Probleme in der Fankurve des FC Bayern:Neue Stimmungszentrale

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Weinreich hält die Formulierung der Umfrage allerdings für "tendenziöse Stimmungsmache"; so sei vom Verein argumentiert worden, bei freier Blockwahl könne es vorkommen, dass man nach dem Bierholen oder dem Toilettengang nicht mehr in denselben Bereich zurückkehren könne. "Man könnte es so schalten, dass man 15 Minuten lang eingecheckt bleibt und mit der gleichen Karte zurückkehren kann", sagt Weinreich, "aber das wurde nicht einmal zur Wahl gestellt." Salewski entgegnet, er habe die Umfrage "fair" gefunden, auch "wenn die hinterher sagen, das war falsch gefragt".

Kurios ist, dass der FC Bayern die Kapazität der Blöcke 112/113 gerade erst erhöht hat. Statt 300 neue Karten nach dem Zufallsprinzip im Internet zu vergeben, hätte er bei Stadionöffnung 300 Einlasskarten für die Südkurve an Inhaber blockfremder Tickets vergeben können. "Das wäre für jeden offen gewesen - aber man hätte wohl ziemlich gut die Klientel erwischt, die anfeuern will", meint Weinreich. Salewski entgegnet, Einlasskarten seien "einmal versucht worden" und hätten "nicht funktioniert". Generell habe man den aktiven Fans "früher viele Karten zur Verfügung gestellt, und das Ergebnis war, dass sie immer mehr Karten verlangt haben". Und Karten sind beim FCB ein rares Gut - der Mehrheit der anderen Zuschauer sei die Bevorzugung "nicht vermittelbar" gewesen.

Das ist die Frage: Sind Fans, die jedes noch so abgelegene Auswärtsspiel besuchen und ihre Aufgabe in der Anfeuerung sehen, anders zu behandeln als Zuschauer, die zwei Mal im Jahr ein Heimspiel besuchen wollen, sich aber als Bayernfans definieren, Trikots kaufen und "Gefällt mir" bei Facebook geklickt haben?

Der FC Bayern hat diese Frage, was das System der Kartenvergabe angeht, nun mit Nein beantwortet. Salewski macht Fans, die Tickets für andere Blöcke bereits haben, sich bisher in 112/113 geschlichen hatten oder künftig gerne dort stehen wollen, dennoch ein bisschen Hoffnung. Er kündigt ein "Tauschprogramm" an und will initiieren, dass die sogenannten Indifferenten, die seit Jahren im Block 112/113 stehen, aber an der Stimmung nicht beteiligt sind, sich auf einen Kartentausch einlassen. Das Problem ist dabei, dass Tickets für andere Bereiche des Stadions deutlich teurer sind; Salewski kündigt "finanzielle Übergangslösungen im Einzelfall" an.

Mit den Strichcode-Scannern will der FC Bayern zudem überprüfen, wer in Block 112/113 überhaupt erscheint - und bei zu selten genutzten Dauerkarten von seinem Kündigungsrecht Gebrauch machen. Die "Noshows", die ihre Tickets verfallen lassen wie offenbar rund 300 Personen gegen Mönchengladbach, müssen damit rechnen, dass ihnen der Klub ein Tauschangebot macht und die Jahreskarte ansonsten gekündigt wird.

Ob Salewskis Plan, eine neue Stimmungszentrale zu entwickeln, funktioniert, bleibt abzuwarten. Auf jene Zuschauer, die Tickets für den Block 112/113 online für einzelne Spiele erwerben, kann er dabei sicherlich nicht setzen. "Dieses Ticketing bietet einen Querschnitt durch unser Publikum", sagt Weinreich. "Ich kann nicht zufällig Leute auswählen, und es entsteht plötzlich Stimmung." Auch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge erkannte: "Wir können niemanden zwingen, uns anzufeuern." Es klang allerdings nicht danach, als würde er etwas vermissen.

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