Prozess Blatter/Platini:Rückschlag für die Fifa

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Prozess Blatter/Platini: Angeklagt, sich aber keiner Schuld bewusst: der ehemalige Fifa-Präsident Sepp Blatter.

Angeklagt, sich aber keiner Schuld bewusst: der ehemalige Fifa-Präsident Sepp Blatter.

(Foto: Alessandro Crinari/dpa)

Im Prozess um eine ominöse Zwei-Millionen-Zahlung wehrt sich der Weltverband gegen die Vernehmung eines Zeugen - aber vergeblich. Die früheren Funktionäre Blatter und Platini dürfen sich gestärkt fühlen.

Von Johannes Aumüller, Bellinzona

Im Prozess gegen die früheren Fußball-Funktionäre Sepp Blatter, 86, und Michel Platini, 66, wegen des Verdachts auf Betrug hat der Fußball-Weltverband (Fifa) in einer wichtigen juristischen Frage eine Niederlage erlitten. Am Freitagmittag beschloss das Bundesstrafgericht in Bellinzona, dass in der nächsten Woche der frühere Fifa-Finanzchef Markus Kattner als Zeuge zu hören sei. Die Fifa hatte sich in einem Vortrag entschieden gegen dessen Ladung gewehrt, unterstützt von der Bundesanwaltschaft (BA).

Zudem betonte die Vorsitzende Richterin Joséphine Contu Albrizio in einem Vortrag, der sich insbesondere auf Aussagen der Fifa-Anwältin bezog, dass es in der Hauptverhandlung nicht nur um den angeklagten Sachverhalt als solchen gehe, sondern auch um die Frage, wie die angeführten Beweise erhoben worden seien.

Damit ist klar, dass sich das Gericht in den nächsten Prozesstagen intensiv damit beschäftigen wird, ob das im Herbst 2015 eröffnete Verfahren gegen Blatter und Platini auf rechtmäßige Weise zustande kam. Das betrifft insbesondere zwei Punkte. Zum einen geht es um die Frage, woher die BA ursprünglich die Information über den Grund des Verfahrens hatte: die ominöse Zahlung in Höhe von zwei Millionen Franken von Blatters Fifa an den damaligen Uefa-Präsidenten Platini im Jahr 2011. Der frühere Ermittler Olivier Thormann hatte am Donnerstag ausgesagt, dass ihm am Rande der großen Razzia am 27. Mai 2015 der damalige Finanzchef Kattner Dokumente übergeben habe, aus denen die Zahlung hervorgehe. Kattner habe diese zudem mündlich erläutert.

Blatter und Platini dürften sich von einer weiteren Zeugenaussage am Freitag gestärkt fühlen

Zum Zweiten ist entscheidend, inwieweit die Bundesanwaltschaft diese Dokumente damals überhaupt nutzen durfte. Denn nach der Razzia verlangte die Fifa eine Siegelung der sichergestellten Unterlagen, wodurch diese zunächst nicht verwertbar waren. Laut einem Prüfbericht des bundesanwaltschaftlichen Kontrollorgans (AB-BA) bezog sich diese Siegelung auf sämtliche Dokumente und Dateien. Die heutige Fifa argumentiert, dass die Siegelung ausschließlich die elektronischen Daten betroffen habe. Verschiedene physisch übergebene Dokumente seien davon nicht betroffen gewesen - darunter ein blauer Ordner mit der Aufschrift "Exko 2009 - 2011", in der sich Hinweise auf die Zahlung an Platini befunden haben sollen. Die Fifa ist in dem Betrugsverfahren Privatklägerin.

In der Sache durften sich Blatter und Platini am Freitag auch von einer Zeugenaussage des früheren Uefa-Rechtschefs Peter Limacher gestärkt fühlen. Zum Hintergrund: Das beschuldigte Duo weist den Betrugsvorwurf zurück und führt aus, dass die Zwei-Millionen-Zahlung auf eine mündliche Vereinbarung aus dem Jahr 1998 zurückgehe. Demnach sollte Platini zwischen 1998 und 2002 jährlich eine Million Franken erhalten, für eine Beratertätigkeit für die Fifa. Aufgrund der angespannten finanziellen Lage des Weltverbandes konnten zunächst aber nur 300 000 Franken jährlich fließen. Die Zahlung 2011 sei der Nachschlag gewesen.

Limacher erzählte nun, wie bereits 1998 in der Uefa diese Zahl besprochen worden sei. Zudem wurde ein Protokoll einer Sitzung von europäischen und afrikanischen Funktionären aus dem Jahr 1998 vorgelegt, in dem bereits von einer Entlohnung in Höhe von einer Million Franken per annum die Rede war. Der Prozess wird am Montag fortgesetzt, ein Urteil soll am 8. Juli gefällt werden.

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