AmateurfußballEine Karriere, die erzählt, woran es im Fußball oft fehlt

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Elfmeter verwandelt: Raffael Ascher traf sogar im Toto-Pokal gegen Drittligist Ingolstadt, am Ende verlor Schwaig unglücklich 1:2.
Elfmeter verwandelt: Raffael Ascher traf sogar im Toto-Pokal gegen Drittligist Ingolstadt, am Ende verlor Schwaig unglücklich 1:2. Sven Leifer/oh
  • Raffael Ascher, Stürmer des FC Sportfreunde Schwaig, hat in 282 Spielen 234 Tore erzielt und ist viermal mit dem Verein aufgestiegen.
  • Trotz Angeboten von höherklassigen Vereinen bleibt Ascher in Schwaig, wo er Freiheiten genießt und Teil einer eingespielten Mannschaft ist.
  • Der Bayernliga-Aufsteiger Schwaig steht nach einem 1:0-Sieg gegen Ismaning auf dem zweiten Tabellenplatz und könnte sogar den Aufstieg in die Regionalliga anvisieren.
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Viermal ist Raffael Ascher jetzt schon mit den Sportfreunden Schwaig aufgestiegen, bis in die Bayernliga – dank seiner zahlreichen Tore. Im Schnitt traf er fast in jedem Spiel ein Mal. Höherklassige Angebote hat er stets abgelehnt, aus gutem Grund.

Von Christoph Leischwitz

Hinter der Sportgaststätte sieht man eine Maschine nach der anderen im Landeanflug auf den Münchner Flughafen, aber unter dem Radar befindet sich die Anlage des FC Sportfreunde Schwaig schon lange nicht mehr. Vergangene Woche hatte der Bayernliga-Aufsteiger beim 1:2 im Toto-Pokal sogar den Drittligisten FC Ingolstadt am Rand einer Niederlage, und das, obwohl nach einem Starkregen der Ball an manchen Stellen einfach liegenblieb und die Schwaiger trotzdem stur versuchten, weiter zu kombinieren.

In der 62. Minute, Ingolstadt führte da 1:0, bekam Schwaig einen Foulelfmeter zugesprochen, ein Ingolstädter Verteidiger hatte zu spät gegrätscht. Es dauerte lang bis zur Ausführung. Schanzer-Torwart Kai Eisele hampelte hin und her, der Schütze schubste einen anderen Gegenspieler weg, der auf dem Elfmeterpunkt stand. Dann schob der Bayernliga-Stürmer den Ball gegen den langjährigen Drittliga-Keeper gelassen flach in die Mitte ein – 1:1. Die Stadionsprecher spielten „Yeah“ des US-Rappers Usher ein. Das läuft oft in Schwaig, wegen der starken phonetischen Ähnlichkeit zum Nachnamen des Torschützen. Die Protz- und Macho-Hymne passt aber eigentlich gar nicht zu Raffael Ascher, einem Rackerer in der fünften Liga, dessen Karriere sehr viel über den FC Schwaig erzählt, und ein kleines bisschen auch darüber, woran es im deutschen Fußball andernorts oft fehlt.

Zwei Stunden vor dem Anpfiff, die Sonne brennt noch, Ascher sitzt vor der Tür zum Kabinengang. Er pustet noch einmal kräftig aus, dann lässt er mit der rechten Hand etwas hinter dem Mauervorsprung verschwinden. „Servus“, sagt er grinsend. Der Angreifer ist vor seinem allerersten Spiel gegen eine Profimannschaft die Ruhe selbst.

Auf dem Feld ist er das Gegenteil. Drei Jahre lang spielte Schwaig in der Landesliga Südost, dabei erzielte er 29, 32 und 32 Tore und war damit dreimal Torschützenkönig. Laut dem Amateurfußball-Portal fupa.net hat er in 282 Spielen 234 Tore geschossen, er trifft im Schnitt also fast in jedem Spiel. Viermal ist Ascher jetzt schon mit den Sportfreunden aufgestiegen, nach vier Spieltagen führt er mit fünf Toren die Torjägerliste in der Bayernliga an.

Ein Typ also, der mit seinen Aufgaben wächst? „Auf jeden Fall“, sagt er, er hätte es nicht geglaubt, wenn ihm jemand seine Landesliga-Daten prophezeit hätte, „ich hätte früher das Format gar nicht gehabt für ein Nachwuchs-Leistungszentrum“. Einmal war er als Jugendlicher zu einem Sichtungstraining in die Sportschule Oberhaching eingeladen, da fiel er durch. „In der C-Jugend war ich so ein kleiner, technisch versierter Kerl, in der B-Jugend kam dann ein extremes Wachstum. Da habe ich erstmal eine Weile gebraucht, um mich an meinen Körper zu gewöhnen.“

„Ascher musst du Ascher sein lassen“, sagt Trainer Donbeck

Jetzt ist er 29, bestes Fußballeralter, und die Branche funktioniert nun mal so: Gab es Anfragen? Natürlich, sagt Ascher, mehrere Regionalligisten. Will er nicht noch weiter mit seinen Aufgaben wachsen? „Ich verschließe mich nicht, aber Regionalliga finde ich schwer. Wenig Bezahlung, weite Fahrten. Und du läufst Gefahr, dass man dich auf die Bank setzt.“ Außerdem ist er gerade Vater geworden und leitet einen großen Familienbetrieb.

Wahrscheinlich hat er gar nicht so Unrecht. Woanders wäre Ascher womöglich erst einmal ein bulliger, 1,88 Meter großer Fremdkörper. Natürlich hat er einen naturgegebenen Torriecher, aber in Schwaig hat er noch mehr: Mitspieler wie Vincent Sommer oder Rückkehrer wie Drittliga-Kicker Tim Schels, die er seit der Jugend kennt. Und vor allem: jede Menge Freiheiten, obwohl sein Leben ziemlich durchgetaktet ist.

„Ascher musst du Ascher sein lassen“, sagt Trainer Christian „Wiggerl“ Donbeck, 53, den aus früheren Tagen viele als Eishockey-Spieler und -funktionär kennen. Donbeck ist eine Autorität, dem Vernehmen nach wollten die Spieler einen wie ihn, um noch öfter in den Hintern getreten zu bekommen. Aber er sage der Mannschaft eben auch, wie er selbst erzählt: „Wenn ihr fünf Halbe trinkt und nur zwei vertragt, dann müsst ihr so spielen, dass ich es nicht merke, dass ihr fünf getrunken habt.“ Noch wichtiger ist Donbeck etwas anderes: „Du kannst viele gute Einzelspieler zusammenholen, am Ende spielt die Mannschaft, die am besten funktioniert. Mir sind Charakter und Mentalität immer wichtiger als Qualität und Talent.“

Und Ascher sei eine „Urgewalt“, schmerzunempfindlich, einer, der in der ersten Halbzeit vielleicht auch mal Seitenstechen hat, aber in der fünften Minute der Nachspielzeit trotzdem das Laufduell gewinnt. In Schwaig liefern sie zumindest schon einmal Indizien dafür, dass im gehobenen Amateurbereich ein eingespielter Kader genauso viel wert sein kann wie ein Kader aus Spielern, in denen die Einzelteile gut ausgebildet, aber zusammengekauft sind. Nicht Ascher ist der Star, sondern die Mannschaft, und seine Tore sind Ausdruck davon.

Im Scherz hat Ascher einmal zu seinem Trainer gesagt: Wir können ja auch mit Schwaig in die Regionalliga aufsteigen. Am Freitag nach dem Spiel gegen Ingolstadt spielten sie nicht gut, siegten aber trotzdem 1:0 beim FC Ismaning. Und stehen als Aufsteiger auf dem zweiten Platz. Der Scherz kann durchaus noch ernsthafte Züge annehmen.

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