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Pressekonferenz vor EM-Halbfinale:Körperspannung, Herr Schweinsteiger!

Die unbeliebteste Pressekonferenz ist die vor einem großen Spiel: Joachim Löw erklärt mit Pokerface, dass ihn die historische Niederlagen-Serie gegen Halbfinalgegner Italien nicht interessiere. Der Bundestrainer wirkt entschlossen. Der Mittelfeldspieler, den er mitgebracht hat, könnte allerdings ruhig etwas überzeugender rüberkommen.

Medienarbeit gehört heutzutage zum Job von Fußballtrainern und Fußballspielern. Die Fernsehkameras, die Radiomikrofone, die schreibenden Journalisten tragen die Geschichten der großen Fußballturniere hinaus in die Welt, sie mehren deren Aufmerksamkeit und damit auch Werbeträchtigkeit. Trainer und Spieler wissen das und fügen sich mal freudiger, mal widerwilliger der Zeremonie. Aber dieser Termin am Abend vor einem Spiel ist dann doch der unbeliebteste.

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Bundestrainer Joachim Löw (li., neben ihm Bastian Schweinsteiger) gibt sich vor dem Halbfinale gegen Italien selbstbewusst.

(Foto: AFP)

Die veranstaltenden Fußballverbände haben eingeführt, dass sich einen Tag vor jedem Turnierspiel der Trainer und ein Spieler der beteiligten Mannschaften im Stadion der internationalen Presse stellen müssen. Es ist ein netter, aber zumeist überflüssiger Termin, weil kein Trainer der Welt handfeste Anhaltspunkte liefern will, wie er seine Mannschaft am kommenden Tag spielen lässt.

Bundestrainer Joachim Löw versucht bisweilen, sich dieser Pflicht zu entziehen. In Südafrika bei der WM schickte er vor dem Achtelfinale gegen England seinen Torwarttrainer Andreas Köpke, die englischen Reporter reagierten not amused. Eine Missachtung der Etikette sei das, und außerdem: Andreas Köpke! Einer dieser deutschen Torhüter, die ihnen im Elfmeterschießen schon mächtig den Spaß verdorben hatten! Es kam zu einem kleinen Aufruhr.

Vor dem letzten Gruppenspiel dieser EM in Lemberg gegen Dänemark wollte Löw wieder nur einen Ersatz-Conferencier schicken. Manager Oliver Bierhoff sollte den Termin übernehmen. Doch dieses Mal übte die Europäische Fußball-Union Uefa Druck aus, Löw musste erscheinen.

Vor dem EM-Halbfinale in Warschau beugte sich der Bundestrainer freiwillig. Er stieg am Mittwoch pünktlich um 17:15 Uhr auf das Podium und begann sogleich die Dinge zu sagen, die man eben als Trainer so sagt, 27 Stunden vor einem wichtigen Spiel. Die besten vier Mannschaften seien im Halbfinale, die Luft werde nun dünn, das Niveau der Teams sei sehr ausgeglichen. "Man braucht vielleicht auch ein bisschen Glück." So wie die Spanier später beim ersten Halbfinale, hätte er sagen könne. Aber das wusste er in diesem Moment noch nicht.

Die Italiener im Saal ritten ein wenig auf der Historie herum, dass Italien noch jedes wichtige Spiel gegen Deutschland gewonnen habe. Sie träumten wohl von der Antwort: Der Mannschaft geht nun tatsächlich die Düse und sie würde am liebsten gar nicht antreten. Dieser Satz hätte schöne Schlagzeilen produziert, doch in Wirklichkeit sagte Löw: "Für die heutige Generation hat das keine Bewandtnis. Es hat keinen Einfluss auf unsere Vorbereitung, ich werde das auch nicht thematisieren."

Doch ob Joachim Löw wollte oder nicht, die Fragerunde dauert so lange, dass er irgendwann doch seine Gefühlslage offenbarte. Vor dem Halbfinale der WM 2010 war bald klar, dass sein Respekt vor den Spaniern fast übermächtig ist und er kein wirkliches Rezept hatte. Auch diesmal konnte man dem Bundestrainer in einigen Momenten ins Gemüt blicken, von dort kamen eindeutige Signale: Joachim Löw ist sich sehr sicher, dass sein Team in diesem Halbfinale gegen Italien einen wasserdichten Plan hat und das Spiel gewinnen wird - zumindest, wenn nicht alles schief geht.

Gleich zu Beginn verkündete er: "Wir sind uns unserer Stärken bewusst, wir haben eine sehr starke Mannschaft und sind in der Lage, ins Finale einzuziehen." Später fügte er an: "Unsere Mannschaft ist in der Lage, gegen alle Mannschaften auf dieser Welt zu gewinnen." Er saß dabei mit geradem Rücken auf dem Stuhl, seine Stimme war fest und überzeugend. Joachim Löw sah angriffslustig aus. Er muss sich seiner Sache sehr sicher sein.

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