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Premier League:Zwei Trainer, zwei Systeme, zwei Welten

Manchester United v Manchester City - EFL Cup Fourth Round

Gefuchtel an der Seitenlinie: Pep Guardiola (rechts) und José Mourinho bei einem Aufeinandertreffen im vergangenen Jahr.

(Foto: REUTERS)
  • Am Sonntagnachmittag kommt es zur Premier League zum Derby zwischen Manchester City und Manchester United.
  • Es prallen zwei Spielkonzepte aufeinander.
  • Pep Guardiola tüftelt akribisch an seinem Spielsystem, José Mourinho vertraut dagegen auf die individuelle Stärke der einzelnen Spieler.

An der Seitenlinie applaudierte der große Zlatan Ibrahimovic, der sonst eigentlich nur applaudiert, wenn er sich selbst für die eigene Leistung applaudieren möchte. In seiner Karriere ist Ibrahimovic nie eine Lage zu schwierig gewesen, um ein Tor zu erzielen. Aber ein erfolgreiches Dribbling in der Premier League aus der eigenen Hälfte heraus, bei dem mehrere Gegenspieler gleich mehrmals ausgespielt werden, ist auch dem schwedischen Angreifer in knapp anderthalb Jahren bei Manchester United noch nicht gelungen. Mit so einem Solo gegen den FC Watford (4:2) konnte sich deswegen Jesse Lingard kürzlich Ibrahimovic' Akzeptanz sichern - und, nicht zu vergessen, einen Startplatz hinter den Stürmern im kostspieligen Aufgebot des englischen Rekordmeisters.

Die Position des Spielmachers bei Manchester United hatte José Mourinho ja zu Beginn der Saison ausgeschrieben. Einige Spieler formulierten ihre Ansprüche, im zentral offensiven Mittelfeld hielten deren Leistungen jedoch nicht den Erwartungen des Trainers stand. Bei Henrikh Mkhitaryan fehlte es an der Umsicht, die Ballverteiler Juan Mata zwar zu bieten hatte, ohne allerdings den Drang in den gegnerischen Strafraum zu besitzen. Paul Pogba, der teuerste Einkauf in der Vereinsgeschichte, versuchte sich auf diesem Gebiet, was wiederum eine unangenehme Lücke auf seiner angestammten Position vor der Abwehr nach sich zog.

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Um auf den leichtfüßigen Lingard, 24, aufmerksam zu werden, hatte Mourinho etwas länger benötigt. In der Vorsaison verschwendete er dessen Fähigkeiten meist auf den Außenseiten. Zu Beginn dieser Spielzeit schaffte es Lingard dann bloß sporadisch in die Anfangself. Dabei gehört der Rechtsfuß zu den pflegeleichten Spielern. Im Gegensatz zu anderen Könnern bei Manchester kommt er seinen defensiven Pflichten nach und verunsichert mit seiner Antrittsschnelligkeit den Spielaufbau des anderen Teams.

Citys Spielweise? Alles greift mit allem ineinander

Seit jeher sind Mourinho die vereinseigenen Talente aber eher suspekt. Besonders, wenn sie der niederländische Trainerguru Louis van Gaal entdeckte, mit dem ihn eine innige Hassliebe verbindet. Als Siebenjähriger schloss sich Lingard, der in der Nähe von Manchester aufgewachsen ist, der Fußballschule Uniteds an und gab dort unter van Gaal im Sommer 2014 sein Profidebüt. Die Fähigkeit, auf dem Platz nie still zu stehen und quasi unentwegt im Ballbesitz mit Sprints in den freien Raum die gegnerische Abwehr zu nerven, hat ihm in den vergangenen beiden Spielen zu drei Treffern verholfen. Daraus resultierten Uniteds Erfolge gegen Watford (4:2) und Arsenal (3:1), was dem Meisterrennen in der Premier League zumindest ein kleines bisschen Spannung erhalten hat.

Vor der 175. Ausgabe des Stadtduells in Manchester, das eine Milliarde Haushalte in 189 Ländern erreichen wird, beträgt der Rückstand des Tabellenzweiten United kurz vor dem Ende der Hinrunde schon acht Punkte auf den ungeschlagenen Spitzenreiter City. Diese Saison zeigt den Menschen in England, dass die Spielweise, bei der alles ineinandergreift (City), erfolgreicher ist als die Taktik, bei der nichts mit niemandem zusammenhängt (United). In der Offensive verlässt sich Trainer Mourinho auf die individuelle Stärke der einzelnen Spieler. Am besten verkörpert das derzeit eben der 1,74 Meter große Lingard, weil sein Vorgehen auf dem Platz keinem Muster folgt. Der Konkurrenz erschwert das die Analyse - und Lingard selbst bringt das endlich die Anerkennung im Verein ein, auf die er schon lange gewartet hat.

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