Premier League:Arsène Wenger spaltet den FC Arsenal

Premier League: Arsène Wenger im Spiel gegen Manchester City.

Arsène Wenger im Spiel gegen Manchester City.

(Foto: AFP)
  • Der FC Arsenal schafft ein 2:2 gegen Manchester City und Pep Guardiola - am Ende könnte der Londoner Klub aber die Champions League verpassen.
  • Der Verein diskutiert, wie es für den verdienten Trainer Arsène Wenger weitergehen soll.
  • Ein Angebot zur Vertragsverlängerung hat der Franzose bisher nicht angenommen, sein Abschied wurde aber auch noch nicht verkündet.

Von Sven Haist, London

Die Fernsehkameras waren bereits aus und die Stative abgebaut, als sich Arsène Wenger und Pep Guardiola im Kabinengang über den Weg liefen. Die Ordnungskräfte wichen einen Schritt zur Seite, selbst die Pressesprecher, die sonst in der Premier League jeden Schritt der Protagonisten begleiten, ließen die beiden jetzt alleine. Einmal ungestört, fingen die Trainer an, das Spiel aufzuarbeiten. Kopf an Kopf standen sich Wenger und Guardiola gegenüber und vertieften sich in die Analyse.

Gestenreich legte Guardiola die Ideale seines Angriffsfußballs dar sowie die Diskrepanz zwischen den eigenen Vorstellungen und der Umsetzung durch sein Team. Das war leicht daran zu erkennen, dass Guardiola die meisten Situationen in doppelter Ausführung nachstellte, die erste Version meist mit Kopfschütteln versehen. In Wenger fand er einen Gleichgesinnten, der ihm zuhörte und seine Einschätzungen teilte.

Die etwa fünf Minuten währende Fachsimpelei dürfte Wenger an seine eigenen Anfänge auf der Insel erinnert haben. Im Herbst 1996 legte er beim FC Arsenal los mit neuartigen Ideen, die die Premier League letztlich in die Moderne führten und den Londoner Verein in der Saison 2003/04 zum Meistertitel - ohne ein einziges verlorenes Spiel. Nach 21 Jahren in England hat sich der revolutionäre Geist des Elsässers aber beruhigt. Er ist altersmilde geworden, es geht ihm nicht mehr darum, dem Fußball die Richtung zu weisen.

Am Abend seiner Karriere will Wenger, 67, einfach noch ein bisschen Trainer sein. Der FC Arsenal, sein Lebenswerk, lässt ihn nicht los, am liebsten würde er wohl seinen im Sommer auslaufenden Vertrag verlängern. Sicher ist er sich aber offensichtlich auch nicht - sonst hätte er Arsenals Angebot für zwei weitere Jahre schon angenommen. Wengers Personalie spaltet den Klub seit Wochen. So wurde er im Stadion mit Applaus eingedeckt, kurz nachdem andere Fans an den Zufahrtsstraßen vehement seinen Abschied gefordert hatten. "All good things must come to an end" stand auf einem Plakat, "Wexit" auf einem anderen. Im Stadion war aber auch ein Transparent mit dem Text zu sehen: "Für immer in deiner Schuld" - darunter alle Pokale, die Wenger für den Klub gewonnen hat.

Die Unschlüssigkeit unter den Anhängern überträgt sich auch auf die Chefetage des Klubs, die nicht so genau weiß, wann der richtige Zeitpunkt gekommen ist für einen Neuanfang. Denn jeder Neuanfang birgt ja die Unsicherheit, ob sich die Dinge danach wirklich zum Besseren wenden. Nach dem Rücktritt von Sir Alex Ferguson vor knapp vier Jahren ist bei Manchester United erstmal alles schlimmer geworden. Der Verein stürzte in eine Sinnkrise, von der er sich bis heute nicht richtig erholt hat.

Am Nächsten kommt der Befindlichkeit des Klubs das 2:2 gegen Manchester City am frühen Sonntagabend. Das Unentschieden spricht gleichzeitig dafür und dagegen, dass Wenger bleibt. Seine Kritiker werfen ihm die fehlende Balance zwischen Angreifen und Verteidigen vor. Und finden dafür gute Argumente: Übermütig nahmen die Gunners am Sonntag ihre Gegenspieler anfangs in Manndeckung. Das führte dazu, dass Leroy Sané gleich den ersten Stellungsfehler zum 0:1 ausnutzte. Nach dem mühsamen Ausgleich ließ sich Arsenal durch Sergio Agüero erneut auskontern.

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