Rafael Nadal La décima

Feier im Becken: Nach seinem Sieg beim ATP-Turnier in Barcelona kühlt Rafel Nadal (Mitte) sich gemeinsam mit den Ballkindern ab.

(Foto: Matthias Oesterle/dpa)

Nach zwei eher frustrierenden Jahren läuft Rafael Nadal wieder zur Hochform auf: Das Turnier in Barcelona gewinnt er bereits zum zehnten Mal.

Von Max Ferstl, Barcelona/München

Rafael Nadal hat in seinem Leben schon so manche ungewöhnliche Ehrung erhalten. 2008 benannte Astronomen einer mallorquinischen Sternwarte den Asteroiden 128036 nach dem berühmten Mallorquiner Nadal. Eine Ehre für den ihrer Ansicht nach "besten Tennisspieler der Welt". Zumindest auf den Sandplätzen dieses Planeten spielt Nadal so, als wäre er aus einer fernen Galaxis angereist, um es den Erdlingen mal so richtig zu zeigen. Nun wollten auch die Veranstalter des ATP-Turniers in Barcelona Nadal ihre Aufwartung machen. Ein Asteroid war gerade nicht griffbereit, dafür aber ein schmucker Center Court. Nadal durfte in dieser Woche seine Partien auf der "Pista Rafa Nadal" austragen. Er verlor keinen einzigen Satz, am Sonntag besiegte er den Österreicher Dominic Thiem 6:4, 6:1.

Es war sein 51. Turniersieg auf Sand, sein 71. insgesamt. Zahlen sind wichtig im Tennis, sie legen den Platz eines Spielers in der Historie fest. Nadal ist also statistisch der beste Spieler, der jemals auf einem Sandplatz gespielt hat. Auch wenn er selbst viel zu bescheiden ist, um das so sagen. Trotzdem geht es für ihn in dieser Sandplatzsaison um Zahlen. Vor allem um die Zahl zehn: "La Decima", wie sie in Spanien sagen. Zum zehnten Mal hat er das Turnier von Barcelona gewonnen. "Es bedeutet mir so viel, die Nummer zehn hier in Barcelona erreicht zu haben, vor den Augen der Leute aus meinem Klub. Ich bin sehr glücklich und emotional", bestätigte Nadal. Dasselbe Kunststück war ihm bereits vor einer Woche gelungen, als er zum zehnten Mal beim Masters-Turnier in Monte Carlo reüssierte.

Nadal hat zwei für seine Verhältnisse durchwachsene Jahre hinter sich. Man sah ihn, der auf dem Platz vor Selbstvertrauen zu strotzen scheint, plötzlich zweifeln. Doch in diesem Jahr hat sich Nadal seinem Niveau vergangener Tage Schritt für Schritt angenähert. In Australien und Miami erreichte er das Endspiel. Er verlor zwar jeweils gegen Roger Federer, der in dieser Saison ebenfalls eine bemerkenswerte Renaissance erlebt. Doch Federer hat sich für die kräftezehrende Sandplatzsaison selbst befreit. Er wird bestenfalls die French Open spielen und sich die Energie für die Rasen- und Hartplätze im Sommer aufsparen.

Deshalb kann Nadal relativ ungestört das tun, was er schon so oft in seiner Karriere geschafft hat: Sobald es im Frühjahr auf die europäischen Sandplätze geht, reiht er Sieg an Sieg aneinander. Ein "Traumstart" seien die ersten beiden Wochen gewesen, fand Nadal. Aber die wichtigste "Decima" steht noch aus: Anfang Juni, kurz nach seinem 31. Geburtstag, könnte er die French Open zum zehnten Mal gewinnen. Dieser Titel dürfte ihm mehr bedeuten als alle Asteroiden und Stadien dieser Welt zusammen.