Premier League Der Professor bremst Arsenals Wandel

Seit Herbst 1996 bei Arsenal: Trainer Arsène Wenger.

(Foto: Getty Images)
  • Trotz des schleichenden Abwärtstrends haben sich Arsenals Klubbosse im vorigen Sommer entschieden, den Vertrag mit dem langjährigen Trainer Arsène Wenger zu verlängern.
  • Wenger soll derweil zu einem "Katalysator des Wandels" werden.
  • Weil sich Wenger aber partout nicht zu seiner Zukunft äußert, vertreibt er wohl so manchen natürlichen Kandidaten auf seine Nachfolge.
Von Sven Haist, London

Wegen vehementer Kritik an den Schiedsrichtern wurde Arsène Wenger neulich für drei Spiele aus seiner Trainerzone am Spielfeldrand verbannt. Das führte dazu, dass der beinahe schon in Vergessenheit geratene Jens Lehmann auf einmal wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit geriet. Schulter an Schulter verfolgte Wenger mit Lehmann von der Tribüne das Geschehen auf dem Platz. Seit dieser Saison gehört der ehemalige deutsche Nationaltorwart, der sich am Telefon eigeninitiativ bei Wenger um eine Mitarbeit beworben hatte, zum Trainerstab des FC Arsenal.

Die Personalie ist insofern bemerkenswert, als Wenger seit seiner Anfangszeit im Klub kontinuierlich denselben Mitarbeitern vertraut. Die gemeinsame Erinnerung an den größten Coup der Vereinsgeschichte, als Arsenal mit Lehmann im Tor in der Saison 2003/04 die englische Meisterschaft ohne Niederlage gewann, hat bei dieser Anstellung wohl ebenso geholfen wie die Tatsache, dass Lehmann in seiner Assistenten-Rolle die Position seines Chefs kaum infrage stellt. Während der Zusammenarbeit hat er sich für Wenger zu einem Souffleur entwickelt, dessen Eindrücke mitunter sogar umgesetzt werden.

Mehr als diese Art der Hilfestellung für den unmittelbaren Erfolg am Spieltag scheint Wenger inzwischen allerdings eine Vertrauensperson zu benötigen, die ihm empfiehlt, den eigenen Abschied und die eigene Nachfolge voranzutreiben. Drei Triumphe im FA-Cup in den vergangenen vier Spielzeiten hätten Wenger die Möglichkeit geboten, sich im Hochgefühl von seinem Lebenswerk, dem FC Arsenal, zu verabschieden.

Gerade mal drei Sige aus den vergangenen elf Partien

Aber dem Elsässer geht es offenbar nicht primär darum, einen weiteren Titel zu seiner Sammlung hinzuzufügen oder dem englischen Fußball noch mal die Richtung zu weisen. Das hatte er ja bereits bei seinem Amtsantritt im Herbst 1996 getan, als er das verschlafene Arsenal mit revolutionärem Geist weckte und zur Weltmarke entwickelte. Vielmehr möchte Wenger, 68, offenbar einfach noch ein bisschen Trainer sein in dieser schicken Premier League. Und genau das ist für die Gunners zum Problem geworden.

In völligem Widerspruch zu den detailliert ausgearbeiteten Plänen seiner jüngeren Trainerkollegen vertraut Wenger lieber auf die Spielkunst der Profis. Hinter jedem Zug in der Offensive soll die Improvisation der Spieler stecken. In seltener gewordenen Momenten kann sein Team nach wie vor einzelne Zuspiele derart schnell zu einer Ballpassage aneinanderreihen, dass sich erst in Zeitlupe die richtige Abfolge erkennen lässt.

Häufiger jedoch offenbart sich innerhalb der Mannschaft ein Mangel an Führungsstärke und defensiven Grundkenntnissen. In den vergangenen elf Partien in der Premier League haben die Londoner gerade mal drei Spiele gewonnen. Nach der peinlichen Niederlage bei Swansea City beträgt der Rückstand auf den vierten Rang, der für die Teilnahme an der Champions League berechtigt, vor dem Duell mit dem FC Everton acht Punkte. Dabei qualifizierte sich der Verein unter Wenger, abgesehen von der Vorsaison, bisher in jedem Jahr für den wichtigsten europäischen Wettbewerb.