Süddeutsche Zeitung

Premier League:Arsenal vertraut dem Prozess

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Ein ereignisreicher Spieltag in der Premier League: Erling Haaland erzielt für Manchester City einen Hattrick, Liverpool gewinnt 9:0 - und Arsenal-Trainer Mikel Arteta zeigt es seinen Kritikern.

Von Martin Schneider

Dem Prozess vertraut

In der vergangenen Saison war der Satz "Trust the process" so was wie ein Running-Gag beim FC Arsenal. Die Bitte, dem Prozess zu vertrauen, stammt von Trainer Mikel Arteta, der ihn sagte, als es mit dem Klub gerade nicht bergauf ging. Am vierten Spieltag des vergangenen Jahres verließ der Londoner Klub gerade die Abstiegsränge, es folgte eine Saison ohne Champions-League-Qualifikation und - was für die Fans aus Nord-London fast noch schlimmer ist - hinter dem Rivalen Tottenham. Unter anderem der Ex-Arsenal-Spieler Mesut Özil spottete öffentlich über den "process". Nun steht Arteta nach vier Siegen aus vier Spielen an der Spitze der Premier League. Im Mittelfeld agiert Martin Ödegaard mit gerade mal 23 Jahren als Kapitän einer Mannschaft, die sich mit den Manchester-City-Spielern Gabriel Jesus (Sturm) und Oleksandr Sintschenko (Außenverteidiger) offenbar entscheidend verstärkt hat. Der Prozess scheint voranzuschreiten.

Lob für den netten Verlierer

Jürgen Klopp, der Trainer des FC Liverpool, fand aufmunternde Worte für seinen Kollegen Scott Parker. Das war nach einem 0:9, das den Premier-League-Rekord für die höchste Niederlage einstellt, nicht so einfach. Aber Klopp meinte, es sei sympathisch, was der AFC Bournemouth mache. Als Aufsteiger hätten sie insgesamt gerade mal 26 Millionen Euro für Transfers ausgegeben, was vor allem im Gegensatz zu Mitaufsteiger Nottingham Forrest steht, der unterm Strich 145 Millionen Euro über den Kontinent verteilte. Das war gut gemeint - es tröstete Parker trotzdem nicht. Der erklärte, er sei vom Ergebnis "schockiert", bei den Fans bat er um Verzeihung. Klopp selbst hilft der Kantersieg sehr, nicht nur, weil sein Team auch ohne den rotgesperrten 75-Millionen-Euro-Angreifer Darwin Núñez trifft. Es war der erste Sieg im vierten Ligaspiel. In einer Klasse, in der jeder Punktverlust die Meisterschaft entscheiden kann, gilt das schon als Fehlstart.

Peps echte Neun

Der Verdacht liegt nahe, dass Ilkay Gündogan in jüngster Vergangenheit das eine oder andere Spiel von Borussia Dortmund angeschaut hat. Indizien sind seine eigene BVB-Vergangenheit, seine eigene Bundesliga-Vergangenheit und sein Wissen um die Gefährlichkeit von Erling Haaland nach simplen Steilpässen. Beim BVB lief das ja oft so: Zuspiel auf den startenden Norweger, der sich dann einfach unaufhaltsam seinen Weg zum Tor bahnte. Einen solchen Treffer hat Haaland nun nach Vorlage von Gündogan auch für seinen neuen Klub Manchester City erzielt, es war das dritte Tor eines 19-Minuten-Hattricks, der das Spiel gegen Crystal Palace von einem 1:2 in ein 4:2 verwandelte. "Als Stürmer ist er unglaublich", sagte City-Trainer Pep Guardiola nach dem Spiel. Die englische Presse nennt Haaland bereits das "letzte Puzzleteil", das City noch gefehlt habe. Bisher bevorzugte es Guardiola ja, ohne echte Nummer neun in der Offensive zu spielen.

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