Hängende SpitzeZu viel Respekt, zu wenig Respekt?

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Yan Diomande setzt zum Jubel an, David Raum (li.) regt sich auf.
Yan Diomande setzt zum Jubel an, David Raum (li.) regt sich auf. Oliver Ruhnke/Imago

Als Fußballer weiß man einfach nicht mehr, was man machen soll, wenn man jubelt. Die einfachste Lösung, einfach keine Tore mehr zu schießen, ist auch keine Option.

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Der Leipziger Yan Diomande schaute ganz erschrocken. Da hatte er seine Mannschaft am Dienstag beim FC St. Pauli in Führung geschossen – und bekam anschließend einen dicken Einlauf von seinem Kapitän David Raum. Nicht für das Tor, sondern für die Art und Weise, wie er es feierte. „Der Jubel muss nicht sein, da habe ich ihn aber auch weggeschubst. Ich glaube, man muss nicht provozieren“, sagte Nationalspieler Raum über seine Moralnachhilfe später bei Sky. Der 19-jährige Diomande war nach seinem Tor direkt abgedreht, mit der Hand über seinem rechten Ohr, den Blick auf die St.-Pauli-Fans gerichtet. Nach einigen Anti-RB-Gesängen war das womöglich das Erste, das dem Teenager in dem Moment in den Sinn kam.

Diomandes Vorgehen wiederum wäre nach Steffen Baumgarts Geschmack. Der Trainer von Union Berlin forderte zuletzt die Spieler auf, ihren Gefühlen nach Toren freien Lauf zu lassen. Auslöser war in dem Fall sein Joker Woo-yeong Jeong, der zum Ausgleich gegen Stuttgart traf und aufgrund seiner VfB-Vergangenheit auf den Jubel verzichtete. „Mir geht das auf den Zünder! Der ist bei Union, dann soll er jubeln, wenn er das Tor macht“, polterte der Berlin-Trainer beim SWR. Vielleicht war es aber auch Jeongs erster Impuls, an die Fans des VfB zu denken.

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Fußballer pflegen neuerdings den Brauch, nach einem Torerfolg jubelnd die Hose herunterzuziehen. Auch früher haben sich manche öffentlich der Hose entledigt – nicht immer aus Vergnügen.

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Zu viel Respekt, zu wenig Respekt, als Spieler weiß man einfach nicht mehr, was man machen soll. In der Bundesliga ein Tor zu erzielen, ist mittlerweile einfacher, als es zu bejubeln. Am sichersten ist es, gleich gänzlich auf den Torjubel zu verzichten. Schließlich gibt es auch noch das Risiko einer gelben Karte für unangemessenes Verhalten wie Trikotausziehen. Das Verletzungsrisiko bei Knierutschern oder Sprüngen an der Eckfahne ist auch nicht zu vernachlässigen. Am allerbesten, um sämtliche Impulse zu unterdrücken, schießt man gar nicht erst ein Tor.

Wenn keiner mehr ein Tor schießen will, hätte der deutsche Fußball im internationalen Wettbewerb allerdings ein Problem mehr. Also, hilft ja nichts: Soll doch einfach jeder so jubeln, wie er will. Kult-Trainer, gegnerische Fans und erziehungsberechtigte Kapitäne müssen das einfach schlucken. Sonst dauert die Entscheidung, wie ein Tor angemessen zu zelebrieren ist, in Zukunft länger als die Überprüfungen beim Videobeweis.

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