RB Leipzig Der Kurzstreckentrainer wird Langstreckenflieger

Erreichte in der Saison 2018/19 mit Leipzig das Pokalfinale und die Champions-League-Ränge: Ralf Rangnick.

(Foto: Alex Grimm/Getty Images)
  • Ralf Rangnick - bisher Sportdirektor und Trainer - gibt das Tagesgeschäft bei RB Leipzig auf und übernimmt globale Chefaufgaben im Fußball-Netzwerk von Red Bull.
  • Schon im Weihnachtsurlaub kam ihm nach eigener Aussage der Gedanke, dass er als internationaler Mastermind einen Mehrwert haben könnte.
  • Der soeben mit dem SC Paderborn aufgestiegene Markus Krösche wird neuer Sportdirektor in Leipzig. Beide Klubs wollen derweil unter anderem im Scouting-Bereich kooperieren.
Von Moritz Kielbassa

Zehn Tage ließ sich Ralf Rangnick Zeit nach dem verlorenen Pokalfinale mit RB Leipzig, das sein vorerst letztes großes Spiel als Trainer war. Am Dienstag, 11 Uhr, verkündete der 60-Jährige dann das Ergebnis seiner inneren Klausur zu der Frage, wie es beruflich für ihn weitergehen solle. Rangnick, bisher in Leipzig Sportdirektor und zuletzt auch wieder Kurzstreckentrainer für eine Saison, wird nun zum Langstreckenflieger. Er gibt das Tagesgeschäft in Sachsen auf und übernimmt globale Chefaufgaben im Fußballnetzwerk von Red Bull. Neuer Sportdirektor in Leipzig wird, wie erwartet, der soeben mit dem SC Paderborn aufgestiegene Manager Markus Krösche, 38.

"Head of Sport & Development Soccer", so lautet Rangnicks neuer Dienstgrad. Es ist kein branchenüblicher Vorgang, auch die News-Kanäle wussten nicht so recht, wie sie die Schlagzeilen dazu gestalten sollten. Die Spannweite reichte von "Rangnick verlässt Leipzig" bis zu "Rangnick bleibt Leipzig treu, wechselt aber den Posten". Tatsächlich bedeutet das neue Amt als Außenminister der Bullen keinen radikalen Abschied aus Leipzig. Von Rangnicks Koordination der RB-Standorte in New York und Brasilien, wo auf Fußball des Hauses gepolte Talente reifen sollen, könne in Zukunft "auch Leipzig sehr profitieren", glaubt Geschäftsführer Oliver Mintzlaff. Rangnick bleibt auch als Berater mit dem Verein verbunden, die Stadt soll weiterhin sein Lebensmittelpunkt sein.

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Aber ein bisschen Trennung ist es dann doch, wie Mintzlaff verdeutlichte: "Ich sehe das Ganze mehr mit einem weinenden Auge. Ich hätte Ralf gerne dauerhaft hier gehabt." Als Entscheidungsträger in Leipzig scheidet Rangnick aus, sein Gehalt zahlt künftig die Kostenstelle Fuschl am See. Er ist nun Angestellter des österreichischen Konzerns, ebenso wie sein bisheriger Leipziger Videoanalyst Lars Kornetka, den er ins neue Großressort mitnimmt; Chefscout Paul Mitchell könnte folgen.

In Leipzig führte Rangnick seit 2012 Regie, es waren sieben Jahre rasanten Wachstums, von Liga vier bis in die Champions League. Vor einem Jahr sprang der gebürtige Vollbluttrainer, wie bereits beim Erstliga-Aufstieg 2016, erneut in einer Doppelrolle als Coach ein, weil man den umschwärmten Hoffenheimer Julian Nagelsmann vorzeitig für 2019 verpflichtet hatte.

Daraus entstand ein Wohlfühljahr für Rangnick, mit Platz drei in der Liga und Pokalfinale. Doch unterwegs kam er zu der Erkenntnis, dass es jetzt Zeit sei für "eine neue, extrem reizvolle Aufgabe. Ich bin ein Typ, der klare Ziele braucht". Bereits im Weihnachtsurlaub kam ihm der Gedanke - "unter der Dusche", wie Rangnick präzisierte - dass er als internationaler Mastermind einen Mehrwert haben könnte.

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Einfach weiter Sportchef in Leipzig - dann wären "Entwicklungsschritte nur noch im kleinen Prozentbereich möglich gewesen", glaubt er. Durch forcierte Förderung der Filialen in Süd- und Nordamerika hält er es dagegen für vorstellbar, dass Leipzig "zu internationalen Topklubs aufschließen könnte, die jetzt noch weit weg sind". Im vorigen Winter war erstmals ein Rookie aus New York nach Leipzig gewechselt. "Jedes Jahr einen Tyler Adams zu entwickeln, das ist unser Wunsch", fordert Rangnick nun von sich selbst.