bedeckt München 26°

Premier League:Verschieben sich die Kräfte im Londoner Fußball?

Tottenham Hotspur - FC Arsenal

Tottenhams Dele Alli jubelt über seinen Treffer gegen den FC Arsenal.

(Foto: dpa)
  • Mit einem 2:0-Sieg gegen den FC Arsenal werden die Spurs zum ersten Mal seit 22 Jahren in der Abschlusstabelle vor dem Nord-Londoner Rivalen stehen.
  • Auch die Meisterschaft ist noch möglich - allerdings hat der FC Chelsea immer noch vier Punkte Vorsprung.
  • Ausgerechnet jetzt müssen sich die Fans von ihrem geliebten Stadion trennen.

Ein Blick auf die Gästeliste reichte aus, um zu verstehen, welche Bedeutung für Tottenham Hotspur in diesem letzten Aufeinandertreffen mit dem FC Arsenal an der White Hart Lane steckte. Am Freitag hatten die ehemaligen Spurs-Profis Osvaldo Ardiles und Ricky Villa bereits ihren Landsmann Mauricio Pochettino mit einem Besuch auf der Pressekonferenz überrascht. Und nun tauchte Jürgen Klinsmann in der Halbzeitpause am Spielfeldrand auf. Sofort war da wieder diese natürliche Sympathie zwischen den Fans und ihrem Liebling. Die Menschen begrüßten ihn mit honorigem Applaus, keiner hat vergessen, dass dem Angreifer in 56 Ligaspielen für die Spurs 30 Tore gelungen waren.

Klinsmanns Augen richteten sich gerührt auf die Videowand über dem Members Stand, weil die Stadionregie ein paar seiner Treffer einspielte. Die Szenen sollten an die Saison 1994/95 in der Premier League erinnern, in der Klinsmann mit 21 Toren einen wesentlichen Anteil daran hatte, dass Tottenham sich in der Abschlusstabelle vor Arsenal einreihte. Dann nahm Klinsmann wieder seinen Platz auf der Tribüne ein - und erlebte mit, wie sich Geschichte für seinen einstigen Verein nach 22 Jahren, elf Trainern und 50 Duellen mit Arsenal wiederholte.

Premier League Die Wandlung des Pep Guardiola
Manchester City

Die Wandlung des Pep Guardiola

Sportlich läuft es bei Manchester City holprig, Trainer Guardiola überzeugt aber zwischenmenschlich. Er hat aus seiner Zeit bei Bayern gelernt.   Von Sven Haist

Seit Sonntagabend steht fest, dass Tottenham Hotspur wieder die Nummer eins im Norden Londons ist. Bei noch vier ausstehenden Spieltagen beträgt der Vorsprung auf die Gunners 17 Punkte. Das heißt, dass der St Totteringham's Day in diesem Jahr ausfällt, also der Moment in einer Saison, in dem die Spurs den ungeliebten Nachbarn in der Tabelle nicht mehr überholen können. Stattdessen gibt es nun den: St Goner's Day. Zum ersten Mal seit dem 17. April 1995. Damals waren manche Spieler Tottenhams gar nicht auf der Welt - und Arsenals Trainer Arsène Wenger noch beim AS Monaco tätig.

Eine Generation an Menschen erfährt nun, wie es sich anfühlt, eine Saison vor Arsenal zu beenden. Die Spieler bekamen auf der Ehrenrunde Ovationen der Dankbarkeit. Am Kabineneingang wartete ihr Lehrmeister auf sie; Pochettino ließ es sich nicht nehmen, jeden einzelnen zu beglückwünschen. Bis die 31 811 Zuschauer vollständig das Stadion verlassen hatten, dauerte es eine halbe Stunde.

Das Loslassen fiel den Fans sichtbar schwer. Im Hinterkopf war ja der Gedanke, dass das Ende dieser lieb gewonnen Spielstätte naht, die im Jahr 1899 zur Heimat des Vereins geworden ist. Eine Tür weiter entsteht bereits das neue Stadion, dessen Fertigstellung (voraussichtlich im Sommer 2018) allerdings auf den Abriss des alten angewiesen ist. Begonnen wird damit am 14. Mai nach der Partie gegen Manchester United.

Den provisorischen Umzug ins Wembley in der kommenden Spielzeit könnte immerhin der 14. Heimsieg hintereinander lindern. Ein würdiger Abschluss wäre das dann, weil Tottenham erstmals in der Premier League eine Saison lang zuhause ungeschlagen bliebe. Wozu die Lane in der Lage ist, verdeutlichte die Energie, die das Londoner Stadtduell umgab. Auf der einen Seite führte das zu sechs Festnahmen durch die Polizei, aber auch zu einer beeindruckenden, friedlichen Atmosphäre im Stadion.