City-Sieg im Manchester-DerbyRonaldo verlässt grußlos das Stadion

Lesezeit: 3 Min.

Nicht wie weg von hier: Cristiano Ronaldo hatte genug gesehen an diesem Nachmittag.
Nicht wie weg von hier: Cristiano Ronaldo hatte genug gesehen an diesem Nachmittag. Oli Scarff/AFP

Manchester United ist im Duell gegen den Stadtrivalen ManCity chancenlos. Das 0:2 ist ein weiterer Beleg dafür, wie weit das Team unter Trainer Solskjaer den eigenen Ansprüchen hinterherläuft.

Von Sven Haist, Manchester

SZ bei Google bevorzugen

Nicht mal Cristiano Ronaldo konnte Manchester United diesmal retten. In den beiden vorherigen Partien in dieser Woche, beim Erfolg über Tottenham Hotspur (3:0) in der Premier League sowie beim Unentschieden gegen Atalanta Bergamo (2:2) in der Champions League, stärkte der Portugiese mit seinen Toren jeweils dem stark kritisierten Trainer Ole Gunnar Solskjaer den Rücken. Aber nach dem 186. Stadtduell in Manchester zwischen United und City am Samstagmittag wollte auch Ronaldo nur noch weg.

Nicht mal für einen Gruß an die applaudierenden Heimfans hatte er mehr Zeit. Die Partie war noch gar nicht richtig abgepfiffen, da hatte er sich bereits zum Ausgang aufgemacht. Als erster Spieler verließ er das Stadion Old Trafford, ohne seine Mitspieler und seinen Trainer eines Blickes (oder sogar eines Handschlags) zu würdigen. Kontinuierlich hatte sich seine Frustration aufgebaut, bis sie letztlich auf dem kurzen Weg in die Kabine so groß gewesen sein dürfte, dass er sich wohl selbst gefragt hat, ob es nicht besser gewesen wäre, im Sommer einfach zu City zu wechseln.

Ronaldo kommt bisher auf neun Tore für ManUnited

Nach dem bisherigen Saisonverlauf ließe sich annehmen, dass ihm das einige schmerzhafte Niederlagen mit United erspart hätte - und ihm womöglich mit City noch einige Tore mehr gelungen wären als seine bislang neun Pflichtspieltreffer. Denn sofern City über einen Stürmer des Formats Ronaldo im Kader verfügen würde, wäre das Ergebnis am Samstag noch weitaus einseitiger ausgefallen als das 2:0 für den Meister. Zwar liest sich das Resultat als eine Verbesserung gegenüber Liverpools 5:0 über United an gleicher Stelle vor zwei Wochen, aber "seelisch", schrieb die Times in ihrem Spielbericht, würde die Niederlage mindestens "ebenso schwer" wiegen.

Der Guardian konstatierte, dass Uniteds Abstand zu den Spitzenklubs jetzt so groß sei wie ein "gähnender Abgrund" und stellte einmal mehr die Trainerfrage an den zwölfköpfigen United-Vorstand: "Wie lange noch (mit Solskjaer)?" Seit 14 Pflichtspielen wartet United zu Hause mittlerweile auf ein Spiel ohne Gegentor. Eine längere Serie gab es einzig zwischen April 1958 und März 1959 (21 Spiele).

Champions League
:Ronaldo rettet ManUnited erneut

Der Portugiese trifft zweifach gegen Bergamo und beschert seinem Klub ein 2:2. Juventus ist schon weiter und Tuchel jubelt mit Chelsea in Schweden.

Solskjaer versucht fast verzweifelt die Niederlage kleinzureden

Im Sky-Studio entbrannte eine hitzige Diskussion rund um die ehemaligen United-Größen Gary Neville und Roy Keane über die Zukunft des abdriftenden Klubs. Schon in der Halbzeitpause hielt Keane eine Standpauke, in der er außer sich vor Wut das Team verbal angriff ("Ich gebe auf!") und Neville auf den Rechtsverteidiger Aaron Wan-Bissaka losging ("absoluter Wahnsinn"), der bei beiden Toren jeweils seine Gegenspieler Phil Foden und Joao Cancelo ungehindert flanken ließ. Zunächst grätschte Uniteds zur Halbzeit ausgewechselter Abwehrmann Eric Bailly den Ball für City über die Linie (7.), dann traf Bernardo Silva (45.).

Die Spieler hätten "zu Tode erschrocken" gewirkt, fand Neville, und hätten nur darauf gewartet, geschlagen zu werden. Die fehlende Resilienz bemängelte auch Keane: "Mir ist es oft passiert, dass ich in einem Spiel nicht ganz bei der Sache war. Aber dann habe ich mir selbst gesagt: 'Weißt du was, jetzt gehe ich los und niete einen um.'" Auf der Pressekonferenz versuchte Solskjaer fast verzweifelt, die erneute Schmach kleinzureden ("Es war sowieso ein schwieriges Spiel...") und beharrte darauf, dass seine Amtsperiode noch nicht abgelaufen sei. Er würde "die ganze Zeit eine gute Kommunikation" mit dem Klub unterhalten.

Am Spieltag rollte das Lokalblatt Manchester Evening News zunächst einmal mehr die Abläufe aus dem Sommer auf, als United kurz vor Toresschluss dem ungeliebten Nachbarn die Verpflichtung des Angreifers Ronaldo vermasselte. Jetzt hat United zwar Ronaldo - aber halt immer noch keine konkurrenzfähige Mannschaft, die um die Meisterschaft mitspielen kann. Stattdessen geriet die Partie gegen City zu einer Reproduktion des Heimspieldebakels gegen Liverpool - nur nochmal schlimmer.

Champions League
:Alle Wege führen zu Ronaldo

Als hätte ihn jemand auf einer Spielkonsole angeleitet, schießt der Portugiese wieder entscheidende Tore für Manchester United - und hält den Klub allein auf Kurs. Aber wie lange kann er die Probleme des Teams überdecken?

Von Sven Haist

Mehrmals scheitert City an Uniteds hervorragendem Torhüter David de Gea

Im Gegensatz zur Auseinandersetzung mit dem Erzrivalen, als Solskjaer die Torheit beging, sein ungefestigtes Team früh angreifen zu lassen (woraufhin erst so richtig die defensiven Schwächen entblößt wurden), richtete er nun seine Spieler aufs übliche Konterspiel aus. Allerdings tüftelte Citys Trainer Pep Guardiola mit zwei nahe an den Seitenlinien agierenden Außenstürmern ein geschicktes Positionsspiel aus, das gleich fünf United-Profis auf der hintersten Abwehrlinie zurückhielt. Dadurch trat das sowieso selten existierende Forechecking bei United überhaupt nicht mehr in Erscheinung. Bis zur Umstellung auf eine Viererkette zum zweiten Durchgang kam United kaum wirklich aussichtsreich an den Ball. Den einzigen Schuss aufs Tor gab Ronaldo bereits frühzeitig ab.

Vielmehr erhielt der Rekordmeister eine Vorführung einer Art von Fußball, die der Klub selbst gern spielen würde. Zeitweise stieg Citys Ballbesitzanteil auf über 70 Prozent und nur sieben Prozent des Geschehens spielte sich im eigenen Abwehrdrittel ab. Mehrmals scheiterte City in aussichtsreicher Position an Uniteds hervorragendem Torhüter David de Gea. Ohne dessen Paraden wäre die nächste Klatsche kaum zu verhindern gewesen. Trotz des Klassenunterschieds hielten die Fans bis zuletzt zu ihrem Team und hofften gegen Spielende auf eine dieser Aufholjagden, die den Klub stets ausgezeichnet haben. Doch anstelle eines weiteren Comebacks lieferte Manchester United bloß den finalen Beweis, dass es auf diese Weise mit Solskjaer nicht mehr weitergehen kann.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Champions League
:Alle Wege führen zu Ronaldo

Als hätte ihn jemand auf einer Spielkonsole angeleitet, schießt der Portugiese wieder entscheidende Tore für Manchester United - und hält den Klub allein auf Kurs. Aber wie lange kann er die Probleme des Teams überdecken?

Von Sven Haist

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: