Putin-Spiele oder Patriotismus?:"Jetzt müssen wir mit dieser Schizophrenie leben"

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Anfang dieser Woche nun ist der Streit um den Umgang mit Putins Spielen eskaliert. Einen "olympischen Bürgerkrieg" nannte der Satiriker und Journalist Wiktor Schenderowitsch die Auseinandersetzung im Netz und brachte die Kernfrage auf den Punkt: "Wo hört ihr Staat auf - und wo fängt mein Land an?" Putin habe Lew Tolstoi, die Künstler der Avantgarde und den ersten Kosmonauten Jurij Gagarin vor seinen Karren gespannt, alles, was die Russen an ihrem Land lieben - "und jetzt müssen wir mit dieser Schizophrenie leben".

Lipnizkaja, dieses "kleine Mädchen auf Schlittschuhen" gefalle ihm wirklich sehr. Aber auch den Deutschen hätte 1936 der junge Kugelstoßer Hans Woellke sehr gefallen, der damals die erste Leichtathletik- Medaille holte und "die Jugend des neuen Deutschland" symbolisierte. Natürlich sei er nicht schuld gewesen an den Vernichtungslagern, "aber es hat sich so ergeben, dass er dazu beigetragen hat".

Wladimir Wasiljew, der Fraktionsvorsitzende der Kreml-Partei Einiges Russland, forderte eine Entschuldigung. Ein Abgeordneter der rechtsliberalen LDPR empfahl, Schenderowitsch in die Psychiatrie einzuweisen. Dieser habe "unseren modernen, demokratischen Staat mit dem faschistischen Deutschland verglichen", sagte Michail Legtjarew der Zeitung Izwestia. Für einen Bericht über den Fall kramte der Sender Rossija alte Bilder hervor, die mit versteckter Kamera gedreht wurden und Schenderowitsch beim Besuch einer Prostituierten zeigen sollen. Der Jude Schenderowitsch wurde als Faschist beschimpft und erhielt SMS-Drohungen: "Für Lipnizkaja reißen wir Dir den Kopf ab!"

Sowohl er als auch Alexej Wenediktow, der Chefredakteur des liberalen Senders Echo Moskaus, auf dessen Website Schenderowitschs Beitrag erschienen war, lehnen es ab, sich zu entschuldigen. Man solle nicht so tun, als ginge es bei den Olympischen Spielen nur um Sport, sagte Schenderowitsch. Ob er mit seiner Annahme recht hat, dieses "geniale Mädchen, könnte bei ihrem Flug über das Eis auch Putins Umfragewerte mit in die Höhe nehmen", ist derzeit noch offen.

Umfragen darüber, wie sich die Olympischen Spiele auf das Ansehen Russlands und des Präsidenten auswirken, sollen erst nach der Abschlussfeier am 23. Februar veröffentlicht werden. Ein Sprecher des staatlichen Meinungsforschungsinstituts Wziom ließ aber bereits jetzt durchblicken, dass Sotschi Wladimir Putin tatsächlich den erwarteten Aufschwung bringen könnte. Putins Ratings zeigten eine "Dynamik", wie sie nur sehr selten zu beobachten sei, sagte Stepan Lwow der New York Times.

Laut dem unabhängigen Lewada-Institut halten 23 Prozent der Russen die Spiele für "würdig und wichtig für unser Land", 38 Prozent sind überzeugt, dass die Spiele überwiegend dazu dienten, Geld aus der Staatskasse abzuzweigen. Allerdings wurde die Erhebung noch vor der Eröffnung durchgeführt. In einer Online-Umfrage der Nachrichtenagentur Ria Nowosti antworteten auf die Frage: "Was erwarten Sie von den Olympischen Spielen?" 32 Prozent: "Ein würdiges Auftreten der russischen Mannschaft." An zweiter Stelle stand mit 23 Prozent die Antwort: "dass sie bald zu Ende gehen".

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