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Premier League:Mourinho fordert Klopp heraus

Manchester United manager Jose Mourinho

Unter Trainer José Mourinho ist Manchester United spielerisch so nah an den Top-Mannschaften wie lange nicht.

(Foto: REUTERS)

Manchester atmete auf, als er da war. Ein Jahr länger als der Erzrivale aus Liverpool hatten sie bei ManUnited gebraucht, um in José Mourinho ihren persönlichen Heilsbringer zu verpflichten. Liverpool hatte ja schon eine Saison vorher Wunschtrainer Jürgen Klopp geholt, und positive Energie an der Anfield Road entfacht. Im vergangenen Sommer hatten die beiden größten Rivalen auf der Insel wieder zwei ebenbürtige Antagonisten. Und weil Mourinho wie Klopp in den vergangenen Monaten nicht nur gute Stimmung verbreitete, sondern auch relativ erfolgreich arbeitete, atmet am Sonntag ganz England auf: Das Duell zwischen Liverpool und Manchester (17 Uhr, Liveticker bei SZ.de) ist nach etlichen biederen Jahren sportlich wieder eine interessante Angelegenheit.

Klopp und Mourinho haben die Hoffnungen auf Trophäen zurückgebracht, beide mit einem gefühlsbestimmten Einsatz an der Seitenlinie, der an Kontrollverlust grenzt. Doch trotz ihres ähnlichen Gehabes am Seitenrad könnten sie unterschiedlicher kaum sein: Da ist auf der einen Seite Klopp, der gut gelaunte, positive Motivator mit schelmischem Lächeln. Und da ist Mourinho, der zynische Portugiese, der mit finsteren Blicken psychologischen Krieg führt. Doch der Einsatz dieser Techniken ist in der laufenden Saison für die zwei immer seltener nötig geworden. Es geht häufiger um Fußball.

Eine Systemumstellung machte den Unterschied

Offensichtlich ist der Wandel vor allem in Manchester. United ist zwar derzeit nur Sechster, aber spielerisch so nah an den Top-Mannschaften wie zuletzt unter Alex Ferguson. Die vergangenen neun Pflichtspiele hat United gewonnen, seit 15 Partien nicht mehr verloren. Schönen Fußball bietet Mourinhos Truppe zwar nicht immer, er bleibt ein Pragmatiker. Aber zuletzt waren Manchesters Auftritte vor eigenem Publikum wieder vom alten Offensivgeist geprägt, Gegner wurden regelrecht überrannt. Gegen Tottenham, den letzten hochkarätigen Gast, gelang das: United gewann mit 1:0.

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Mourinho hat den einjährigen Vorsprung Klopps wett gemacht, er hat nach anfänglichen Schwierigkeiten die teuren Zugänge integriert. Vor allem Paul Pogba blüht immer mehr auf, seit Mourinho den Geist von Vorgänger Louis van Gaal komplett vertrieben hat. Der Trainer rückt immer häufiger von seinem präferierten 4-2-3-1 ab und setzt auf ein offensives 4-3-3, in dem Pogba seine Stärken besser entfaltet. Mourinho könne sich den Franzosen in Zukunft als Nachfolger von Wayne Rooney als Kapitän vorstellen, sagte er, um sogleich zu relativieren: "Es ist nicht fair zu sagen, dass er dominieren muss."

Mourinho weiß, dass vor einem Spiel gegen Liverpool jeder Satz von ihm irgendwo aufgeschrieben wird, und die Leistung der Spieler daran gemessen wird. "Ich bin jetzt ein paar Monate hier und verstehe Schritt für Schritt, wie wichtig diese Rivalität ist", sagt er. Doch Mourinho wäre nicht Mourinho, würde er nicht trotzdem versuchen, Lockerheit zu demonstrieren. In der Pressekonferenz vor dem Spiel beantwortete er auf dem Podium einen Anruf auf seinem Handy. Und über seinen Antagonisten sagte er: "Ich bin nicht sicher, ob Klopp so ruhig ist wie ich."

Der Trend spricht gegen Liverpool

Liverpool hat zwar noch fünf Punkte Vorsprung vor Manchester, konnte aber seit drei Spielen nicht mehr gewinnen - besonders die Pokal-Partie gegen den Viertligisten Plymouth Argyle schmerzte, sie endete in einem torlosen Remis. Grund zur Besorgnis? "Es gibt nichts zu fürchten", sagt Klopp, der Optimist. "Als ich aufgewacht bin, habe ich mich gefragt, warum es mir so gut geht", sagte er bereits am Freitag: "Dann ist es mir wieder eingefallen: Es sind nur noch zwei Tage."

Das Aufeinandertreffen in der Hinrunde endete übrigens 0:0, damals hatte sich Manchester einen Punkt ermauert, es wurden die ersten Zweifel am Heilsbringer laut. Doch vielleicht ist ihr Optimismus die größte Gemeinsamkeit zwischen Klopp und Mourinho. Angesprochen auf das Null-null, mit gerade mal einem Schuss seiner Mannschaft aufs Tor und 35 Prozent Ballbesitz, sagt Mourinho auch heute noch: "Es war ein gutes Spiel." Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er so etwas auch am Sonntag noch mal sagt. Diesmal allerdings, ohne dabei zu schwindeln.

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