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USA gewinnen Fußball-WM:Mit der Aura der Unbesiegbarkeit

  • Die USA verteidigen ihren WM-Titel und schlagen die Niederlande mit 2:0 im Finale von Lyon.
  • Der Sieg ist mehr als verdient. Im ganzen Turnierverlauf waren die USA die stärkste Mannschaft.
  • Megan Rapinoe schießt das erste Tor des Tages und wird als beste Torschützin und als beste Spielerin des Turniers ausgezeichnet. Die Deutsche Giulia Gwinn erhält den Preis als beste junge Spielerin.

Megan Rapinoe also. Mal wieder. Wer sonst? Sie atmete durch. Schaute kurz nach oben und hatte sich längst entschieden. Der Ball lag auf dem Elfmeterpunkt, Rapinoe lief los, und in diesem Moment in der 61. Minute hatte sie das Duell gegen Sari van Veenendaal schon gewonnen. Die Torhüterin der Niederlande bewegte sich nach rechts, Rapinoe entschied sich für die andere Seite, und als van Veenendaal das realisierte und ihrem Körper einen Richtungswechsel befahl, war es zu spät. Der Ball war drin und brachte den USA im WM-Finale die Führung.

Es war der Türöffner zum 2:0 (0:0)-Sieg des Favoriten und zum vierten Titel der USA nach 1991, 1999 und 2015. Der Auftakt zum rauschenden Fest vor 57 900 Besuchern im Stade de Lyon, mit Trophäenübergabe im Konfettiregen.

"Wir hatten einige unglaublich harte Spiele, viel mediale Aufmerksamkeit und Druck", sagte Rapinoe. "Es gibt kein Team, dass wettkampferprobter ist in K.o.-Phasen als wir, und das ist es, was dieses Team ausmacht." Als Rapinoe noch nicht wusste, dass sie am Sonntagabend als beste Spielerin und mit sechs Treffern als beste Torschützin der WM ausgezeichnet werden würde, war sie schon gefragt worden, was in Frankreich ihr Höhepunkt gewesen sei. Sie hätte von ihren zwei Treffern erzählen können, die das Achtelfinale gegen Spanien entschieden. Oder von den zwei Toren, mit denen die USA Gastgeber Frankreich im Viertelfinale rauskegelten.

Aber Rapinoe sprach nicht nur über sich: "Das Highlight für mich als eine der älteren Spielerinnen und als Kapitänin dieses Teams war, wie die jüngeren Spielerinnen hier aufblühen. Das war unglaublich", sagte sie am Samstag: "Wir haben immer das Gefühl, gewinnen zu können. Wir haben unsterbliches blindes Vertrauen in uns."

Es ist jenes Selbstvertrauen gewesen, das dieser US-Mannschaft bei der WM nicht nur eine ganz eigene Aura verlieh, sondern auch jene Mentalität, die sie letztlich unschlagbar machte. Spanien im Achtel- oder Frankreich im Viertelfinale waren nicht chancenlos, England brachte den großen Favoriten im Halbfinale fast zu Fall. Auch die Niederländerinnen bemühten sich nach Kräften - vergebens. Aber wie sagte US-Trainerin Jill Ellis, 52, während des Turniers? "Andere Teams besuchen den Druck. Wir leben darin."

Megan Rapinoe mit dem WM-Pokal (links), dem Goldenen Schuh als beste Torjägerin und dem Goldenen Ball als beste Spielerin des Turniers.

(Foto: AFP)

In der ersten Halbzeit gelang den Niederländerinnen etwas, das in den vier Turnierwochen kein anderes Team geschafft hatte: Sie stoppten die Serie der USA, in jeder Partie ihr erstes Tor innerhalb der ersten zwölf Minuten zu schießen. Der Endspielgegner trieb es sogar so weit, dass die USA auch nach 45 Minuten noch nicht jubeln konnten - obwohl sie wieder früh attackierten und die Niederlande von Beginn an in Bedrängnis brachten. Kein Vergleich war also dieses Finale in Lyon zum 5:2 gegen Japan im Endspiel 2015, das Carli Lloyd (die am Sonntag in der 87. Minute zu ihrem wohl letzten Auftritt auf dieser großen Bühne eingewechselt wurde) damals mit einem Hattrick innerhalb der ersten 16 Minuten vorentschied. Historisches gelang dennoch: Als erst zweites Team neben Deutschland (2003, 2007) haben die USA ihren Titel verteidigt. Und Ellis ist die erste Person, der das als Trainer oder Trainerin bei einer Weltmeisterschaft gelingt.

Die USA mussten durchaus etwas tun an diesem Sonntag. Welchen Plan sich die niederländische Nationaltrainerin Sarina Wiegman, 49, für ihr Team ausgedacht hatte, wurde früh deutlich: mit meist von Vivianne Miedema schnell gespielten langen Pässen in die Spitze auf Lineth Beerensteyn die US-Defensive zu überrumpeln. Das war eine gute Idee, sie wurde bloß nicht gut genug umgesetzt. Die USA versuchten es ebenfalls mit langen Bällen, links auf Rapinoe - oder in verschiedenen Kombinationen über Tobin Heath auf rechts.

So oft sich die Niederländerinnen ihren Spielaufbau in der Offensive zu hektisch und nervös durch Ballverluste kaputt machten, so konsequent riegelten sie hinten ab. Das sah nicht immer elegant aus, war aber effektiv. Dass die Amerikanerinnen nicht in Führung gingen, verhinderte letztlich aber vor allem Torhüterin van Veenendaal mit ihren Paraden. Unter anderem Rose Lavelle (17.), Julie Ertz (27.) und Alex Morgan (38. und 40.) scheiterten an der 29-Jährigen.

Dass die USA trotz ihrer großen Favoritenrolle Respekt vor der letzten Aufgabe hatten, äußerte nicht zuletzt Rapinoe am Tag vor dem Finale: "Sie sind Europameister, das ist schwer zu erreichen. Dafür braucht es ein bestimmtes Level an Disziplin und mentaler Stärke", sagte die 34-Jährige über die Gegnerinnen. "Dieses Team ist getestet worden, sie wissen, was es braucht, um einen Titel zu gewinnen." Die Angesprochenen konnten sich gut mit der Außenseiterrolle anfreunden und wollten diese nutzen.

Allein, dass Wiegmans Spielerinnen bei ihrer zweiten WM-Teilnahme die Chance auf den Titel hatten - nachdem sie erst in den Playoffs der Qualifikation ihr Ticket lösen konnten - war eine Fortsetzung ihrer Erfolgsgeschichte, die mit dem Gewinn der Europameisterschaft 2017 im eigenen Land begann. Aber die Eingespieltheit dieser personell bei allen WM-Partien kaum veränderten Elf half am Ende nichts. Beim 1:0 kam vor Rapinoes Strafstoß der Videobeweis zu Hilfe (Stefanie van der Gragt war mit hohem Bein gegen Morgan eingestiegen).

Das veränderte das Momentum, so sehr sich die Niederlande auch gegen die Niederlage stemmten. "Ich bin unglaublich stolz auf meine Spielerinnen. Die Niederlande haben es uns unglaublich schwer gemacht", sagte Ellis. "Aber ich habe meinen Spielerinnen in der Halbzeit gesagt: Irgendwann wird es zu unseren Gunsten laufen. Ich habe gefühlt, dass wir unsere Gelegenheiten bekommen würden." Und die nächste kam: In der 69. Minute rannte Lavelle alleine aufs Tor zu, tanzte die niederländische Verteidigung aus - und zog so präzise zum 2:0 ins rechte untere Eck ab, dass van Veenendaal chancenlos war. So schafften auch die Fußballerinnen der Niederlande, was den Männern in drei WM-Endspielen verwehrt geblieben ist. Sie können sich damit trösten, gegen die Besten verloren zu haben.

Fußball-WM der Frauen Rapinoe und Lavelle schießen die USA zum WM-Titel

2:0 gegen die Niederlande

Rapinoe und Lavelle schießen die USA zum WM-Titel

Die US-Amerikanerinnen verteidigen ihren WM-Titel und gewinnen das Finale von Lyon verdient mit 2:0. Megan Rapinoe wird als beste Spielerin des Turniers ausgezeichnet.