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RB Leipzig:Mehr Zuschauer als Düsseldorf, Lautern oder 1860

In jedem Fall ist man in Leipzig die Debatten über das Engagement aus Österreich satt. Voller Sarkasmus merkte Rangnick dieser Tage an, dass es schon beeindruckend sei, welch Unterstützung ein "Kunstprodukt und Retortenverein" vom Publikum erhalte. Das Spiel gegen Karlsruhe war am Sonntag mit 44 000 Zuschauern ausverkauft. Und es blühte, erstmals bei einem RB-Spiel, auch der Schwarzmarkt.

Nussbaum, den Markranstädter aus Karlsruhe, verwundert das nicht. RB sei nicht mit dem Holzhammer daher gekommen, sondern sei den Aufstieg "behutsam angegangen". Der Leitgedanke sei gewesen: "Wie nehme ich die Leute mit?" Er klingt nicht viel anders als Heiko Rosenthal, der vor Monaten davon schwärmte, wie gut sich der RB in die Stadtgesellschaft eingebunden habe, dass er "ein wesentlicher Baustein" sei, "um Leipzig wirtschaftlich zu repräsentieren".

Kurios ist an dieser Einhelligkeit, dass Nussbaum zwar als Geschäftsführer einer interkontinental aufgestellten Parksystem-Firma im Arbeitgeberlager zu verorten ist. Rosenthals Schwärmereien hingegen stammen aus der sozialistischen Tageszeitung Neues Deutschland. Rosenthal ist Sportbürgermeister Leipzigs - und Mitglied der Linken.

Auch jenseits der Stadtgrenzen freut man sich, Leipzig sei "eine Fußballstadt", sagt DDR-Stürmerlegende Joachim Streich, "man kann die Länderspiele vor 100 000 Leuten, die wir im alten Leipziger Zentralstadion ausgetragen haben, kaum zählen". Euphorie habe geherrscht, und ein bisschen davon war auch am Sonntag bei der Partie gegen Karlsruhe zu spüren. In der zweiten Liga rangiert RB Leipzig nach Zuschauerzahlen laut kicker-Statistik an dritter Stelle, vor Düsseldorf, Kaiserslautern oder 1860 München.

Vor ein paar Monaten war Streich bei einem Veteranen-Treffen einstiger DDR-Fußballstars in Leipzig und besuchte auch die neue Anlage, die RB Leipzig für mehr als 30 Millionen Euro baute - "vom Feinsten", lobt Streich. Derartige Anlagen seien in Kombination mit einer Erstliga-Perspektive auch für die Jugendlichen wichtig, die von einer Profikarriere träumen - und nun nicht mehr in den Westen ziehen müssen. Die Bedenken der Traditionalisten habe er nie geteilt. "Ich empfand das (Engagement von RB in Leipzig) als eine große Chance, eine Mannschaft aus der Region ganz nach oben zu bringen." Nun ist es vollbracht.

© SZ vom 09.05.2016

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