Leipzig und Henrichs sind sich, auch in Corona-Zeiten, gegenseitig etwas wert.

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite