Süddeutsche Zeitung

Premier League:Pep verbietet Pizza bei ManCity

Guardiola akzeptiert keine Plauzen. Das erstaunt nun die Spieler von Manchester City.

Privat ist Pep Guardiola ein lieber, lieber Mann, davon durfte sich vergangene Woche ein süßer, süßer Junge namens Braydon Bent überzeugen. Ein Video aus dem Lehrbuch des Vereinsmarketings zeigt den Zahnlückenbubi, wie er in Manchester in ein Taxi kraxelt und dort plötzlich auf den neuen Trainer von Manchester City trifft. Der große Pep, ganz allein mit ihm auf Stadtrundfahrt. Da staunt Braydon natürlich wie ein Auto! Nach anfänglichem Herumdrucksen entwickelt sich zwischen den beiden ein Männergespräch über Fußball, das schließlich in Braydons Frage nach Lionel Messi als möglichem Neuzugang gipfelt. Den könne er ihm leider nicht im City-Trikot versprechen, sagt Guardiola.

Das Problem ist nun: Leider ist der Katalane seit seinem Dienstantritt nicht zu allen Menschen in Manchester so nett. Seinen Spielern etwa verbot er zum Trainingsstart gleich mal sinnliche Freuden des Lebens wie Pizza und Fruchtsäfte. Für diese Enthüllung sorgte in England jetzt City-Verteidiger Gaël Clichy. Laut einem Bericht des Guardian wunderte sich das Team in den ersten Tagen unter dem Trainer-Magier über dessen Akribie und Disziplinversessenheit.

"Egal ob auf dem Feld oder außerhalb - bei ihm zählt jedes kleinste Detail", sagte Clichy. "Das betrifft auch die Gesundheit: Wer bei ihm zu viele Kilos mitbringt, der darf gar nicht erst mit der Mannschaft trainieren." Mehrere Profis seien deshalb erst einmal zu einem persönlichen Fitnessprogramm verdonnert worden. Namen sind nicht bekannt, aber fest steht: Pep akzeptiert keine Plauzen. Darin unterscheidet er sich kaum vom Diätfanatiker Thomas Tuchel, dessen Ankunft in Dortmund vor einem Jahr mit drastischen Einschnitten bei den Italienerbesuchen seiner Spieler verbunden war. In Dortmund purzelten die Kilos, während sich das Punktekonto des Klubs füllte.

Klappt das auch bei Guardiola in Manchester? Wer Clichy glaubt, darf dies zumindest hoffen. Der Linksverteidiger selbst ist Franzose, er wurde in Toulouse geboren, der Hauptstadt des Wursteintopfes Cassoulet toulousain, aber er begrüßt den Schlemmverzicht. "Ich finde es total erfrischend, dass er uns jegliche schwere Kost verboten hat", erzählt der 31-Jährige. "Man mag nun denken: 'Das ist doch normal, so macht es doch jeder Verein'. Aber ich als erfahrender Spieler kann sagen: So ist es keineswegs überall."

Guardiola griff schon zu ganz anderen Maßnahmen

Nun dürften Clichys Beobachtungen all jene nicht überraschen, die die Arbeitsweise Guardiolas schon länger verfolgen. In seiner Zeit in Barcelona ließ er Gerüchten zufolge Spieler wie Pique, Eto'o oder Ronaldinho von Privatschnüfflern ausspionieren. Wer zu oft ins Caipirinha-Glas schaute, wurde trocken gelegt - oder verkauft.

Und auch beim FC Bayern gab es zu Beginn dieses Jahres Riesenzoff, weil der Coach sich über vermeintlich etwas gemütlicher aussehende Spieler wie Arturo Vidal beschwerte - und diese laut Berichten des Boulevards in der Kabine bloßstellte. Vidal selbst hat einen ausschweifenden Lebenswandel und jegliche Gemütlichkeit stets dementiert. Eine "Pizza-Probe" blieb ihm immerhin erspart. Bei Manchester City müssen nun offenbar einige Fußball-Millionäre ihre Ernährungsgewohnheiten umstellen, um nicht auf Guardiolas Liste der Nachholbedürftigen zu landen. Chia-Samen statt Pasta und Reis. Rohkost statt indischer Curries. Kohlrabi statt Quattro Stagioni.

"Er sagte uns: 'Wir werden hier alle dicke Kumpels sein in der Vorbereitung, aber ich weiß, dass einige enttäuscht sein werden, wenn sie dann im ersten Saisonspiel nicht in der Startelf stehen'", berichtete Clichy voller Offenheit über Guardiolas Antrittsrede. "Er will, dass wir ihm trotzdem vertrauen, denn nur so lässt sich eine gesunde Beziehung aufbauen." Mit Betonung auf: gesund.

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