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Bahrain:Radeln für den Scheich

Aushängeschild: Vincenzo Nibali ist das Gesicht des Profi-Radteams Bahrain-Merida, das auch bei der aktuellen Vuelta Kritik auf sich zieht.

(Foto: Jaime Reina/AFP)
  • Der Staat Bahrain finanziert seit dieser Saison ein Radsport-Team. Vincenzo Nibali liegt auf Platz zwei der Spanien-Rundfahrt.
  • Die UN sagt, die Menschenrechtslage im Staat am Persischen Golf habe sich massiv verschlechtert. Es gibt Folter-Vorwürfe.
  • Das würde auch den Ethik-Code des Weltradsportverbandes verletzen. Aber wenn ein finanzstarkes Team in den Markt drängt, schaut der offenbar nicht so genau hin.

Und dann hatte Vincenzo Nibali es endlich geschafft. Immer wieder war der italienische Radprofi zuletzt bei der Vuelta ausgerissen, aber Chris Froome, der Primus im Klassement, und seine Sky-Equipe fingen den Abtrünnigen immer wieder ein. Bis zum Mittwoch am Los Machucos, versteckt im hügeligen Kantabrien, ausgestattet mit 26 Prozent steilen Rampen, die eher zum Skisport ermuntern als zum Radfahren.

Dort brach Nibali, Kampfname Hai von Messina, aus dem Feld aus, knöpfte Froome 45 Sekunden ab (von denen er am Donnerstag allerdings schon wieder 20 verlor). Vor der schweren Bergetappe am Samstag trennen ihn noch 1:37 Minuten vom Briten, die Spanien-Rundfahrt endet an diesem Sonntag. "Ich muss was Besonderes anstellen", sagte Nibali, "aber ich habe eine Chance".

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Auch deutsche Triathleten profitierten vom Geld aus Bahrain

Er wird also wieder attackieren, und bei jeder Flucht werden die Kameras auf sein Trikot mit den Sponsoren blenden: Bahrain-Merida, weiße Lettern auf rotem Stoff. Viel Werbung für die Firma Merida, die Rennräder fertigt. Und für den Staat Bahrain, dem schwere Menschenrechtsvergehen vorgeworfen werden.

Die kleine Insel im Persischen Golf wird seit Jahren von Unruhen bewegt. Der schiitische Teil der 600 000 Bewohner beklagt, er werde von den sunnitischen Herrschern unterdrückt; im Frühjahr 2011 eskalierten Proteste in der Hauptstadt Manama. Eine Kommission, die von der Regierung eingesetzt wurde, befand, dass 13 Zivilisten durch "unnötige Gewalt" der Sicherheitskräfte starben, fünf weitere sollen im Innenministerium gestorben sein. Offenbar durch Folter. Hunderte wurden verhaftet, darunter waren angeblich auch Sportler. Vor einem Jahr rollte eine neue Welle der Repression durchs Land, die größte Oppositionspartei wurde aufgelöst, wieder gab es Tote. Menschenrechtsexperten der Vereinten Nationen forderten Bahrain auf, die "orchestrierte Razzia gegen die Gesellschaft" zu beenden.

Ein Name tauchte dabei immer wieder auf: Scheich Nasser al-Khalifa, ein glühender Sportfan. Er ist formal nicht Teil der Regierung, aber er kommandiert die königliche Garde, steht dem Nationalen Olympischen Komitee vor und dem Rat für Jugend und Sport. 2011 forderte er öffentlich: "Wer den Fall des Regimes fordert, dem möge eine Mauer auf den Kopf fallen!" Gefangene berichten, Nasser habe sie gefoltert. Nasser streitet das vehement ab.

Bahrain investierte unterdessen fleißig in den Sport. Die Formel 1 ist seit 2004 zu Gast; 2011 fiel das Rennen wegen der politischen Unruhen und Protesten aus. Der Fußball-Weltverband hielt im Mai seinen Kongress in Manama ab, Präsident Gianni Infantino dankte Nasser für die Beherbergung in dessen "wunderschönem Land". Bahrain bürgert auch Sportler ein, etwa die kenianische Leichtathletin Ruth Jebet, Weltrekordhalterin über 3000 Meter Hindernis. Nasser gründete ein Triathlon-Team, das die besten internationalen Athleten versammelt, er nannte es Bahrain Endurance 13. Weil ihm, dem passionierten Ausdauersportler, Startnummer 13 oft Glück brachte. Seit diesem Jahr alimentiert er das neu geschaffene Radteam Bahrain-Merida, Jahresbudget knapp 15 Millionen Euro. Die Tour de France lief miserabel, aber jetzt könnte Nibali zumindest die Vuelta gewinnen.