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Radsport:Doping in der Dose

Rudy Pevenage.

(Foto: Ulmer/imago)

Jan Ullrichs Mentor Rudy Pevenage erzählt, wie das Peloton betrog - unter anderem mit Blutbeuteln, die in Milchkartons verpackt waren.

Der Rudy ist einer aus einer Hochzeit des Radsport-Dopings. Der Rudy, das ist Rudy Pevenage, ganz früher mal Rennfahrer und in den Nullerjahren in der Teamleitung bei Telekom und anderen Rennställen. Und dabei fast immer an der Seite von Jan Ullrich, dem gefallenen deutschen Rad-Heroen. Schon seit einem Jahrzehnt ist viel über seine damaligen Machenschaften bekannt, zum Beispiel, dass er den Mittelsmann zwischen Ullrich und Eufemiano Fuentes mimte - dem berühmten spanischen Dopingarzt, zu dem so viele Rad- und andere Sportler zu pilgern pflegten, bis er 2006 aufflog.

Aber jetzt hat Pevenage, 65, ein Buch geschrieben über seine Zeit im Radsport ("Der Rudy"). Und das illustriert wie schon vergleichbare Schilderungen aufs Beste, wie es damals abging im Peloton. Da erzählt Pevenage also, wie er das Doping in Cola-Dosen mit doppelter Wand versteckte: "Man konnte sie oben aufschrauben, um Medikamente einzufüllen und aufzubewahren. Sehr praktisch. Durch die Doppelwand blieb der Inhalt kühl und war von außen nicht von einer echten Dose Cola zu unterscheiden." Blöd nur, dass er das bei einer Razzia 2001 selbst mal vergaß und die Doping-Dose im Kühlschrank ließ; gut für ihn nur, dass es die Fahnder auch nicht checkten.

Sensationelle Neuigkeiten bietet das Buch zwar nicht, aber Pevenage verkauft sich so, als sei er schon besonders eng dran gewesen am Blutpanscher Fuentes. So berichtet er von der Doping-Logistik beim Tour-Start 2004 in Lüttich. Da mietete er sich in einem Hotel ein, Extra-Kühlschrank inklusive, Dottore Fuentes und ein Helfer kamen auch dazu, und ein Kurier mit Tarnnamen "Ali Baba" erhielt die Blutbeutel für die Fahrer - schön unauffällig verpackt in Milchkartons. Oder auch dieses blöde Malheur im Frühjahr 2006. Da freute sich Pevenage so sehr über Ullrichs Auftritt beim Giro, dass er Fuentes statt mit dem Prepaid-Handy blöderweise mit dem normalen Telefon anrief; fortan hatten die Ermittler seine Nummer, um ihn zu beschatten.

Ein paar eindrückliche derartige Erzählungen breitet Pevenage aus. Aber eines tut er nicht: neue Namen nennen. Mehr als 200 Blutbeutel fanden die Ermittler ja damals bei Fuentes, aber nur ein geringer Teil ist Sportlern konkret zugeordnet. Jan Ullrich und Ivan Basso, Alejandro Valverde und manch anderer Radprofi gehören dazu. Aber auch aus anderen Sportarten soll der Blutpanscher regen Besuch gehabt haben, aus dem Tennis oder aus dem Fußball. Seit Jahren wird in Spanien versucht, eine Dechiffrierung aller Namen zu verhindern; auch die Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) sieht bei den Namen, die sie kennt, keine rechtliche Möglichkeit zur Publikation. Und Pevenage, der vorgibt, alle Codenummern der Beutel zuordnen zu können, erwähnt auch nur vage einen "prominenten spanischen Tennisspieler".

© SZ vom 25.01.2020 / SZ
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