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Pressestimmen:"Die Hinhaltetaktik ist beendet"

Krisenresistent: Maskottchen mit unbegrenzter Haltbarkeit in den Auslagen eines Olympia-Shops in Tokio.

(Foto: Behrouz Mehri/AFP)

Die Olympia-Verschiebung wird weltweit begrüßt, viel Kritik am IOC.

Japan

Nikkei: "Es ist, als wären wir nach all den Bemühungen der letzten sieben Jahre wieder am Anfang."

Italien

Gazzetta dello Sport: "Das IOC wirft das Handtuch wie ein Boxer, der zu lange versucht hat, den Schlägen des Gegners Stand zu halten. Niemand darf ignorieren, dass die Menschheit in den Sog der Pandemie geraten ist. Der Druck der Weltgesundheitsorganisation hat dem Wahnsinn ein Ende gesetzt."

Corriere della Sera: "Die Verschiebung der Olympischen Spiele ist ein weiser Entschluss, der sinnlosen und langweiligen Diskussionen ein Ende setzt. In den Krankenhäusern stirbt man, die Familien leiden. Olympische Spiele sind Freude, Wettbewerbe, Rekorde und Medaillen, die man im richtigen Moment feiern soll."

England

The Times: "Zwei-Billionen-Pfund-Kopfschmerz für Japan, als das IOC vor dem Unvermeidbaren einknickt. Das IOC hat sich endlich überwältigendem Druck gebeugt."

Daily Mirror: "In den letzten Wochen gab es ein neues olympisches Motto: langsamer, schlechter, schwächer. Selbst Donald Trump wusste schon vor ein paar Wochen, dass die Spiele nicht im Sommer stattfinden werden. Doch das IOC hoffte auf ein Wunder und hielt ewig an dem Plan fest."

USA

Washington Post: "Die Olympischen Spiele zu verschieben, war richtig, auch wenn es herzzerreißend ist."

New York Times: "Die Olympioniken haben ein weiteres Jahr Zeit für die Vorbereitung auf Tokio. Die meisten wollten eine Verschiebung, doch auch das birgt Risiken. Die Verzögerungstaktik des IOC über Wochen bei einer Entscheidung, die so viele für unvermeidbar gehalten haben, und die langsame öffentliche Reaktion auf das Coronavirus sind die neuesten Beispiele dafür, dass die Organisation den Bezug zum Rest der Welt verloren hat."

Los Angeles Times: "Mindestens zweimal bemühte IOC-Präsident Bach letzte Woche die Metapher von der olympischen Flamme, die am Ende des Tunnels scheint, in dem sich die Welt gerade befindet. Es hat bis Dienstag gedauert, bis ihm selbst ein Licht aufging und er die Sommerspiele verschob."

Russland

Sport-Express: "Das Spiel ist aus. Positiv lässt sich aber sehen, dass bis zu Olympia 2021 nun mehr Zeit ist, endlich die Frage des Status des russischen Leichtathletikverbandes zu klären. Bis dahin heißt es: unablässig ackern."

Kommersant: "Das wichtigste Sportereignis der Welt ist nun zum wohl bekanntesten Opfer des Coronavirus geworden. Es gab keinen anderen Ausweg."

Österreich

Kurier: "Nach Politik und Terror ist ein Virus der Spiele-Verderber."

Die Presse: "An der Verschiebung der Sommerspiele in Tokio gab es ob der Coronavirus-Krise kein Umhinkommen. So sehr sich Japan und das Internationale Olympische Komitee zum täglich wachsenden Unmut der Sportwelt dagegen verwehrt haben: Keine andere Entscheidung als der sporthistorische Schritt ist sinnvoll."

Tschechien

Pravo: "Trauer und Erleichterung: die Olympischen Spiele werden verschoben. Sportler auf der ganzen Welt bedauern, dass sie in diesem Jahr um diesen Höhepunkt ihrer Karriere gebracht werden, aber sie begrüßen zugleich, dass nun nach wochenlangen Spekulationen endlich Klarheit herrscht."

MF Dnes: "Die überflüssige, geradezu naive Hinhaltetaktik ist beendet."

Frankreich

L'Equipe: "Die Entscheidung kam durch ihre plötzliche Schnelligkeit überraschend. Aber jetzt sind die Unklarheiten für die Athleten wenigstens ausgeräumt. Es ist vielleicht ein Klischee, aber für einen Japaner ist es wichtig, nicht das Gesicht zu verlieren. Deshalb hat in dieser sportpolitisch hochbrisanten Angelegenheit Premierminister Shinzo Abe - würdevoll und steif wie immer - als erster das Wort ergriffen."

Le Figaro: "Das IOC hat die Entscheidung offensichtlich mehr widerwillig als aus Überzeugung getroffen, aber sie bleibt richtig."

© SZ vom 26.03.2020 / dpa, sid
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