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Bundesliga:Der 17. wird zum Vorbild für die Liga

FC Ingolstadt 04 - RB Leipzig

Leipzigs Timo Werner (l.): In Ingolstadt ohne Punkte gegen Marcel Tisserand

(Foto: dpa)

Ralph Hasenhüttl kehrt als Leipziger Trainer nach Ingolstadt zurück - und verliert zum ersten Mal in dieser Saison. Ingolstadt-Trainer Walpurgis punktet mit einem besonderen Plan.

Ralph Hasenhüttl ist ein impulsiver Fußballtrainer, er neigt zum Hüpfen oder wilden Gestikulieren am Spielfeldrand, doch jetzt, in diesem Moment, der womöglich ein Wendepunkt dieser Saison sein könnte, verharrte er nahezu regungslos. Zwölf Minuten waren in Ingolstadt gespielt, da sah der Leipziger Trainer nicht nach links, da jubelten die Ingolstädter Fußballer an der Eckfahne; er sah auch nicht nach rechts, da jubelten noch mehr Ingolstädter auf der Auswechselbank. Hasenhüttl blickte stur nach vorne, er schüttelte kaum merklich den Kopf. Er wollte die Geister, die er gerufen hat, nicht sehen.

RB Leipzig hat am Samstag die Tabellenführung abgegeben und am 14. Spieltag erstmals verloren, mit 0:1 beim FC Ingolstadt. Die Niederlage begann in der 12. Spielminute: Ingolstadts Anthony Jung schlug einen Freistoß vors Tor, die Leipziger Verteidigung rückte zu weit auf, Ingolstadts Brasilianer Roger sprang allein im richtigen Moment hoch, verlängerte den Ball in die lange Ecke. Weil es den Leipzigern in der restlichen Spielzeit erstmals in dieser Saison nicht gelang, ein Tor zu schießen, ist nun der Tabellen-Siebzehnte Ingolstadt das Vorbild für die Liga, die den Aufsteiger RB Leipzig gerade zu fürchten begann. Und Ingolstadt, das ist noch immer ein bisschen Hasenhüttl.

Walpurgis wusste, wie Leipzig spielen würde

Er hatte sein Gesicht zu einer furchteinflößenden Grimasse verzogen, nachdem er vor dem Spiel zum ersten Mal aus dem Spielertunnel links in Richtung Bank der Gästemannschaft abgebogen war. Rechts, auf der Ingolstädter Bank, das war ja zweieinhalb Jahre lang bis zum Sommer sein Platz gewesen. Dort hatte er mit dem Bundesliga-Aufstieg und dem Klassenverbleib seine größten Erfolge gefeiert, dort hatte er am Ende geweint, als er sich im Sommer zur Enttäuschung seiner Vorgesetzten nach Leipzig verabschiedete.

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Dort, auf der FCI-Bank, sitzt seit knapp einem Monat Maik Walpurgis, und der hatte sich in dieser Woche einen besonderen Plan ausgedacht. Anstatt wie üblich zwei, stellte der FCI-Trainer drei Innenverteidiger auf, Mittelfeldspieler Roger rückte als dritter Abwehrspieler nach hinten, manchmal spielte er eine Art Ausputzer. Er kenne Leipzig sehr gut, referierte der Trainer, der den Glauben an den Klassenverbleib nach Oberbayern zurückgebracht hat. Sowohl mit den Sportfreunden Lotte als auch mit dem VfL Osnabrück hatte er in der vierten und dritten Liga gegen die Emporkömmlinge aus dem Osten gespielt.

"Die Dreierkette lag sehr nahe", sagte Walpurgis. Tor-Vorbereiter Jung lobte, dass er selten so gut auf einen Gegner eingestellt worden sei, "wir wussten, wie sie spielen", sagte auch dessen Kollege Alfredo Morales. Walpurgis' Plan ging auf. Doch das war nicht das ganze Geheimnis des Spiels.

Dass auch noch ein etwas von Hasenhüttls Lehre in Ingolstadt geblieben ist, war gleich zu Beginn offensichtlich. Walpurgis hat ein paar der alten Qualitäten wieder etabliert, die in der Liga als "eklig" gefürchtet worden waren. Die Ingolstädter, dies nur eines, aber ein vielsagendes Beispiel, beginnen das Spiel, indem sie den Ball vom Anstoß ganz nach hinten zu Verteidiger Marvin Matip passen, der ihn für Roger auflegt. Und der schlägt ihn erst mal so weit vom eigenen Tor weg, wie er nur kann.