Probleme beim BVB:Nur Weidenfeller und Schmelzer im Vollbesitz ihrer Kräfte

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"Wir hatten ein paar sehr gute Chancen, da fehlt uns auch das Glück", meinte Mats Hummels, "aber wir müssen uns natürlich insgesamt mehr Chancen herausspielen." Gegen die dynamisch und früh verteidigenden Stuttgarter gelang das aber zu wenig. "Es war ein dauerndes Anrennen", beschrieb es Klopp, "aber wir müssen uns daran gewöhnen, dass ein Unentschieden in einem Heimspiel sich bei uns wie eine Niederlage anfühlt."

Mit 16 Punkten aus den bisherigen zehn Spielen fühlt sich für den Doublesieger Dortmund die Saison insgesamt nicht so toll an. "Ein Debakel ist das nicht", sagt Vorstandschef Hans-Joachim Watzke, "aber auch nicht das, was wir uns erwarten." Die betriebsame Arbeit an der Gesichtsmaske unterstreicht vor allem, dass Dortmunds Kader derzeit unter den mentalen und körperlichen Belastungen ächzt. Selbst ein verletzter Kehl ist für Klopp immer noch wertvoller als gesunde Alternativen, etwa der für ihn eingewechselte Moritz Leitner. Auch andere Nachrücker wie die eingewechselten Ivan Perisic oder Julian Schieber verstärkten erneut nur den Eindruck, dass der BVB in den vielen englischen Wochen dieses Herbstes nur mit elf oder zwölf Spielern rechnen kann.

Formdurchhänger, wie man sie am Samstag erneut bei Robert Lewandowski und Marco Reus erkennen musste, kann der Dortmunder Kader zur Zeit nicht durch Rotation abfedern. Der für über fünf Millionen Euro geholte Schieber erweckt nicht den Eindruck, den mit viel Kraftaufwand arbeitenden Lewandowski vertreten zu können. Außer Torwart Roman Weidenfeller und dem besten Dortmunder Marcel Schmelzer wirkten fast alle Borussen nicht im Vollbesitz der Kräfte.

Das latente Personalproblem scheint Klopp und seinen Spielern längst klar zu sein. Boss Watzke räumte am Samstagabend erstmals ein, dass er "manchmal auch das Gefühl" habe, dass der BVB im zeitlichen Vorfeld wichtiger Champions-League-Spiele für die Aufgaben im Liga-Alltag nicht ans Limit gehen könne - oder wolle. Ein unverhoffter Auswärtssieg am Dienstag bei Real Madrid könnte dieses Problem vorübergehend lösen: Mit dann zehn Punkten wäre Dortmund schon für die nächste Runde qualifiziert. Watzke selbst legte dafür am Samstagabend schon mal vor: An der Torwand des ZDF-Sportstudios traf er als Studiogast vier Mal. Als Aktiver war Watzke nur im Amateurfußball in Erscheinung getreten.

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