Paris Saint-Germain Was Tuchels Arbeit bei PSG erschwert

PSG-Trainer Thomas Tuchel beim Spiel gegen Amiens.

(Foto: REUTERS)
  • Paris Saint-Germain gewinnt 3:0 in Amiens, Trainer Thomas Tuchel machen aber die Nebengeräusche im Verein zu schaffen.
  • Neymar und Rabiot wollen angeblich wechseln, beim Sieg am Samstag in Amiens spielen beide nicht.
  • Tuchel sagt: "Es ist kompliziert."
Von Thomas Hürner

Paris Saint-Germain ist nicht nur ein schöner und reicher, sondern auch ein besonders eigenwilliger Verein. Auch Thomas Tuchel bekommt allmählich zu spüren, wie schwierig eine Fußball-Ehe mit diesem milliardenschwer subventionierten Klub sein kann. Mit Siegen alleine ist es nicht getan, denn nichts anderes als Siege werden bei PSG ja vorausgesetzt, vor allem in der französischen Ligue 1. Diesen Job erledigt Trainer Tuchel auch mindestens so zuverlässig wie seine Vorgänger, beispielsweise mit einem neuen Rekord innerhalb fünf europäischen Top-Ligen: Nie zuvor war eine Mannschaft mit 14 Siegen aus den ersten 14 Partien in die Saison gestartet, ein solides Fundament für die obligatorische Meisterschaft. Diese wird PSG auch kaum mehr zu nehmen sein, zusätzlich zu den 13 Punkten Vorsprung auf den Zweitplatzierten OSC Lille kommen nämlich ein um 28 Treffer besseres Torverhältnis und der günstige Umstand, bislang zwei Partien weniger absolviert zu haben.

Am Samstagabend gewann PSG nach zuletzt zwei Liga-Unentschieden souverän, aber nicht unbedingt glanzvoll 3:0 (0:0) in Amiens. Es war ein fragwürdiger Elfmeter, der den Weg zurück zu den obligatorischen Siegen ebnete. Mittelfeldspieler Ángel Di María schoss einem Gegenspieler aus kurzer Distanz an die Hand, Stürmer Edinson Cavani verwandelte den Strafstoß gewohnt sicher. Die beiden anderen Treffer erzielten der junge Wirbelwind Kylian Mbappé und Verteidiger Marquinhos - nach Vorlage von Julian Draxler, der zum achten Mal in Serie in der Liga von Beginn an spielte und im PSG-Mittelfeld der auffälligste Akteur war.

Tuchel zürnt nach der Niederlage im Ligapokal

Was Tuchel aber erstmals als Paris-Trainer so richtig zornig werden ließ, war seine erste Niederlage innerhalb französischer Grenzen. Ein 1:2 gegen EA Guingkamp am Mittwochabend besiegelte das vorzeitige Aus im französischen Ligapokal. Man habe zwar kein Meisterschaftsspiel verloren, dafür aber "eine große Chance, eine Trophäe zu gewinnen", sagte er. Zusätzlich monierte Tuchel "zu wenig Hunger und Konzentration" sowie "merkwürdige Umstände" bei dieser Heimniederlage gegen den Tabellenletzten aus der Ligue 1. Damit meinte er die drei Elfmeter, die Guingkamp im Laufe der Partie zugestanden bekam, vor allem der zweite sei "unmöglich zu pfeifen" gewesen.

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Dabei kann ein Aus im drittwichtigsten französischen Wettbewerb ja auch etwas Positives haben, wenn man neben der Meisterschaft und dem nationalen Pokal auch noch die Champions League gewinnen soll. Noch nie ist PSG in der Königsklasse über das Viertelfinale hinausgekommen, und Tuchel ist gekommen, um den katarischen Investoren endlich den so lange erwarteten Prestigeerfolg zu bescheren.

Dass sich der Pragmatiker Tuchel jüngst auffällig echauffierte, könnte also nur am Rande mit dieser verpassten Trophäe tun haben, sondern vielmehr mit den zahlreichen Nebengeräuschen, die den PSG-Trainern ihre Arbeit traditionell erschweren. In der vergangenen Saison stritten sich der brasilianische Ausnahmekönner Neymar und Cavani mal mehr und mal weniger öffentlich um ihr Hoheitsrecht beim Schießen der Elfmeter. Die sagenumwobene "l'affaire du penalty" scheint zwar inzwischen beigelegt, atmosphärische Störungen in der Mannschaft sind aber geblieben. Und immer wieder geht es um den 222-Millionen-Mann Neymar: Nach seinem Wechsel von Barcelona nach Paris soll der Angreifer zutiefst unglücklich gewesen sein, weshalb er angeblich bereits einen Wechsel zu Real Madrid ernsthaft in Erwägung zog.