Premier League:Zweifel an Wenger zerreißen Arsenal

Arsenal's Olivier Giroud looks dejected at the end of the match

Auch Arsenal-Torschütze Olivier Giroud kann sich nicht freuen: Die Pleite gegen den FC Chelsea schmerzt.

(Foto: John Sibley/Reuters)

Von Raphael Honigstein, London

Und dann lief Antonio Conte los. Der Italiener wedelte mit den Armen, als hätte ihm jemand glühende Kohlen in den Anzug gekippt. Er brannte und rannte, aus seiner Coaching-Zone heraus und immer weiter. Bis ein tollkühner Hechtsprung über die Bande und in die Menge ihm ein wenig Abkühlung verschafften.

Die Szene wird man in den nächsten Monaten und Jahren häufig im Fernsehen zeigen. Galt doch Contes Jubel keinem gewöhnlichen Treffer. Er markierte jenen Moment, der in der 53. Spielminute am 24. Spieltag, Anfang Februar an einem recht sonnigen Samstag in London, aller Voraussicht nach bereits alles entschied: die Wahl zum Tor des Jahres, das Match gegen die Londoner Rivalen vom FC Arsenal (Endstand 3:1), die Meisterschaft. Und vielleicht auch die Zukunft seines Gegenübers Arsène Wenger bei den Gunners.

Chelseas Flügelstürmer Eden Hazard hatte den Ball in der eigenen Hälfte aufgenommen und erkannt, dass Arsenals Mittelfeld unsortiert herumstand. Er zog an zwei Spielern vorbei, ließ den dritten, Francis Coquelin, an sich abprallen wie ein Insekt. Der Sunday Telegraph fühlte sich an eines dieser Heim-Videos erinnert, "in denen ein Mann vergeblich versucht, auf einen davonfahrenden Golf-Buggy aufzuspringen", aber im Stadion an der Stamford Bridge lachte niemand. Hazards Dribbling trug ihn in den Strafraum, wo er dem Verteidiger Laurent Koscielny das "Blut verdrehte", wie das auf der Insel heißt. Ein Lupfer über Petr Cech vollendete das Fünf-Sekunden-Schmückstück.

Die Geschichte der Saison erzählt in einem Tor

In dem atemraubend schnellen, schönen, konsequenten 2:0 der Blues verdichtete sich die ganze Geschichte der Premier League 2016/17. Chelsea hatte im Duell gegen den Nachbarn aus Nord-London nicht allzu viele bedeutsame Offensiv-Aktionen, die Partie aber ob der strukturellen Überlegenheit seines 3-4-3-Systems, der coolen, berechnenden Aggressivität im Kampf gegen Mann und Spielgerät sowie einer unerhörten, situativen Brillanz im wichtigsten Abschnitt des Rasens für sich entschieden. Contes Mannschaft ist die Luxus-Version seiner italienischen Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Frankreich: Sie fühlt sich ohne Ball sehr wohl und beherrscht mit ihm am Fuß die Kunst der Zuspitzung; ein paar wenige Stiche reichen ihr, um Punkte einzufahren.

Es passte ins Bild, dass Conte später Hazard vor allem für seine Disziplin in der Defensive lobte, über dessen großartiges Solo-Tor sprach der 47-Jährige dagegen eher beiläufig. "Seine Leistung war heute sehr gut am Ball, aber ich möchte betonen, dass er viel für die Mannschaft gearbeitet hat", sagte Conte also: "Wenn er so spielt, ist er der komplette Spieler."

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