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Premier League:Spielwiese für den Scheich

Für die fußballverrückten Scheichs werden englische Klubs zum glamourösen Hobby: Nach den Russen kaufen jetzt auch die Araber in der Premier League ein.

Richard Scudamore, der Vorsitzende der Premier League, spricht gern vom virtous cycle, dem sich selbst verstärkenden "Kreislauf des Erfolgs" in Englands Fußball. "Die Finanzkraft unserer Vereine bringt Superstars in die Liga, und die Stars locken wiederum Fans, Zuschauer und Investoren an, mit deren Geldern weitere Stars verpflichtet werden." Dass diese einfache Rechnung unter den neoliberalen Marktbedingungen im Vereinigten Königreich selbst zu Zeiten der globalen Kreditkrise aufgeht, veranschaulichte am Montag die spektakuläre Übernahme von Manchester City durch einen arabischen Investmentfonds. Für 258 Millionen Euro kaufte die von Immobilienmilliardär Dr. Sulaiman al-Fahim, 31, geführte "Abu Dhabi United Group" den Verein von Thailands Ex-Premier Thaksin Shinawatra. Dieser hatte City erst vergangenes Jahr übernommen, sah sich aber nach seiner Flucht aus Bangkok - gegen ihn wird wegen Korruption ermittelt - zum Verkauf gezwungen.

Für 258 Millionen Euro kaufte die von Dr. Sulaiman al-Fahim (rechts) geführte "Abu Dhabi United Group" den Verein Manchester City.

(Foto: Foto: AFP)

Noch am Tag der Vertragsunterschrift brachten die Araber den begeisterten City-Anhängern den brasilianischen Stürmer Robinho von Real Madrid mit; 40 Millionen Euro Ablöse machen den 24-Jährigen zum teuersten Spieler der Liga. City dürfte wie der vom russischen Oligarchen Roman Abramowitsch seit 2003 mit geschätzten 700 Millionen Euro unterstützte FC Chelsea von Michael Ballack über Nacht zum internationalen Spitzenklub werden. "Wir werden der größte Verein der Welt sein, größer als Real Madrid und Manchester United", versprach Fahim.

Dubai liebäugelt mit dem FC Liverpool

Für die fußballverrückten Scheichs wird City dabei mehr als ein glamouröses Hobby sein. Fahim verwies auf den Gesamtumsatz der Liga (2,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr) und das enorme Wirtschaftspotential. Allein mit den TV-Rechten verdienen die 20 Eliteklubs jährlich 1,1 Milliarden Euro, knapp dreimal so viel wie die Bundesliga. Diese Zahlen ziehen reiche Russen (Chelsea, Portsmouth), isländische Unternehmer (West Ham), gewiefte Finanzinvestoren aus Amerika (Manchester United, Liverpool, Aston Villa) und lokale Millionäre (Tottenham, Fulham, Newcastle) an. Und die Grenzen des Möglichen sind noch lange nicht erreicht.

Die Premier League hat sich als Erste den globalisierten Märkten geöffnet, weltweit berauschen sich nicht weniger als eine Milliarde Menschen wöchentlich an Blut, Schweiß und Toren von der Insel. Das rasend schnelle, kaum von Unterbrechungen gebremste Spiel ist eines der erfolgreichsten Produkte der globalen Unterhaltungsindustrie. Und Fußballfans sind sehr loyale Kunden. Spätestens wenn die Vereine ihre Spiele selbst über das Internet an die Fans in Asien verkaufen können, wird das Geschäft eine neue Dimension erreichen. Im internationalen Vergleich ist die Premier League schon heute uneinholbar.

Im Frühjahr hatte Scudamore den Einfall, die Ligaklubs für ein zusätzliches, 39. Meisterschaftsspiel hinaus in die Wachstumsmärkte zu schicken, doch dies scheint gar nicht nötig zu sein: Die Welt kommt von sich aus nach England. Der City-Deal mit Abu Dhabi wird wohl das benachbarte Emirat Dubai auf den Plan rufen. Die beiden Golfstaaten konkurrieren seit Jahren um internationales Prestige und glanzvolle Investments. Man wird sich nicht wundern müssen, wenn das bedeutendste Derby der Emirate demnächst im Nordwesten Englands veranstaltet wird: Dubais Staatsfonds liebäugelt schon mit dem Kauf des FC Liverpool.

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