Psychische Belastungen in der Bundesliga Jedem sein Ventil

Burn-out, Überarbeitung, Einsamkeit: Der erschöpfte Trainer Ralf Rangnick und der unglückliche Verteidiger Breno - das sind zwei Einzelschicksale, die wenig gemein haben. Außer den Zeitpunkt. Und die Branche. Warum bietet die Liga nicht mehr Hilfe an?

Ein Kommentar von Claudio Catuogno

Man kann auch die Frage stellen, bis zu welchem Monatsgehalt einem die Leute leid tun müssen. Hier ein Trainer, der den Fußball durch seine Tage und Nächte wälzt - der dann die Reißleine zieht, erschöpft ist und, das Wort klingt seltsam an diesem Wochenende: ausgebrannt. Dort ein junger Fußballer, der sich sehr einsam fühlt in seiner Villa, die dann, warum auch immer, in Flammen aufgeht.

Ausgebrannt, erschöpft: Schalke-Trainer Ralf Rangnick schmiss seinen Job hin, weil er keine Kraft mehr hatte. 

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Aber von den Fanblock-Parolen, wonach die Fußball-Millionarios zu funktionieren haben, ist gerade erfreulich wenig zu hören. Hat der Fußball gelernt aus den Geschichten von Sebastian Deisler, Robert Enke? Die ewige Frage. Zumindest hat sich offenbar herumgesprochen, dass die Summen, die im Fußball kursieren, weder per se die Gesundheit erhalten, noch das persönliche Glück.

Der Trainer Ralf Rangnick und der Verteidiger Breno, natürlich sind das zwei Einzelschicksale, die wenig gemein haben. Außer den Zeitpunkt. Und die Branche.

Ist die Branche unmenschlich? Auch diese Frage hat man Uli Hoeneß am Samstag gestellt, und er hat die Branche (anders als die Münchner Staatsanwaltschaft) leidenschaftlich in Schutz genommen. Sie sei "überhaupt nicht unmenschlich", sagte Hoeneß, angesprochen auf Rangnicks Burn-out, Erschöpfung sei "kein fußballspezifisches Problem", sondern "in den Firmen" viel weiter verbreitet.

Das mag stimmen, verkennt aber doch die speziellen Mechanismen des Profibetriebs, in dem schon Trainer wie Happel, Zebec, Lattek den Alkohol verklärten, und in der junge, überbezahlte Männer zwischen den Trainingseinheiten ja nicht nur in ihren Villen herumsitzen. Sondern oft in die Halbwelt der Zockerbuden abgleiten.

Jeder Mensch hat seine eigene Kompensation, jeder braucht sein eigenes Ventil. Aber was spräche dagegen, dass auch die Branche ein paar Ventile zur Verfügung stellt? Die Liga hat schon einmal bewiesen, dass sie auf Herausforderungen reagieren kann: Seit der Rumpel-EM 2000, als der deutsche Fußball nach allgemeinem Empfinden am Boden lag, zwingt sie ihre Klubs zur Nachwuchsarbeit.

Internate sind Teil des Lizenzierungverfahrens geworden. Warum also nicht das Thema Stressbewältigung zum Pflicht-Bestandteil der Trainer-Ausbildung machen, wie Schalkes Mannschaftsarzt es jetzt vorschlägt? Und warum nicht eine psychologische Früh-Betreuung als Bedingung für die Lizenz? Eine, die Talente schon in den Fußball-Schulen darauf vorbereitet, was in diesem Beruf auf sie zukommen kann, außer Villen und Stress?

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