Team UAE bei der VueltaJetzt übernehmen die Handlanger

Lesezeit: 2 Min.

Die beiden Führenden der Vuelta: Joao Almeida (links, UAE) und der Däne Jonas Vingegaard (Visma)
Die beiden Führenden der Vuelta: Joao Almeida (links, UAE) und der Däne Jonas Vingegaard (Visma) Miguel Riopa/AFP

Das Team UAE gewinnt bei der Vuelta bislang fast die Hälfte der Etappen – ohne Tadej Pogacar, den großen Dominator der Sportart. Doch das führt auch zu Konflikten, nicht nur wegen der politischen Proteste am Streckenrand.

Von Otis Schaffeld

Im Rennstall UAE ist Tadej Pogacar so etwas wie die Sonne: Alles kreist um den vierfachen Tour-de-France-Sieger und Klassikerdominator. Die Taktik der übrigen Fahrer seines Teams ist stets darauf ausgelegt, dass Pogacar wie am Fließband gewinnt. Bei der aktuell laufenden Spanienrundfahrt erlebt die Equipe allerdings eine andere Situation: Der Slowene fehlt in ihrer Mitte. Aber kopflos oder gar chaotisch fährt das Team trotzdem nicht umher, im Gegenteil.

Sieben der bislang 16 Vuelta-Etappen haben Fahrer der Equipe aus den Emiraten gewonnen. Der elfte Tagesabschnitt wurde von der Rennleitung aufgrund propalästinensischer Proteste ohne Sieger gewertet. Am Dienstag verlegten die Verantwortlichen wegen abermals ausufernden Pro-Palästina-Demonstrationen das Ziel spontan acht Kilometer nach vorne. Der Kolumbianer Egan Bernal von Ineos Grenadiers gewann die somit verkürzte 16. Etappe vor Mikel Landa aus Spanien (Team Soudal Quick-Step). Der Deutsche Nico Denz vom oberbayerischen Rennstall Red-Bull-Bora-Hansgrohe kam auf Rang vier ins Ziel.

UAE hat somit fast die Hälfte aller zu gewinnenden Etappen für sich entschieden. Besonders im Gebirge und an steilen Bergankünften, für die die Vuelta berüchtigt ist, feiert der Rennstall einen Erfolg nach dem anderen. Bis zum Sieg von Mads Pedersen (Lidl-Trek) am vergangenen Sonntag sogar vier in Serie.

MeinungPolitik und Radsport
:So erreichen die Pro-Palästina-Demonstranten das Gegenteil von dem, was sie erreichen wollen

SZ PlusKommentar von Korbinian Eisenberger

In Pogacars Schatten kann leicht übersehen werden, mit welcher Qualität das Team auch in der zweiten Reihe und darüber hinaus ausgestattet ist. In Spanien waren bisher vier der acht Fahrer des Vuelta-Aufgebots siegreich, konsequenterweise gewann UAE auch das Mannschaftszeitfahren. Der Australier Jay Vine findet zudem fast immer seinen Weg in die Ausreißergruppe und schickt sich an, wie im vergangenen Jahr die Bergwertung zu gewinnen.

Das Team UAE hat in dieser Saison noch Aussicht auf einen historischen Erfolg

Trotzdem ist das Pogacar-Machtvakuum mit komplizierten Herausforderungen für die sportliche Leitung des Teams verbunden. Der Slowene tritt bei großen Landesrundfahrten als Klassementfahrer und Etappenjäger in Personalunion an; bei der Tour 2025 gewann er neben der Gesamtwertung vier Etappen, im Vorjahr sogar sechs. In Spanien setzt UAE dagegen auf Arbeitsteilung. Joao Almeida kämpft bislang mit Pogacars Dauerrivalen Jonas Vingegaard um die Führung in der Gesamtwertung (und gewann nebenbei eine Etappe). Almeidas Mitstreiter fahren regelmäßig um die Tagessiege. Das führt im Renngeschehen zu Interessenkonflikten: Almeida kritisierte nach der neunten Etappe die fehlende Unterstützung seines Teams. Zuvor hatte Vingegaard ihn am finalen Anstieg distanziert.

Wen Almeida konkret gemeint haben dürfte, ist Juan Ayuso. Der 22-Jährige gilt als großes Talent; als Co-Kapitän gestartet, fiel Ayuso jedoch früh im Gesamtklassement weit zurück. Danach fuhr er hauptsächlich für sich selbst, er holte zwei Etappensiege, anstatt sich für den Gesamtzweiten Almeida (aktuell rund 50 Sekunden hinter Vingegaard) aufzuopfern. Vor der zehnten Etappe verkündete UAE die Vertragsauflösung mit dem Spanier.

Sollte Almeida nicht mehr an Vingegaard vorbeiziehen können, hat die Equipe trotzdem die Möglichkeit, die Saison mit einem historischen Erfolg abzuschließen. Der 21-jährige Isaac Del Torro aus Mexiko, noch so ein Riesentalent, fuhr am vergangenen Sonntag den 81. Saisonsieg für UAE ein. Der Rekord einer Mannschaft mit den meisten Saisonsiegen liegt bisher bei 85. Das erscheint machbar, die Vuelta hat noch sechs Etappen zu bieten. Und Pogacar steigt ab Freitag bei zwei Rennen in Kanada wieder ins Geschehen ein.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Tour de France
:Wie Pogacar Pantani abhängt

Tadej Pogacar gewinnt zum dritten Mal die Frankreich-Rundfahrt und pulverisiert dabei auch Rekorde von Marco Pantani aus der finsteren Dopingzeit. Wie schafft er das? Ein historischer Zeitvergleich der Superkletterer.

SZ PlusVon Korbinian Eisenberger, Oliver Schnuck und Julian Hosse

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: