bedeckt München 22°
vgwortpixel

Rad-Profi Bradley Wiggins:Ins Bild passt ein Vorfall um den umstrittenen Verbandsarzt Richard Freeman

Offen bleiben noch mehr Fragen. Etwa die, ob Wiggins auch schon 2011 beim Criterium du Dauphine Triamcinolon injiziert bekam - oder war es das legale Fluimucil, wie er und Sky behaupten? Dieser Vorfall wäre, da ohne TUE erfolgt, in jedem Fall Doping. Ungeklärt ist der Inhalt des damals an das Team gelieferten Arzneipakets. Der Report moniert hier explizit, Sky habe "keine verlässliche Beweise" vorgelegt, dass dieses Paket Fluimucil beinhaltet habe.

Generell kritisiert der Bericht das Fehlen akkurater Daten zur Medikation der Sky-Profis. Passend dazu rügt die britische Anti-Doping-Agentur Ukad den Kooperationswillen des Verbands British Cycling. Ins Bild passt ein Vorfall um den umstrittenen Verbandsarzt Richard Freeman: Der hatte Wiggins' Medizin-Daten auf einem Laptop: welcher leider geklaut wurde, als er 2014 in der Ägäis urlaubte. Zu allem Unglück gab es keine Sicherungskopien. Zur DCMS-Anhörung erschien Freeman nicht, wegen Gesundheitsproblemen quittierte er im Herbst den Job beim Verband.

Hat der Verband die illegalen Testosteron-Pflaster 2011 doch absichtlich angefordert?

Es gibt eine ganze Reihe weiterer Mysterien um das selbsternannte Saubermann-Team der jüngsten Dekade. Das britische General Medical Council (GMC) befasst sich seit geraumer Zeit mit Freemans Umtrieben, dem glücklosen Griechenland-Urlauber soll 2011 noch mehr verbotene Ware zugekommen sein. Damals wurden strikt verbotene Testosteronpflaster an das Velodrom in Manchester geliefert, das Hauptquartier von Sky und British Cycling. Ein Liefer-Irrtum, behauptete Freeman, man habe die heiße Ware sofort zurückgeschickt und die Versorgerfirma gebeten, das per Mail zu bestätigen. Nun beklagt British Cycling, die Firma kooperiere nicht bei der Aufklärung, und erwägt einen Wechsel. GMC und Ukad sehen das anders - und jüngst berichtete die Daily Mail, den Ermittlern lägen Hinweise vor, dass diese Testosteronpflaster nicht irrtümlich, sondern tatsächlich auf eine Mail-Anfrage aus Manchester verschickt worden seien.

All das krönt der Positivbefund bei dem Mann, der Wiggins' Nachfolge antrat: Chris Froome, Tour-Sieger 2013, 2015, 2016 und 2017. Dem Briten wurde bei der Vuelta im Vorjahr Salbutamol weit über dem Grenzwert nachgewiesen. Die Erklärung, sein Asthma-Leiden habe sich beim Rennen - das er souverän gewann - verschlimmert, bedarf noch eines medizinischen Nachweises. Auf die Expertise sind unabhängige Fachleute - wie just im Sport stets betont werden muss - schon sehr gespannt. Froomes Verteidiger deuteten bereits eine Nierenfehlfunktion an. Erstaunlich, welche Mühen so ein Superteam wie Sky zu überwinden hat: Geklaute Laptops. Testosteron-Irrläufer im eigene Hauptquartier. Und Sporthelden, die trotz schwerer Erkrankungen von Sieg zu Sieg radeln.

Radsport Überdosis beim Rad-Helden

Christopher Froome

Überdosis beim Rad-Helden

Christopher Froome hatte doppelt so viel Salbutamol im Körper wie erlaubt. Doch der Weltverband verheimlichte den positiven Test drei Monate lang. Sollte der viermalige Tour-Sieger geschützt werden?   Von Thomas Kistner