Prozess:Weiter mit Polizisten

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Der ehemalige Schiedsrichter Malte Dittrich verliert mit seiner Klage vor Gericht gegen den deutschen Fußballbund. Dieser hätte im Fall einer Niederlage bis zu 100 Schiedsrichter als Arbeitnehmer in einem festen Verhältnis anstellen müssen.

Von Johannes Aumüller

Am Wochenende kommen sie wohl wieder zum Einsatz: der Betriebswirt aus Unterspiesheim und der Bankkaufmann aus Korb, der Polizist aus Wiesbaden und der Sportwissenschaftler aus Rostock. In Deutschlands Top-Ligen gibt es bisher keine Profi-Schiedsrichter, die beim Deutschland Fußball-Bund (DFB) angestellt sind; stattdessen geht nahezu jeder Unparteiische einem anderen Job nach - und pfeift formal als Selbständiger im Nebenberuf. Und zumindest fürs Erste bleibt es dem Verband erspart, das anders organisieren zu müssen.

An diesem Donnerstag gewann der DFB vor dem Landesarbeitsgericht Hessen eine Auseinandersetzung mit dem früheren Schiedsrichter Malte Dittrich. Der Jurist aus Bremen hatte geklagt, dass er sich in seiner Tätigkeit als Unparteiischer in den deutschen Elite-Ligen faktisch in einem arbeitnehmerähnlichen Verhältnis befunden habe - und keineswegs selbständig gewesen sei. Das sah die zuständige Kammer anders. Die übliche Vereinbarung zwischen dem DFB und den Schiedsrichtern sei "kein Arbeitsvertrag, sondern nur eine Rahmenvereinbarung", urteilte sie. Eine Revision ließ die Kammer nicht zu.

Dittrich, 35, war zwischen 2006 und 2015 für den DFB als Unparteiischer tätig gewesen, insbesondere in der dritten Liga und als Assistent in der zweiten Liga, aber auch fast zwei Dutzend Mal als vierter Offizieller in der Bundesliga. Jedes Jahr im Sommer erhielt er einen auf ein Jahr befristeten Vertrag - doch 2015 blieb der aus. Daraufhin begann er seinen Zug durch die Instanzen.

Dittrichs Argumentation zielte vor allem darauf, dass er in den jetzigen Strukturen in vielerlei Hinsicht weisungsgebunden sei, sowohl inhaltlich wie auch örtlich und zeitlich. Insbesondere monierte er die Art, wie und wann der DFB die Paarungen an Schiedsrichter verteile. Aber es ging ihm auch um viele detaillierte Vorgaben durch den Verband: von der Frage, wann genau und mit welchem Verkehrsmittel er zum Einsatzort zu reisen habe, bis zur Bedingung, einmal pro Woche zur Physiotherapie gehen zu müssen. Dies alles, so Dittrich, habe nichts mit einer Selbstständigkeit zu tun, sondern sei wie bei Arbeitnehmern.

Der DFB hingegen verwies auf die Besonderheiten des Sportes, wegen derer die jetzige Organisationsform angemessen sei. Im Fall einer Niederlage hätte dem Verband ein Szenario gedroht, in dem er bis zu 100 Schiedsrichter als Arbeitnehmer hätte anstellen müssen - inklusive aller Verpflichtungen wie Sozialabgaben. Womöglich ändert sich aber unabhängig vom Gerichtsverfahren mittelfristig etwas im Schiedsrichterwesen. DFB-Vize Ronny Zimmermann selbst verwies im Prozess darauf, dass die Diskussion über den Profischiedsrichter ja laufe. In vielen anderen europäischen Ländern gibt es ihn bereits.

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