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Proteste bei Olympia:Festgehalten, drangsaliert, eingesperrt

Witischko ist nicht der einzige Olympia-Kritiker, der zuletzt in den Fokus der Justiz geriet. Ein Zentrum ihrer Aktionen war Krasnodar: Zum einen ist es die Hauptstadt der Region, in der Sotschi liegt, zum anderen lag es am Dienstag auf der Route des Olympischen Feuers auf seiner überdimensionierten Reise, die bis ins Weltall, an den Nordpol und auf den Grund des Baikalsees führte. Montagnacht seien insgesamt sechs Aktivisten der "Ökologischen Wacht" festgehalten worden, berichtet Anwalt Popkow.

Die Polizei habe wissen wollen, welche Aktionen sie gegen das Feuer geplant hätten. Auch der bekannte und in Krasnodar wohnhafte Bürgerrechtler Michail Sawwa, gegen den ein Verfahren wegen der angeblichen Veruntreuung von Stipendiengeldern in Höhe von knapp 10.000 Euro läuft, war punktgenau noch einmal drangsaliert worden. Am Wochenende verlängerten die Behörden den Hausarrest des Politologen um zwei Monate.

Unannehmlichkeiten hat nun auch Alexander Walow, Chefredakteur der Internetplattform blogsochi.ru, auf der schon manch kritischer Artikel zu den Spielen erschien. Nachdem er in den vergangenen Wochen schon von mahnenden Anrufen gesprochen hatte, rückte jetzt die Polizei an, um seine Räumlichkeiten zu durchsuchen. Der Vorwurf: Walow habe sich nicht ordnungsgemäß als Unternehmer registriert, obwohl er mit der Werbung auf seinem Blog Geld verdiene.

Semjon Simjonow wiederum, der in den vergangenen Wochen bekannt wurde, weil er die unsäglichen Bedingungen der Arbeiter auf den olympischen Baustellen dokumentierte, hatte versucht, als Fan nach Sotschi zu kommen, und sich eine Eintrittskarte für ein Eishockeyspiel gekauft.

Doch die Behörden verweigerten ihm - wie auch anderen - den "Besucherausweis", ohne den niemand in die Sportstätten kommt. Ohne Begründung, wie Simjonow sagt. Er vermutet einen Zusammenhang zu seinen kritischen Äußerungen vor den Spielen. Allerdings will er das Recht auf ein Ticket nun gerichtlich erstreiten.

© SZ vom 05.02.2014/jbe

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