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Proteste bei Leichtathletik-WM:Rogge und die Charta

Schwulen -und Lesbenverbände warnen seit Wochen vor den rechtlichen Eingriffen in das Privatleben Homosexueller, zudem zeigten auch Athleten ihre Ablehnung des neuen Gesetzes. Ein Land, das in wenigen Monaten die Olympischen Winterspiele in Sotschi ausrichtet, darf niemanden diskriminieren, so die Sicht großer Teile der Weltöffentlichkeit.

Als erster Sportler hatte sich in Moskau der Mittelstreckenläufer Nick Symmonds klar positioniert: Der Amerikaner widmete seine Silbermedaille über 800 Meter seinen schwulen und lesbischen Freunden. "Egal, ob du schwul, hetero, schwarz oder weiß bist: Wir alle verdienen dieselben Rechte", sagte der 29-Jährige. Die schwedische Sprinterin Moa Hjelmer war - wie Green Tregora - mit regenbogenfarbenen Fingernägeln in den Qualifikationen an den Start gegangen.

Auch zwei russische Athletinnen haben für Aufsehen gesorgt: Xenija Ryschowa und Tatjana Firowa, zwei Sprinterinnen der siegreichen russischen 4x400m-Staffel, tauschten auf dem Siegerpodium einen Kuss aus. Die Geste wurde als stiller Protest gegen das Anti-Homosexuellen-Gesetz interpretiert.

Andere sind vehemente Fürsprecher des neuen Gesetzes gegen Homosexuelle, Russlands Stabhochsprung-Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa etwa. Green Tregaros Maniküre bezeichnete sie als "respektlos" und betonte: "Wir hatten diese Probleme in der Geschichte nicht und wir wollen sie in der Zukunft nicht haben. Bei uns leben Männer mit Frauen, Frauen mit Männern."

Zwar schwächte sie ihre umstrittenen Äußerungen anschließend ab und sprach sich "mit größtem Nachdruck" gegen Diskriminierung von Homosexuellen aus - das wirkte für manche jedoch wenig aufrichtig. Dass der Sport eine unpolitische Angelegenheit ist, glauben in diesen Tagen immer weniger Menschen.

Die öffentliche Unmut der Sportler zwingt jetzt die Verbände zur Reaktion - die Winterspiele im Februar stehen unter besonderer Beobachtung. IOC-Präsident Jacques Rogge hat das Protestverbot für Athleten bei dem Event in Sotschi deswegen noch einmal bekräftigt - bei Olympia wünscht man keine politischen Kundgebungen.

"Das sollte nicht als Sanktion gesehen werden, sondern eher als Mittel, um Athleten zu schützen, damit sie nicht unter Druck gesetzt werden, die Spiele als Plattform zu nutzen", sagte der Chef des Internationalen Olympischen Komitees in einem Interview des Tagesspiegel am Sonntag. Der Belgier berief sich dabei auf die entsprechende Regel 50 der olympischen Charta.

Das IOC habe "Zusagen von höchsten Regierungsstellen in Russland, dass diese Gesetzgebung niemand beeinträchtigen wird, der die Spiele besucht oder daran teilnimmt", versicherte Rogge. Dieses Versprechen ist vielen Russland-Kritikern aber nicht genug - ein solches Gesetz dürfe es eigentlich gar nicht geben. Aktivisten fordern sogar, die Spiele wegen der Situation um Menschenrechte in Russland zu boykottieren. Emma Green Tregaro hat sich klar positioniert - am Ende musste sie sich aber den Regularien beugen.