Tuchel-Aus beim FC Chelsea:Der 100-Tage-Frist zum Opfer gefallen

Lesezeit: 2 min

Tuchel-Aus beim FC Chelsea: Muss bei Chelsea gehen: Trainer Thomas Tuchel gewann mit dem Klub unter anderem die Champions League.

Muss bei Chelsea gehen: Trainer Thomas Tuchel gewann mit dem Klub unter anderem die Champions League.

(Foto: Glyn Kirk/AFP)

Seit 100 Tagen hat der FC Chelsea neue Besitzer, diese verkünden nun das Aus für Thomas Tuchel. Für den Trainer endet die erfolgreichste Karrierestation - dabei stand kürzlich noch eine Vertragsverlängerung im Raum.

Von David Kulessa

Die 100-Tage-Frist kennt man eigentlich aus der Politik, sie hat sogar einen eigenen Wikipedia-Artikel. "Die 100-Tage-Frist bemisst die Zeitdauer, die einem Amtsinhaber zugestanden wird, um erste Erfolge vorzuweisen", heißt es dort. Nun ist Thomas Tuchel kein Politiker und hat auch nicht vor 100, sondern vor knapp 600 Tagen sein Amt als Cheftrainer beim FC Chelsea angetreten. Dem beschriebenen Stichtag ist er augenscheinlich trotzdem zum Opfer gefallen.

Denn seit dem 30. Mai 2022, das ist tatsächlich exakt 100 Tage her, ist ein Konsortium um den Milliardär Todd Boehly Besitzer des sechsfachen englischen Meisters aus London. Der US-Amerikaner und seine Kollegen waren auf den russischen Oligarchen Roman Abramowitsch gefolgt. Im Statement, das der Klub heute auf seiner Website veröffentlicht hat, heißt es: "Da nun 100 Tage seit Übernahme des Klubs vergangen sind, halten es die Besitzer für den richtigen Zeitpunkt, diesen Wechsel vorzunehmen."

Wechsel, im englischen Original "transition", heißt in diesem Fall, sich von Thomas Tuchel zu trennen. Das überrascht, schließlich berichtete das britische Boulevardblatt The Sun vor gerade mal drei Wochen noch von einer möglichen Vertragsverlängerung Tuchels, dessen Arbeitspapier ohnehin bis 2024 gültig war. Damals hieß es, Todd Boehly sei sehr angetan gewesen von der Arbeit des ehemaligen Bundesligatrainers.

Im Sommer durfte Tuchel fast 300 Millionen Euro ausgeben

Das unterstreichen auch die Transfers, die Tuchel in diesem Sommer tätigen durfte. Rund 280 Millionen Euro sollen die zahlreichen Zugänge gekostet haben. Raheem Sterling (56 Mio.), Marc Cucurella (65 Mio.) und Wesley Fofana (80 Mio.) galten allesamt als Wunschspieler des 49-Jährigen. Letzterer kam zudem erst vor einer guten Woche an die Stamford Bridge. Selbiges gilt für Pierre-Emerick Aubameyang, früherer Schützling Tuchels aus Dortmunder Tagen, der am Deadline Day verpflichtet wurde und am Dienstag sein Debüt im Chelsea-Trikot gab.

Im Champions-League-Spiel bei Außenseiter Dinamo Zagreb blamierte sich jedoch der Sieger von 2021 und verlor 0:1 (0:1). "Nicht präzise genug, nicht kaltschnäuzig genug, nicht aggressiv genug am Ball, nicht entschlossen genug", zählte Tuchel hinterher die Mängel auf: "Individuell nicht genug und als Team nicht genug." Auch auf sich selbst sei er wütend - weil er eine solch schlechte Leistung seines Teams nicht habe kommen sehen.

Das allein wäre noch nicht so dramatisch, doch auch in die Liga ist Chelsea enttäuschend gestartet. Nach sechs Spieltagen ist Tabellenführer und Stadtrivale Arsenal bereits fünf Punkte voraus, auf einen Sieg folgten bislang stets Punktverluste. Auch das ärgerte Tuchel - doch nach dem schwer erarbeiteten 2:1-Erfolg gegen West Ham United vom Wochenende wähnte er seine Mannschaft auf dem richtigen Weg. Diesen Weg wird nun ein anderer finden müssen. Englische Medien berichten, dass Brighton-Coach Graham Potter der Nachfolger werden soll. Laut Guardian stehen auch etwas größere (sowie aktuell vereinslose) Namen auf der Liste: Zinédine Zidane und Mauricio Pochettino.

Für Tuchel, zuvor in Mainz, Dortmund und Paris, endet die erfolgreichste und zugleich kürzeste Station seiner bisherigen Trainerlaufbahn. Neben dem Triumph in der Champions League gewann er mit Chelsea auch den Uefa-Supercup sowie die Fifa-Klubweltmeisterschaft. 2021 wurde er vom Weltverband als Trainer des Jahres ausgezeichnet, in der Vorsaison stand er mit Chelsea noch in zwei englischen Pokalendspielen, die beide unglücklich verloren wurden. Die Niederlage in Zagreb war sein 99. Pflichtspiel für den Klub. Nummer 100 wollten Todd Boehly und Co. nicht mehr abwarten.

Zur SZ-Startseite

Raubüberfall auf Aubameyang
:Schlag mit dem Gewehrkolben

Der Raubüberfall auf das Haus des Barça-Stürmers Pierre-Emerick Aubameyang verlief brutaler als zunächst vermutet: Der frühere Dortmunder erleidet eine Kieferverletzung - nun wackelt sein Wechsel zu Chelsea.

Lesen Sie mehr zum Thema