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Milot Rashica bei Werder:Der wird teuer!

29.08.2020, Heinz-Dettmer-Stadion, Lohne, Testspiel, Werder Bremen vs FC St. Pauli, im Bild Milot Rashica (7, Bremen) k

Bereicherndes Element im Bremer Kader: Milot Rashica.

(Foto: Joachim Sielski/imago)

Aus finanzieller Sicht müsste Bremen seinen besten Stürmer Milot Rashica verkaufen, aus sportlicher Sicht dringend behalten. Über ein Dilemma.

Von Thomas Hürner, Hamburg

Nur mal so ein Szenario, ohne diese leidige Pandemie: Die Saison ist an diesem Samstag längst losgegangen und Werder spielt bislang gar nicht übel. Zu den Protagonisten im Weserstadion gehört wieder Milot Rashica, 24, der kompakte, pfeilschnelle Wirbelwind im Bremer Angriff. Auf den Tribünen sitzen Herren in dunklen Anzügen und beobachten aufmerksam, wie der Kosovare seine Gegner narrt, von links nach innen zieht und seine Schüsse aufs Tor feuert.

Die Herren wussten freilich vorher schon, dass Rashica das alles drauf hat, aber in ihren Notizen stehen neuerdings weitere Erkenntnisse. Rashica arbeitet jetzt auch mit nach hinten, spult ein riesiges Laufpensum ab und bedient sogar seine Mitspieler, wenn diese freistehend im gegnerischen Strafraum auf den Ball warten. Der früher etwas wilde Rashica ist zu einem kompletten Fußballer gereift, was die Herren erfreut, andererseits aber auch zusammenzucken lässt. Sie notieren: Der wird teuer!

Der Bremer Sportchef Frank Baumann hat die Herren längst bemerkt, einige haben ihn auch schon angerufen. Baumann lehnt sich lässig in seinen Schalensitz, er ist in einer komfortablen Position: Rashica bereichert die Mannschaft, das kann jeder sehen - und wenn er so weiterspielt, bereichert er bald die Bremer Kassen. Wann und für wie viel, das entscheidet Sportchef Baumann. Er kann Rashica verkaufen - muss aber nicht. Ein Blick in die Finanzbücher verrät, dass die Situation zwar nicht gerade komfortabel ist, aber auch nicht hochdramatisch.

Fehlt er zum Start gegen Hertha, weil der Verkauf kurz bevorsteht?

Nun ist sie aber nun mal da, diese leidige Pandemie. In Bremen werden wegen der Corona-Krise etwa 30 Millionen Euro Einbußen erwartet. Baumanns Lässigkeitslevel dürfte schon mal höher gewesen sein. Die gerade so überstandene Relegation gegen Heidenheim steckt noch in den Knochen. Am Samstag gegen Werder Bremen sollte Werder besser mal ein furioses Heimspiel gegen Hertha BSC hinlegen, damit die Zweifel nicht schon wieder zurückkehren. Beim Saisonstart fehlen wird jedoch: Angreifer Milot Rashica. Weil er von seiner letzten Länderspielreise verletzt zurückgekehrt war? Oder aus anderen Gründen?

Sowohl dem Gegner als auch dem Rest der Branche ist jedenfalls bekannt, dass Rashica ein großes "Bitte-kaufen!"-Schild auf die Stirn geklebt wurde. Der wohl talentierteste Fußballer im Kader soll die Bremer Bilanz retten, aber weil das blöderweise jeder weiß und auch noch Corona ist, werden aus Werder-Sicht nicht gerade Fantasiesummen geboten.

Inzwischen wäre man in Bremen schon mit 20 Millionen Euro zufrieden, heißt es, dabei hatte man für Rashica schon mal das Doppelte veranschlagt. Und so ein eindeutig etikettierter Fußballer ist ohnehin ein komplizierter Bilanzposten: Man kann ihn entweder fleißig einsetzen, in der steten Hoffnung auf Wertsteigerung. Oder aber in Watte packen, da eine mögliche Verletzung ja sämtliche Verkaufspläne unterminieren könnte.

In Bremen entschied man sich in den vorangegangenen Testpielwochen für die sichere Variante, weshalb es rund ums Weserstadion fahle Gesichter gegeben haben dürfte, als vor zwei Wochen eine Nachricht aus dem Fadil-Vokrri-Stadion in Pristina einging. Es war ohnehin niemandem recht gewesen, dass Rashica zu diesem Länderspiel gegen Griechenland gereist war, aber dann twitterte auch noch ein kosovarischer Sportjournalist etwas von einer schweren Knieverletzung, die sich der Angreifer dort zugezogen haben sollte. Mit Kreuz-, Innen- und Außenband war dann aber doch alles okay, Rashica hatte nur eine leichte Blessur erlitten - die potenzielle Abnehmer nicht von einem Kauf abschrecken dürfte.

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