Premier LeagueTore, Scharmützel und klare Worte – Woltemade ist unverzichtbar in Newcastle

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Gabriel Magalhães gegen Nick Woltemade (re.), dieses Ringerduell gab ein paar hübsche Schnappschüsse her an diesem Nachmittag in Newcastle.
Gabriel Magalhães gegen Nick Woltemade (re.), dieses Ringerduell gab ein paar hübsche Schnappschüsse her an diesem Nachmittag in Newcastle. (Foto: George Wood/Getty Images)
  • Nick Woltemade erzielte beim 1:2 gegen Arsenal das Führungstor für Newcastle, wurde aber in der 67. Minute ausgewechselt.
  • Nach Woltemades Aus kassierte Newcastle zwei Gegentreffer nach Ecken, wobei seine Präsenz im Strafraum schmerzlich vermisst wurde.
  • Der deutsche Stürmer führt mit zwei Treffern in drei Premier-League-Einsätzen die interne Torschützenliste an und ist unverzichtbar geworden.
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Beim unglücklichen 1:2 gegen Arsenal wird deutlich, wie sehr sein neuer Klub den Deutschen braucht. Und Woltemade sammelt Pluspunkte in puncto Widerstandsfähigkeit.

Von Sven Haist, London

Möglicherweise hätte Newcastle United nicht verloren, hätte Nick Woltemade bis zum Schlusspfiff auf dem Platz stehen können. Der deutsche Fußball-Nationalstürmer gehörte beim 1:2 gegen den FC Arsenal in der Premier League zu den auffälligsten Akteuren – weil er sich mit Arsenals Vorzeigeverteidiger Gabriel Magalhães einen kompromisslosen Dauerzweikampf lieferte, der sinnbildlich für das gesamte Spiel war. Lange hatte Woltemade die Nase vorn – oder besser: den Kopf. Denn mit diesem hatte er in der 34. Minute die Führung erzielt.

Nach einem von ihm selbst herausgeholten Eckball löste er sich geschickt von seinem Bewacher, hielt diesen auf Abstand und setzte sich durch. Doch nach seiner Auswechslung in der 67. Minute – als er unter dem Applaus der Fans entkräftet den Rasen im St. James’ Park verließ – kassierte Newcastle selbst zwei Gegentreffer nach Ecken. Zunächst glich Mikel Merino zum 1:1 aus (84.), ehe Gabriel Magalhães, nun nicht mehr von Woltemade eingebremst, mit dem letzten Angriff der Partie das Siegtor für die „Gunners“ erzielte (90.+6).

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In beiden Szenen wurde die Präsenz des fast zwei Meter großen Woltemade schmerzlich vermisst. Seit seinem überraschenden Transfer vor einem Monat, der dem VfB Stuttgart bis zu 90 Millionen Euro einbringen könnte, wird der Torjäger in Newcastle längst nicht nur im gegnerischen, sondern auch zunehmend im eigenen Strafraum gebraucht. Das liegt daran, dass sich der Deutsche im körperbetonten Inselfußball gut behauptet und sich kaum etwas gefallen lässt. Ein Scharmützel mit Gabriel machte das deutlich: Als Woltemade nach seinem Tor erneut auf Arsenals Abwehrreihe zulief, stellte sich ihm der Brasilianer in den Weg – und rammte ihm wohl aus Frust den Arm gezielt ins Gesicht.

Woltemade lief ihm sofort hinterher, zog ihn am Trikot zu sich und deutete demonstrativ mit dem Zeigefinger auf ihn. Der Referee unterbrach die Partie und bestellte beide Spieler zu sich. Während Gabriel beschwichtigend die Hand ausstreckte, schlug Woltemade die Entschuldigung aus. Später erklärte er, nichts gegen ein hart geführtes Duell zu haben, doch Unsportlichkeiten wie diese gingen zu weit. „Das ist nicht richtig, ich mag das nicht“, sagte er. Auf Nachfrage, warum er sich nicht habe fallen lassen, um eine rote Karte zu provozieren, entgegnete er, dafür nicht der Typ Spieler zu sein. Da die Aktion übersehen worden war, blieb Gabriel ohne Strafe.

Am souveränen Umgang mit dieser Situation bestätigt sich, dass Woltemade keine großen Anpassungsschwierigkeiten in Newcastle hat. Das wäre nachvollziehbar gewesen – schließlich gilt es, die große Lücke zu füllen, die sein Vorgänger Alexander Isak hinterlassen hat, nachdem der Schwede zum FC Liverpool gewechselt war. Doch Woltemade versteckt sich nicht und nimmt die neue Rolle an. Weil der ebenfalls geholte Yoane Wissa vom FC Brentford wegen einer Knieverletzung vorerst ausfällt, ist Woltemade momentan sogar noch schwerer verzichtbar als ohnehin. Schon während seiner Eingewöhnungszeit in England hat der 23-Jährige ein enormes Pensum zu bewältigen, da Newcastle durch die Teilnahme an der Champions League kaum Verschnaufpausen bleiben.

Woltemade überzeugt bisher, aber man merkt ihm auch an, wie sehr ihn die Umstellung auf den englischen Fußball strapaziert

Dabei hinterlässt er einen überzeugenden Eindruck – kann sein Leistungsniveau jedoch kräftebedingt nicht konstant halten, schon gar nicht über die vollen 90 Minuten. In allen fünf Pflichtspielen seit seiner Ankunft kam er bislang zum Einsatz, startete jedoch nur in den drei Ligapartien und wurde jeweils ausgewechselt. Gerade diese Matches sind für Newcastle besonders wichtig: Nach sechs Partien steht der Klub mit lediglich sechs Punkten unter Zugzwang. Trainer Eddie Howe versucht daher, Woltemades Belastung abseits der Premier League gezielt zu steuern. Ein Ausfall wäre kaum zu kompensieren. Mit zwei Treffern in drei Premier-League-Einsätzen führt der Neue bereits die interne Torschützenliste an.

Woltemades persönliche Bilanz steht exemplarisch für die Lage des gesamten Teams. Newcastle verfügt zwar über eine international konkurrenzfähige Startelf, doch echte Alternativen fehlen im Kader. Die Finanzen des Klubs, der nach dem Einstieg des Staatsfonds aus Saudi-Arabien vor vier Jahren unverzüglich rund eine halbe Milliarde Euro investierte, um das Team in die Champions League zu führen, lassen derzeit keine Verstärkungen in der Breite zu. Diesen Nachteil nutzte Arsenal am Sonntagabend resolut aus: Gästetrainer Mikel Arteta wechselte in der Schlussphase mehrere Spitzenspieler ein und erhöhte so den Druck. Das zunehmend ausgelaugte Newcastle hatte dem nichts mehr entgegenzusetzen. Das beweist auch die Statistik: Während der Ballbesitz in der ersten Halbzeit noch einigermaßen ausgeglichen war, kam Newcastle im zweiten Durchgang auf magere 27 Prozent.

Die Analyse dazu lieferte Nick Woltemade. Man habe am Ende ausschließlich verteidigt, räumte er ein – obwohl es dringend Spielphasen mit Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte gebraucht hätte, um sich aus Arsenals Umklammerung zu befreien. Wenn man lange hinten drinstehe, ohne eigene Chancen zu haben, seien späte Gegentore keine Überraschung, erklärte er enttäuscht. Woltemades Einschätzung umschrieb treffend, was seinem Team am Ende auf dem Platz fehlte – ein Spieler wie er selbst.

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