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Protest gegen das Relegationsspiel:Schläge ins Genick

Den Auftakt macht wegen der Eilbedürftigkeit der Prozess zur Spielwertung. Referee Stark wird vortragen, dass er das Spiel unter-, aber nicht abgebrochen habe. Als er es fortsetzen wollte, nachdem ihm die Zuständigen versichert hatten, dass die Sicherheit im Stadion wiederhergestellt worden sei, weigerten sich laut Zeugenaussagen die Berliner, auf den Rasen zurückzukehren.

Stimmen zu Ausschreitungen im Relegationsspiel

"Das war ein irreguläres Spiel"

Dass sie es am Ende doch taten, verdankt sich nach SZ-Informationen auch der Intervention eines Offiziellen, der sie auf eine veränderte Sachlage hinwies: Pfeift Stark das Spiel wieder an, ist dies eine Tatsachenentscheidung. Müsste er es nun abbrechen, dann nicht mehr wegen der - mittlerweile geregelten - Situation auf dem Rasen, sondern wegen der Berliner Verweigerung. Und das hätte automatisch vorgegeben, wie die Partie am grünen Tisch entschieden worden wäre.

Wirklich dramatisch dürften erst die nachfolgenden Sportprozesse ablaufen. DFB-Offizielle lassen schon anklingen, dass es nun klare Urteile als Reaktion auf die jüngst erblühte Gefährdungslage in Stadien von Düsseldorf bis Karlsruhe, von Dresden bis Köln brauche. Tatsächlich standen die Vorgänge in Düsseldorf für alle Fehlentwicklungen der vergangenen Woche. Andreas Lambertz, der Fortuna-Spielführer, feierte nach Abpfiff mit einem bengalischen Feuer in der Hand - "wie wollen wir gegen Pyrotechnik in den Stadien vorgehen, wenn dann ein Mannschaftskapitän damit selbst im Innenraum steht?", fragt ein Offizieller. Hier zeichnet sich ein Präzedenzfall ab.

Neben Zündlern bedrohen Schläger den Frieden im Stadion - und auch hier ging in Düsseldorf der Fußball selbst mit üblem Beispiel voran. Referee Stark, so wurde der SZ von einem Verbandsvertreter bestätigt, soll von Hertha-Außenverteidiger Levan Kobiaschwili nach dem Abpfiff heftig ins Genick geschlagen worden sein, weshalb ihn der Düsseldorfer Mannschaftsarzt in Obhut nehmen musste. Die Rechts- und Verfahrensordnung des DFB ist hier nicht zimperlich, für Tätlichkeiten gegen Schiedsrichter ist eine "Sperre von sechs Monaten bis zwei Jahren, in leichteren Fällen Sperre von mindestens acht Wochen" vorgesehen.

Auch sonst dürfte Starks Spielbericht manches enthalten, das empfindliche Strafen nach sich zieht: Von unflätigen Beleidigungen durch Berliner Spieler bis zur Rudelbildung im Bereich der Schiedsrichterkabinen, heißt es aus informierten Kreisen. Sollte die Hertha also überraschend doch ein Wiederholungsspiel erzwingen - sie müsste es wohl mit neuer Abwehr bestreiten.